14.12.2018, 11:28 Uhr

Gestaltung steht an Wohnzimmer Marktplatz

Bürgermeister Joachim Haller lobte die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Team der Firma „nonconform“ Eva Kraler, Katharina Forster, Caren Ohrhallinger, Elena Stoycheva, Roland Wallner und Claudia Bosse. (Foto: Mühlbauer)Bürgermeister Joachim Haller lobte die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Team der Firma „nonconform“ Eva Kraler, Katharina Forster, Caren Ohrhallinger, Elena Stoycheva, Roland Wallner und Claudia Bosse. (Foto: Mühlbauer)

Ideenwerkstatt tagte, über 800 Vorschläge sind eingegangen.

BODENMAIS „Der Marktplatz soll unser Wohnzimmer werden“, das ist zentrales und verheißungsvolles Ziel der Firma „nonconform“, die drei Tage lang ihre Ideenwerkstatt in Bodenmais aufgeschlagen hatte. Und die Resonanz war beachtlich, wie bei der Abschlusspräsentation im Gasthof Zur Post festgestellt werden konnte, an der 65 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen: 270 Ideenzettel mit rund 800 Ideen waren eingegangen und von den Fachleuten ausgewertet worden. Bis spät in die Nacht hinein gab es genügend Arbeit, wie Elena Stoycheva erzählte. Unter fünf Büros, die sich in nichtöffentlicher Sitzung des Marktgemeinderates vorstellten, hat sich das Gremium für „nonconform“ und damit für einen „Kreativprozess“ entschieden, was die Entwicklung des Ortskerns und dessen Zukunftssicherheit anbelangt. Den Auftakt der Veranstaltung gaben die „BieiBlechBlosa“ mit ihren musikalischen Darbietungen. Bürgermeister Joachim Haller dankte dem Team für die hervorragende Zusammenarbeit und die weitere Begleitung.

Sechs Mitarbeiter der Firma „nonconform“, die Büros in Deutschland und Österreich betreibt, waren zur Abschlusspräsentation nach Bodenmais gekommen. Als Nächstes wird nun ein Werkstattbericht angefertigt, den samt Maßnahmenliste die Kommune erhält und dann geht es an die Umsetzung – voraussichtlich soll damit im Frühjahr 2019 begonnen werden. Die Ideenvielfalt jedenfalls ist enorm, das wurde schon an den Stellwänden in den Gasträumen ersichtlich. „Ihr braucht dann eine Strategiegruppe und Klarheit im Konzept“, erläuterte Claudia Bosse. Eingangs ging Elena Stoycheva auf die Projektreise ein, bei der eine Delegation aus Bodenmais in Perlesreut, Ybbsitz, Hinterstoder und Haslach an der Mühl mehrere Projekte der Ideenwerkstatt von „nonconform“ besichtigte. „Alle diese Eindrücke haben wir nach Bodenmais mitgenommen“, betonte sie. „Es wurde diskutiert, gepredigt, gezweifelt und gelacht“, beschrieb Claudia Bosse die drei Tage Ideenwerkstatt in Bodenmais, die neben den Bürgern auch von Schulklassen besucht wurde. Etliche Briefe, sogar ausgearbeitete Konzepte und viele Wünsche gingen ein. „Gestalterisch wäre vieles möglich“, zeigten sich die Fachleute optimistisch. Der Blick sollte auch auf eine Weiterdenken im Jugend- und Kulturbereich gelenkt werden. Immer wieder wurde das Wort „Wohnzimmer“ in den Mund genommen, Roland Wallner sagte es noch deutlicher: „Ihr habt bayernweit die schönste und größte Aussichtsplattform, wenn man den Marktplatz hernimmt“. Dass mit manchen Immobilien schon gestartet werden könne, hatte schon Claudia Bosse betont und auch von einem Entgegenkommen betreffender Besitzer gesprochen.

Dass alle Bodenmaiser ins Boot gehören, klang an diesem Abend wie selbstverständlich, denn es gelte Sichtbares zu schaffen, „die Lust auf den Marktplatz zu wecken“. Die „nonconform“-Experten bedauerten „weil wir so viel Leerstand gesehen haben“. Erfreulich dagegen die gefüllten Ideenboxen, diese waren an verschiedenen Stellen im Ort platziert. In der Abschlusspräsentation wurde nun das Füllhorn ausgeschüttet. Die Fachleute plädierten dafür, Treffpunkte an zentralen Orten zu schaffen, durch Aktionen, Märkte, Veranstaltungen. „Ihr seht zwar die Symptome, was aber sind die Ursachen“, beäugte Roland Wallner die derzeitige Situation kritisch. Die Fachleute sprachen hier von einer „funktionellen Entleerung“ des Ortskerns, dieser Leerstand müsse aber als Chance erkannt werden, als Raum für Neuerungen. „Wenn ein Dorf nicht ohne Tourismus funktioniert, funktioniert es gar nicht mehr“, unterstrich Roland Wallner. Er relativieret aber nicht, dass die Entscheidung der 1990er Jahre für eine Beruhigung des Ortsinneren damals gut überlegt war, die Situation aber habe sich gewandelt. „Wir brauchen 100 Gründe für die Einheimischen, warum sie zum Marktplatz kommen sollten, ein Tourist rettet das nicht“, räumte der Referent ein. Für die Umkehrung der funktionellen Entleerung forderte Roland Wallner ein rasches Handeln. Konkret sieht er darin, eventuell den Jugendtreff, Bücherei und offenen Seniorenkreis in ein Gebäude im Ortszentrum zu verlagern, „das Dorfleben sichtbar zu machen“. Dies könne zur Entstehung eines Multifunktionsgebäudes führen, in dem sich auch noch die Gelegenheit für einen Musikprobenraum anbietet. „Die Erdgeschosszone ist entscheidend, sie soll Blickbeziehungen aufweisen“, wusste der Referent. Für ihn gehöre auch der Wochenmarkt auf den Marktplatz und „Junges Wohnen“ könne durch revitalisierte Altbauten innerorts ermöglicht werden.

Und wieder ist das „Wohnzimmer Marktplatz“ ein Begriff im Vortrag von Caren Ohrhallinger. „Der Begriff kam von euch, ich selbst verwende ihn sehr gerne“, bekannte sie, die für den Marktplatz dichte Nutzungspackungen und einladende Wege erkannte. Die Bürger selbst haben es in der Hand „ihr Wohnzimmer“ aufzuräumen, auszuräumen und neueinzurichten. Dabei führte die Expertin von „nonconform“ an, auf Wahrnehmbarkeit zu achten, auch was die Achsen zwischen Schule und Marktplatz, Marktplatz und Rathaus, Friedhof und Kuhbrücke betrifft. Einfließen in die Überlegungen soll, wie die künftige Parksituation zu regeln ist, eine funktionierende Beleuchtung durch strahlende und blendende Lichtpunkte, ein Raster von fixen Bänken als Zuschauerkulisse bei Veranstaltungen, Feiern, Platzkonzerten mit der dazu nötigen Infrastruktur. Ein Nachdenken forderte Caren Ohrhallinger auch über den Bodenbelag, aktuell durch Kopfsteinpflaster. Allerlei Lösungen gebe es, was Überdachung und Beschallung anbelangt. „Das Kirchenoktogon wirkt mächtig, aber der kleine Turm verschwindet“, stellte die Referentin fest. „Ihr braucht auch Geld“, verschwieg Claudia Bosse in ihren Ausführungen vorher nicht ohne das in dieser Abschlusspräsentation ein Betrag fiel. Eines ist klar: Es steht viel an in Bodenmais!


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