20.03.2018, 10:00 Uhr

Aktuelle Projekte im Visier Regierungspräsident Rainer Haselbeck besucht Unternehmen im Arberland


Auf Einladung der Kreisentwicklungsgesellschaft ARBERLAND REGio GmbH besichtigt der niederbayerische Regierungspräsident zwei Mal pro Jahr herausragende Betriebe im Landkreis Regen.

ARBERLAND Diese Besuche sollen nicht nur einen Eindruck vom wirtschaftlichen und touristischen Potenzial unserer Heimat geben, sondern auch aktuelle Projekte vorstellen, die dank staatlicher Regionalförderung in die Tat umgesetzt werden konnten. Auch Ende Februar begaben sich Regierungspräsident Rainer Haselbeck, Dr. Jürgen Weber, Bereichsleiter für Wirtschaft, Landesentwicklung und Verkehr der Regierung von Niederbayern, Regens Landrätin Rita Röhrl, ARBERLAND REGio GmbH-Geschäftsführer Herbert Unnasch, Wirtschaftsförderer Markus König und die Bürgermeister der jeweiligen Firmen wieder auf Fahrt durchs ARBERLAND. „Gerade im Mittelstand profitieren unsere heimischen Betriebe enorm von regionalen Fördermitteln“, weiß Markus König: „Sie machen neben Um- oder Neubauten auch technische Innovationen möglich.“

Bestes Beispiel ist die Firma „DD-Optik“ in Kirchdorf. 1990 von den ehemaligen Rodenstock-Mitarbeitern Franz Dankesreiter und Ludwig Denk gegründet, hat man sich als Hersteller hochpräziser optischer Komponenten für Laser, Medizintechnik und Fotooptik in der internationalen Marktnische „Muster und Kleinserie“ aufgestellt. „Salopp gesagt produzieren wir alles, wo man durchsehen kann - außer Brillen“, scherzte Dankesreiter. Einer der 28 Mitarbeiter, um die man sich mit großem Einsatz kümmert, ist geflüchteter Afghane. Er erhält, wie alle vier Auszubildenden, regelmäßig Nachhilfeunterricht in Physik und Mathematik. Ein enges Kooperationsverhältnis mit dem Technologiecampus Teisnach hat Innovationen wie die neuen Interferometer-Objektive hervorgebracht. Im Gegenzug versorgt die DD-Optik-Tochtergesellschaft „DDO Coating“ Teisnach mit optischen Beschichtungen. Wie viele Unternehmer der Region beklagen auch Dankesreiter und Denk einen akuten Fachkräftemangel - gerade was das Berufsbild des Feinoptikers angeht. Die Belegschaft arbeitet derzeit auch samstags, um die Fülle an Aufträgen zu bewältigen. „Mindestens acht Leute mehr könnten es ruhig sein“, meinte Denk. „DD-Optik ist Aussteller auf dem Berufswahltag in Regen und bedient sich vieler Imagemaßnahmen, um von potenziellen Azubis wahrgenommen zu werden“, informierte Markus König Regierungspräsident Haselbeck. Der gewünschte Erfolg stelle sich aber nur verzögert ein. „Es muss parallel ein gesellschaftlicher Wandel stattfinden“, konstatierte Herbert Unnasch. „Einer, der den Eltern vermittelt: Wenn mein Kind eine solide Ausbildung, gerade im technischen Bereich, anstrebt, ist es finanziell und sozial häufig besser gestellt als mit einem halbherzigen Studium.“ Haselbeck lobte den Mut und die unternehmerische Weitsicht des DD-Duos: „Sie scheinen mit Ihrer Selbständigkeit, den unternehmerischen Meilensteinen und technischen Neuerungen stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Dazu gehört ein bisschen Glück, aber in der Hauptsache eine große Portion Entrepreneurship.“

