19.07.2018, 10:04 Uhr

Frank-Walter Steinmeier besucht Campus Bundespräsident informiert sich über innovative Forschung „made in Grafenau“


Am Mittwoch, 18. Juli, besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Technologiecampus Grafenau (TCG). Im Rahmen seiner Regionalreise unter dem Motto „Land in Sicht“ war die Forschungseinrichtung der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) seine erste Station. Gemeinsam mit dem bayerischen Kultusminister Sibler und regionalen Bundestagsabgeordneten informierte sich Frank-Walter Steinmeier über die zukunftsweisenden Projekte des Campus. Großes Interesse weckte besonders das Projekt „Digitales Dorf“, das sich im vergangenen Jahr in Windeseile zum Erfolgsmodell entwickelte.

GRAFENAU Seit der Eröffnung des Technologiecampus Grafenau im Jahre 2013 hat sich die Forschungseinrichtung rasant entwickelt. Mit seinen vielfältigen Projekten weckte das fast 40-köpfige Team um Campusleiterin Prof. Dr. Diane Ahrens nationale wie internationale Aufmerksamkeit. Durch die enge Zusammenarbeit mit Politik, Kommunen und Wirtschaft wurden Berichte über die Aktivitäten der rührigen Forschungsgruppe bis nach Berlin getragen.

Impulsgeber für die Region

Die Bundestagsabgeordneten Rita Hagl-Kehl und Thomas Erndl sowie Kultusminister Bernd Sibler und Landrat Sebastian Gruber begleiteten Bundespräsident Steinmeier. Auch Hochschulpräsident Prof. Dr. Peter Sperber und Grafenaus Bürgermeister Max Niedermeier freuten sich sehr über den hohen Besuch. Diane Ahrens, Leiterin des Technologiecampus, gab ihren Gästen einen kurzen Überblick über die Arbeit der Forscher in Grafenau: „Unser Erfolg liegt in der interdisziplinären Zusammenarbeit. Erfahrene Logistiker verstehen das Kundenproblem, Statistiker analysieren die vorliegenden Daten, Mathematiker entwickeln Lösungsalgorithmen und Informatiker setzen diese gemeinsam mit Mediendesignern in bedienfreundliche Software um.“ Damit kommen am Technologiecampus Grafenau alle Lösungen aus einer Hand. „In einer Region fern von den bekannten Ballungszentren, wirken wir deshalb umso mehr als Impulsgeber und können viel bewegen“, erläutert Ahrens. 2015 belebte der Neubau für die Außenstelle der THD sichtlich den Stadtkern von Grafenau: aus einer Problemregion mit Leerständen begann sich ein modernes offenes Stadtzentrum zu entwickeln. Campusleiterin Diane Ahrens legt außerdem ein besonderes Augenmerk auf die Verwurzelung in der Region sowie die Kooperation mit kleinen und mittleren Unternehmen im Bayerischen Wald, erwähnte aber auch größere Partner wie beispielsweise Rhode & Schwarz und BMW. Staatsminister Sibler äußerte sich lobend über grenzüberschreitende Projekte mit Tschechien.

Forschung „made in Grafenau“

An drei Thementischen stellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des TCG dem Bundespräsidenten ausgewählte Projekte aus den Forschungsschwerpunkten des Campus vor. Thementisch eins und zwei waren dem digitalen Dorf gewidmet. Das digitale Dorf hat zum Ziel, die Lebensqualität im ländlichen Raum mit Hilfe der Digitalisierung zu unterstützen und dabei digitale Anwendungen in diversen Lebensbereichen wie Mobilität, Medizin, Schule und Verwaltung umzusetzen. Am ersten Thementisch thematisierte das Projektteam die Arbeit des TCG als Wegbereiter in eine digitale Zukunft. Enger Bürgerdialog, adäquate Berücksichtigung der Ängste und Vorbehalte seien ein Grundstock erfolgreicher Umsetzung. Allerdings seien mit Digitalisierung nicht nur offene Türen vorzufinden und, wie Steinmeier ergänzte, „insbesondere die Vorteile und Erleichterungen aufzuzeigen“. An Thementisch zwei erfuhr der Bundespräsident mehr über die Technologie hinter dem Digitalen Dorf. Professor Elser betonte, dass die Technologien so entwickelt würden, dass diese auch für finanzschwache Kommunen kostengünstig und pflegearm seien. Jessica Laxa, Technische Leiterin im Projekt „Digitales Dorf“, sprach über Angebote, von denen Gemeindebewohner profitieren können. Zum Beispiel über die Möglichkeit, Vereinstermine unkompliziert selber in einen Dorfkalender einzupflegen. Oder über eine „Mitmach-App“, die bereits in hohem Maße genutzt wird, um die kommunale Verwaltung auf kleinere Missstände, Schäden oder Verbesserungsmöglichkeiten hinzuweisen. Bürgermeister Niedermeier bestätigte, dass so ein direkter Draht zur Gemeinde geschaffen würde.

Neben regionaler Entwicklung, Logistik und Supply Chain Management, beschäftigt sich das Grafenauer Team auch mit Big Data Analytics und Big Data Applications, also Datenbanken, Analysen, Prognosen und maschinellem Lernen. An Thementisch drei berichtete die Forschungsgruppe über ihre Arbeit in diesem Bereich. Während in Betrieben zum Beispiel mit Hilfe künstlicher Intelligenz die Maschineneinstellungen oder die innerbetriebliche Materialversorgung verbessert werden, trägt der Campus im Handel dazu bei, anhand von Prognosen die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren oder Modeverkäufe besser vorhersagen zu können. Bundespräsident Steinmeier war sichtlich von den Forschungsinhalten angetan und testete den vorbereiteten Foodscanner. Dieser kann in Sekundenschnelle Qualitätsmerkmale zu Obst und Gemüse ausgeben, zum Beispiel den Süßegehalt von Äpfeln. Die Grafenauer Forscher nutzen diese Technologie, um darauf aufbauend auch Haltbarkeitsprognosen zu den Lebensmitteln abgeben oder qualitätsmindernde Fehler in der Lieferkette aufdecken zu können. Begeisterung fand das abschließend vorgestellte Projekt zur besseren Essensplanung in Großkantinen. Teamleiter Robert Hable erklärte, dass die Datenanalyse die Anzahl der benötigten Gerichte wesentlich genauer prognostiziert und die Überproduktion von Essen um 20 bis 40 Prozent gesenkt werden könne.

Nach einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Grafenau und das Gästebuch des Technologiecampus Grafenau verabschiedete sich Steinmeier vom im Foyer versammelten Team des Technologiecampus.


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