02.10.2018, 11:13 Uhr

Frauenau ohne Lebensmittelgeschäft Wenn der tägliche Einkauf zur Odyssee wird

Schon im August hat der Edekamarkt in Frauenau geschlossen. Einkaufen ist derzeit nur außerhalb der Gemeinde möglich. (Foto: Fisch)Schon im August hat der Edekamarkt in Frauenau geschlossen. Einkaufen ist derzeit nur außerhalb der Gemeinde möglich. (Foto: Fisch)

Lebensmittelgeschäft ist dicht – Einkaufen geht nur in Zwiesel oder Grafenau.

FRAUENAU Als der Edeka-Markt in Frauenau Ende August geschlossen wurde, gab es lange Gesichter in der gesamten Gemeinde. Doch was das für die Bürger vor Ort – vor allem für diejenigen, die kein Auto haben – bedeutet, zeigt sich erst jetzt.

Der tägliche Einkauf wird zu einer wahren Odyssee und ist gerade für Rentner schwer zu bewältigen. Denn auch wenn es vor Ort noch einen Getränkemarkt, Bäcker und Metzger gibt, so können andere Einkäufe nur im benachbarten Zwiesel oder in Grafenau erledigt werden. Doch wie kommt man dorthin, wenn man nicht mobil ist?

„Wenn wir Einkaufen fahren, ist das eine echte Strapaze“, sagen die verärgerten Rentner vor Ort. Während man früher nur zum Edeka laufen musste, um sich dort mit Obst, Gemüse, Nudeln oder auch Drogerieartikeln einzudecken, muss jetzt ein weiter Weg zurückgelegt werden.

Die nächste Einkaufsmöglichkeit liegt im benachbarten Zwiesel. Doch wer kein Auto besitzt, muss die Strecke von rund acht Kilometern entweder per Rad, per Bus oder per Bahn zurücklegen. Aber auch das ist nicht einfach: „Für Rentner, die nicht mehr gut zu Fuß sind, ist das schon echt beschwerlich“, sagen die Betroffenen. Mit dem Rad ist man eine gute halbe Stunde unterwegs und wer zum Beispiel mit dem Bus fährt, der muss in einen Reisebus einsteigen.

„Es gibt keine Niederflurbusse hier. Wenn man dann beim Zurückkommen noch mit Tüten bepackt ist, dann wird das Aussteigen zu einer echten Herausforderung“, beschreiben die Rentner. „Und dann stehst du halt auch nur an der Bushaltestelle und musst die Einkäufe noch nach Hause schleppen“, machen sie deutlich. Die Bahn bietet da auch keine richtige Alternative. „Sie hält unten beim Glasmuseum und wenn man nicht dort um die Ecke wohnt, dann muss man eben wieder hochlaufen“, sagen die Bürger genervt.

Außerdem kommt noch dazu, dass die Busse unter der Woche nur dreimal am Tag nach Zwiesel und zweimal am Tag nach Grafenau fahren. Zurück nicht öfter. Das heißt, wenn man morgens mit dem Bus nach Zwiesel fährt, dann muss man viele Stunden warten, bis man wieder mit dem Bus zurückfahren kann.

Einkaufsfahrten kosten auf Dauer

Um es etwas einfacher zu haben, haben die Rentner auch schon mal probiert mit dem Taxi zu fahren. Eine einfache Fahrt kostet laut Auskunft eines Taxiunternehmers zwischen 15 und 20 Euro, je nachdem, wo der Kunde abgeholt werden muss. Und für die Wartezeit wird pro Stunde 24 Euro berechnet. „Das können wir uns nicht leisten!“, betonten die Rentner. „Das Geld fehlt uns dann einfach zum Leben!“ Und auch die Bus- und Zugfahrten schlagen auf Dauer zu Buche. Eine einfache Busfahrt nach Zwiesel kostet 3,20 Euro, für Rentner ab 65 Jahren 1,90 Euro. Die Fahrt nach Grafenau mit dem Bus ist deutlich teurer. 5,10 Euro muss man für die Hinfahrt bezahlen und eine Seniorenermäßigung gibt es in diesem Fall nicht. „Damit liegt man bei Hin- und Rückfahrt auch schon bei über zehn Euro“, beklagen die Rentner. Das Tagesticket für den Zug kostet 8,50 Euro.

Ob es in naher Zukunft wieder einen Nahversorger im Ort geben wird, ist noch offen. Bürgermeister Herbert Schreiner: „Wir können es uns nicht leisten, dass wir vor Ort kein Lebensmittelgeschäft haben. Wir sind an der Sache dran und setzen alle Hebel in Bewegung. In dieser Woche gibt es wieder ein Gespräch, vielleicht können wir Ende der Woche schon genaueres sagen.“

Und auch die Auskunft von Edeka Südbayern bleibt vage: „Grundsätzlich sieht sich Edeka Südbayern als wichtiger Partner, um eine qualifizierte Nahversorgung auch in kleineren Gemeinden sicherzustellen. Entsprechend prüfen wir auch im Fall des Standorts in Frauenau derzeit mögliche Optionen. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir aber keine Details nennen. “

Für die Rentner dürfte es damit weiterhin schwierig sein, sich mit Lebensmittel zu versorgen. „Wenn jemand Verwandte hat, dann übernehmen die schon mal Besorgungsfahrt oder bringen die Eltern zum Discounter. Für alle anderen gibt es aber diese Möglichkeit nicht“, sagen die alten Leute vor Ort und weisen noch darauf hin, dass ja jetzt das Wetter bald umschlagen wird. „Wie wir dann bei Kälte, Eis und Schnee einkaufen sollen, wissen wir beim besten Willen nicht!“


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