20.09.2019, 14:06 Uhr

Europastammtisch „Heute leben wir im Herzen Europas“

V. li.:  ASP-Vorstandsmitglied Alexander Hannes, Netzwerkmanagerin Jaroslava Pongratz und Bay. Eisensteins CSU-Vorsitzender Michael Herzog. (Foto: Geiling)V. li.: ASP-Vorstandsmitglied Alexander Hannes, Netzwerkmanagerin Jaroslava Pongratz und Bay. Eisensteins CSU-Vorsitzender Michael Herzog. (Foto: Geiling)

Netzwerkmanagerin Jaroslava Pongratz zu Gast beim Außen- und Sicherheitspolitischen Arbeitskreis

BAYERISCH EISENSTEIN Dass der Außen- und Sicherheitspolitische Arbeitskreis (ASP) der CSU um den Kreisvorsitzenden Florian Wiesmüller nicht nur überregionale Zusammenhänge im Blick hat, sondern sich auch regional relevanter Themen annimmt, wurde am Wochenende im Rahmen eines Europastammtisches in den „kunsträumen grenzenlos“ mit Jaroslava Pongratz, der Netzwerkmanagerin Bayern-Böhmen der Europaregion Donau-Moldau, deutlich. Der Arbeitskreis diskutierte anschließend mit dem CSU-Ortsvorsitzenden von Bay. Eisenstein, Michael Herzog, über das Potential der Region im Grenzraum und deren Herausforderungen.

ASP-Schatzmeister Alexander Hannes stellte die Bedeutung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit für die Region heraus. Er sei überzeugt, dass die vielfältigen gemeinsamen kulturellen Angebote 30 Jahre nach dem Fall den Grundstein und einen wichtigen Beitrag zu beiderseits fruchtbarer Zusammenarbeit lege. Daher habe man sich für den Veranstaltungsort in Bay. Eisenstein entschieden.

Michael Herzog betonte die Vorteile der Grenzöffnung für die 1.000-Einwohner-Gemeinde. „Früher waren wir das Ende der westlichen Welt, heute leben wir im Herzen Europas“, so der Eisensteiner Bürgermeisterkandidat und zeigte sich über die zwischen Bay. Eisenstein und Železná Ruda getroffene Vereinbarung zu intensiverer Zusammenarbeit erfreut. „Wir können noch mehr tun!“, appellierte Herzog.

Pongratz gab anschließend einen Überblick über die Entwicklung der 2012 gegründeten Europaregion Donau-Moldau, die neben Niederbayern und der Oberpfalz, die tschechischen Bezirke Pilsen, Südböhmen und Vysočina sowie Ober- und Niederösterreich beinhaltet und sich die Stärkung des ländlichen Raums als Gegengewicht zu den Metropolregionen Nürnberg, München, Wien oder Prag auf die Fahnen geschrieben hat. In sieben Themenschwerpunkten habe man sich zu Beginn für die rund sechs Millionen Menschen der Region überlegt, wie man Verbesserungen im Leben der Menschen herbeiführen könne, beispielsweise in den Bereichen Verkehrs- und Unternehmenskooperationen bis hin zum Tourismus und der Forschung. Kontinuierlich werden in diesem Sinne kulturelle, touristische und wirtschaftliche Projekte initiiert und unterstützt.

Mit dem Sitz im „Europahaus“ in Freyung ist eine zentrale Anlaufstelle für die Europaregion Donau-Moldau Niederbayern geschaffen worden. Im selben Haus sitzt ebenfalls der kommunale Verband Euregio, was für Zusammenarbeit und Synergieeffekte sorgt. „Euregio organisiert beispielsweise Gastschuljahre von tschechischen Schülern in Bayern“, erklärte Jaroslava Pongratz und betonte dabei, wie wichtig es sei, den gemeinsamen Grenzraum zu unterstützen.

Neben den kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten hat sich die Europaregion Donau-Moldau auf der wirtschaftlichen Förderung verschrieben und Pongratz verdeutlichte die ökonomischen Beziehungen zwischen Bayern und Böhmen: „Einige Arbeiternehmer aus Bayern arbeiten in Tschechien, etwa in Niederlassungen bayerischer Firmen, und viele Tschechen nehmen ihren Arbeitsplatz in Bayern wahr.“ Um die Unternehmer beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze unterstützen und zusammenbringen zu können, hat Pongratz gemeinsam mit dem Niederbayern-Forum im Rahmen von bayerisch-tschechischen Unternehmertagen, Unternehmensbörsen und Gründergipfel Plattformen geschaffen, um gegenseitig Kontakte knüpfen zu können. So leiste die

Europaregion Donau-Moldau unter anderem durch Dolmetscher während der Veranstaltungen einen Beitrag zur gegenseitigen Verständigung.

Neben Unterschieden im Gesellschaftsrecht ging Jaroslava Pongratz auf ihr weiteres Tätigkeitsfeld ein, zu dem neben der Unterstützung von Unternehmen auch die für Hochschulen im Bereich Technologietransfer gehöre. Pongratz sei Verbundstelle zwischen Tschechen und Deutschen, die bei Problemen jeglicher Art wie der Sprachbarriere in den Bereichen Wirtschaft und Wissenschaft oder bei Recherchen zu gesetzlichen Regelungen oder bei der Kommunikation mit Ämtern unterstützend zur Seite stehe. Neben der Unterstützung bei der Suche nach Mitarbeitern aufgrund des vorherrschenden Fachkräftemangels kümmere sich die Netzwerkmanagerin vordergründig und weit überwiegend um grenzüberschreitende Veranstaltungen, um die Menschen der Europaregion Donau-Moldau im Bereich Wirtschaft zusammen zu bringen. Pongratz gab zudem Hinweise für Unternehmen, so sei das tschechische Handelsregister öffentlich zugänglich und das Netzwerk „Linked In“ deutlich wichtiger als das überwiegend in Deutschland verwendete „Xing“.

In einer anschließenden Diskussion wurde unter anderem das Thema Forstwirtschaft und Holzpreise diskutiert. Der stellv. Eisensteiner CSU-Ortsvorsitzende, Manfred Schröder, merkte an, dass anders als in Deutschland die tschechischen Forstwirte nicht in Verbänden organisiert seien, sondern die Vermarktung selbst übernehmen müssen. Barbara von Schnurbein sah die Sprachbarriere weniger hoch als noch vor einigen Jahren, da es inzwischen zusätzliche Übersetzungs- und Dolmetscherleistungen gäbe. Pongratz stimmte dem besonders für die politische und akademische Ebene zu. Auf Arbeitsebene leiste die Europaregion Donau-Moldau einen Beitrag zur gegenseitigen Verständigung.

Abschließend bedankte sich Hannes bei Jaroslava Pongratz mit einem regionalen Präsent und lud die Teilnehmer in die benachbarte Schmugglerhütte zum gemeinsamen Austausch ein. Die nächste bayerisch-tschechische Unternehmensbörse findet am 16. Oktober in Klattau statt.


0 Kommentare