05.08.2019, 12:30 Uhr

Denkmalpreis Vom hässlichen Entlein zum Künstlerhaus

Das Schiessl-Haus in Kollnburg prägt durch seine zweigeschossige Bauweise mit verziertem Giebelschrot, Kniestock und Flachsatteldach sowie vorgelagertem Bauerngarten das Ortsbild. (Foto: pm/Bezirk Niedernbayern, Lang)Das Schiessl-Haus in Kollnburg prägt durch seine zweigeschossige Bauweise mit verziertem Giebelschrot, Kniestock und Flachsatteldach sowie vorgelagertem Bauerngarten das Ortsbild. (Foto: pm/Bezirk Niedernbayern, Lang)

Denkmalpreis des Bezirks Niederbayern geht nach Kollnburg: Künstler Thomas Niggl wird für die Sanierung des Alten Schiessl-Hauses ausgezeichnet.

KOLLNBURG Mit dem Denkmalpreis zeichnet der Bezirk Niederbayern seit 2002 Hauseigentümer aus, die bei der Erhaltung ihres Baudenkmales Herausragendes geleistet haben. In diesem Jahr geht der mit 7.500 Euro dotierte Preis an den Künstler Thomas Niggl, der in Kollnburg das alte Schiessl-Haus mitten im Ort saniert hat. Der Kultur-, Jugend- und Sportausschuss des Bezirks unter Vorsitz von Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl folgte einstimmig dem Vorschlag des Kulturreferats, dessen Leiter Dr. Maximilian Seefelder den Bezirksräten erklärte, warum man heuer dieses Objekt ausgewählt habe.

Thomas Niggl habe sich um das lange Zeit leer stehende und vernachlässigte Baudenkmal angenommen und es denkmalgerecht sowie unter größtmöglichem Erhalt der Originalsubstanz saniert. Dabei galt es, sämtliche Schäden zu beheben, „die man sich nur vorstellen kann“, so Seefelder. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein ehemaliges Handwerkerhaus, dessen Besitzer zur Eigenversorgung eine kleine Viehhaltung betrieben. Da die eingeengte Insellage mitten im Ortskern keine rentable Landwirtschaft ermöglicht hätte, kann es kein „Bauernhaus“, wie ursprünglich in der Denkmalliste eingetragen, gewesen sein.

Die Bauforschung datiert den ersten Bauabschnitt des Hauses auf das Jahr 1766, in dem zunächst ein erdgeschossiges Gebäude mit Kniestock erstellt wurde. Der in den Hang hineingebaute Gebäudeteil wurde aus Bruchsteinen gemauert. Stube, Kammer und Kniestock wurden als Blockbau erstellt. 1869 wurde das Obergeschoss in Blockbauweise aufgesetzt und Anfang der 1960er Jahre erfolgten weitere Ausmauerungen im Erdgeschoss. „Damit weist das Gebäude die regionaltypische Mischbauweise mit einem massiv gemauerten Erdgeschoss und einem Obergeschoss in Blockbauweise auf“, erklärte Seefelder.

Nutzung als „Kleines Haus der Kunst“

Vor allem aber gefiel dem Ausschuss die künftige Nutzung des Gebäudes als „Kleines Haus der Kunst“. Jungen und noch weitgehend unbekannten Künstlern soll die Möglichkeit geboten werden, in dem Baudenkmal für einen bestimmten Zeitraum mietfrei zu wohnen und zu arbeiten. Zum Ende des Aufenthaltes soll ein „Wochenende der offenen Tür“ stattfinden, bei dem die Ergebnisse begutachtet, diskutiert und erworben werden können. Eines der Werke soll jeweils im Gebäude verbleiben und so zum Aufbau einer kleinen „Galerie im Künstlerhaus“ beitragen, das auch der Öffentlichkeit zugänglich sein soll.

„So wird aus dem hässlichen Entlein ein Künstlerhaus“, betonte Seefelder. „Die Sanierung hat dem Eigentümer viel Mut, Engagement und Kreativität abverlangt. Mit der Nutzung als Künstlerhaus schafft er ein außergewöhnliches Konzept von überörtlicher Bedeutung, das als Leuchtturm-Projekt für die Region zu werten ist.“ Ein würdiger Preisträger für den Denkmalpreis des Bezirks Niederbayern 2019 – darin waren sich die Ausschussmitglieder einig. Verliehen wird der Preis im Rahmen einer Feierstunde am Tag des Offenen Denkmals, 8. September, im Festsaal des Bezirksklinikums Mainkofen.


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