Die nächste Station der Betriebsbesichtigungstour führte Haselbeck und seine Begleiter nach Drachselsried in das Vier-Sterne-Wellnesshotel „Riedlberg“. Dieses entlohnte nicht nur durch einen einmaligen Ausblick über das Zellertal: Der Spa- und Saunabereich des 126-Betten-Hauses umfasst - mit Panoramahallenbad, Fitnessraum, Wintergarten, Salzstollen und vielem mehr - über 5.000 Quadratmeter. Zudem gab Familie Mühlbauer den Blick auf einen Neubaukomplex frei, der seinesgleichen sucht: Er wirbt mit dem Slogan „Der Bayerische Wald zum Wohnen“ und besteht fast gänzlich aus Holz! Chalet- und Grand-Chalet-Suiten mit Infrarotsitz, eigener Sauna und Dachterrasse wurden durch die bewilligten Regionalfördermittel ebenso möglich wie eine neue Hotellobby, der eindrucksvolle Frontcooking-Bereich sowie eine Tiefgarage. „Wir sind noch nicht mit allem fertig, beispielsweise geht uns der geplante Konferenzraum ab, ich hoffe aber, Sie können unsere Vision erahnen“, kommentierte Stephan Mühlbauer. Eine „himmelschreiende Untertreibung“, befanden die Gäste. Als Vertreter der Tourismusförderung im ARBERLAND lobte Herbert Unnasch: „Wir freuen uns, dass Sie schon seit Jahren den Weg des Qualitätstourismus einschlagen haben und diesen permanent und unbeirrbar gehen.“ Begeistert sei er auch, dass mittlerweile bereits die dritte Hoteliersgeneration mit großem Engagement und eigenen Ideen bei der Sache sei. Dabei habe es die HoGa-Branche schwerer denn je, Nachwuchs heranzuziehen. Die Zahlen an der hiesigen Hotelberufsschule befänden sich stark im Rücklauf. „Wir müssen auch hier weiterhin und verstärkt auf die Chancen einer entsprechenden Ausbildung aufmerksam machen, um Kompetenzen und Können zu halten - gerade im Landkreis Regen, einer DER Urlaubsregionen Ostbayerns“, bekräftigte Rita Röhrl.

Zuletzt machte die Delegation bei der „Schreinerei - Innenausbau“ Stefan Peter Halt. Gegründet 1977 von Paul Peter in Geiersthal wurde das Unternehmen bis 2002 als Zwei-Mann-Betrieb geführt. Einen Wendepunkt in der Firmengeschichte markierte die Übergabe an Sohn Stefan: Durch die Umsiedelung nach Viechtach, die Anschaffung einer CNC-Fräse und den Aufbau eines kleinen Netzwerks mit Schreinern aus der Region ließ sich ein hochdotierter Auftrag für Schienenfahrzeug-Einrichtungsteile so hervorragend erfüllen, dass dessen Folgeaufträge die mittlerweile rund 30 Mitarbeiter bis heute beschäftigen. „Obwohl man sich den Schreiner der Gegenwart nicht mehr wie Meister Eder an seiner Hobelbank vorstellen darf, betreuen wir nach wie vor auch Privatkunden“, erklärt Stefan Peter. Zusätzlich nehmen Bodenbeläge, Bauelemente und Möbelstücke jeglicher Art vom Viechtacher Kugel-Gebäude aus ihren Weg in die gesamte Nordhalbkugel. Obwohl die Schreinerei im Mittelstand angekommen ist, spricht ihr Inhaber immer noch von einem „Familienunternehmen, in dem man einander kennt und zueinander steht.“ Da bleibt es nicht bei einer Windelpauschale für den Mitarbeiter-Nachwuchs: „Derzeit haben wir eine Fachkraft, die in einer hochmodernen syrischen Schreinerei beschäftigt war. Ein sehr guter Mann. Und weil wir ihn natürlich halten wollen, greifen die Kollegen unter die Arme, wo es nur geht - sei es in puncto Sprache oder Kundenberatung.“ Überdies ist ein großer Teil der Belegschaft - auch in der Fertigung - weiblich. Nach einem Rundgang durch die Werkstätten mit neuestem technischem Equipment zeigte sich Regierungspräsident Haselbeck mehr als beeindruckt von den „Hidden Champions“ der Region, die so ganz selbstverständlich bei den ganz Großen mitmischen.

Abschließend dankte Haselbeck allen Beteiligten für den gelungenen, informativen Tag. „Es freut mich, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben“, verabschiedete sich Herbert Unnasch. „Wir hoffen, Sie fahren mit der Gewissheit zurück nach Landshut, dass die Regionalfördermittel der niederbayerischen Regierung bestmöglich angelegt sind.“


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