23.02.2018, 22:06 Uhr

Wirtschaftsforum Regen Wie gut ist die Gesundheitsversorgung im Landkreis Regen wirklich?


Dieser Frage stellten sich die Mitglieder des Wirtschaftsforums Regen in ihrer jüngsten Veranstaltung in der Arberlandklinik Zwiesel.

ZWIESEL Eingeladen hatten Vorsitzender Franz Hollmayr und Leiter der geschäftlichen Aktivitäten Markus König. Landrätin Rita Röhrl begrüßte die Teilnehmer und dankte Vorstand Christian Schmitz für die Einladung in die Klinik. „Unsere Krankenhäuser sind auf einem guten Stand“, sagte Röhrl und betonte, dass dies vor allem der guten Arbeit von Vorstand Christian Schmitz zu verdanken sei. Mit der Gesundheitsregion Plus und der Probleme im Hinblick auf die ambulante Notfallversorgung verwies sie auf die Themen des Abends.

Vorstand der Arberlandkliniken Christian Schmitz stellte den Teilnehmern zu Beginn das Klinikunternehmen Arberlandkliniken vor. „Mit über 850 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 51 Millionen Euro sind wir einer der größten Arbeitgeber im Landkreis Regen.“ Das Jahresergebnis sei im Jahr 2016 mit einem Überschuss von 436.000 Euro positiv gewesen, jedoch sähen sich die Kliniken vor allem im Jahr 2018 vor enormen finanziellen Herausforderungen: Neben gesetzlich festgelegten Rückzahlungen an die Krankenkassen („Mehrleistungsabschläge“ bzw. „Fixkostendegressionsabschläge“) seien weitreichende Investitionen an beiden Standorten notwendig, die auch den Landkreis Regen belasten werden. Zudem werde es eine immer größere Herausforderung, das Fachkräfteangebot im Gesundheitssektor zu sichern. So sei in den nächsten Jahren mit einem enormen Fachkräftemangel vor allem im pflegerischen Bereich im gesamten Landkreis Regen zu rechnen.

Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion Plus Natalie Walter gab anschließend einen Überblick über die Gesundheitsversorgung im Landkreis Regen, die mit ärztlichem Personal, Pflegediensten und -einrichtungen, Physiotherapeuten, Kureinrichtungen, Ergotherapeuten, Heilpraktikern, Logopäden viele unterschiedliche Akteure betreffe. Sorgen bereite ihr die hausärztliche Versorgung im Landkreis Regen. Diese sei – basierend auf Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern – derzeit in Regen und Zwiesel „noch gut“ abgedeckt. Mit einem Versorgungsgrad von rund 82 Prozent gilt der Viechtacher Bereich bereits als unterversorgt. Vor allem die Altersstruktur der Ärzte sei bedenklich: In Zwiesel liege der Altersdurchschnitt bei 58,0 Jahren, in Regen bei 58,2 Jahren und im unterversorgten Viechtach bei 56,1 Jahren. So sei in den nächsten Jahren auch mit weiteren offenen Stellen in der ärztlichen Versorgung zu rechnen. „Die Zahlen, auf die sich die Kassenärztliche Vereinigung beruft, basieren jedoch auf einer veralteten Berechnung und spiegeln nicht den Bedarf wieder“, weiß die Gesundheitsmanagerin. „Die Bürger beurteilen eine gute Gesundheitsversorgung zudem nicht auf der Basis von Zahlen, sondern danach, wie schnell man einen Termin beispielsweise bei einem Facharzt oder Physiotherapeuten bekommt und wie gut die Beratung oder Dienstleistung ist.“ Neben dem zeitnahen Zugang zu Ärzten und der objektiven Beratung sei zudem eine schnelle und gut erreichbare Notfallversorgung wichtig für Patienten.

Letztere war Schwerpunkt des Vortrags von Dr. med. Robert Pangerl. Der Vorsitzende des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CSU ging auf die Veränderungen im Landkreis ein, die mit der Etablierung von nur mehr einer Bereitschaftsdienstpraxis an der Arberlandklinik Zwiesel einhergehen. Eine Erreichbarkeit von maximal 30 Minuten oder 25 Kilometern sei damit nicht mehr für alle Patienten gegeben – viele hätten einen weiteren Anfahrtsweg als bisher oder würden vermutlich Bereitschaftsdienstpraxen in anderen Landkreisen aufsuchen. Es sei letztendlich zu erwarten, dass sich Patientenströme verschieben und damit Patienten in andere Landkreise abwandern. Zudem werde mit einer Überschwemmung der Notaufnahme gerechnet, da viele – anstatt den Weg nach Zwiesel zu wählen – die näher gelegene Notaufnahme in der Viechtacher Arberlandklinik aufsuchen würden.

Die dargestellten Probleme wurden von den Teilnehmern angeregt diskutiert, zudem gab es viele Fragen aus der Zuhörerschaft, die Walter und Pangerl gemeinsam mit Kliniken-Vorstand Schmitz und dem anwesenden Chefarzt Christian Walter ausführlich beantworteten. „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf und es wird Zeit, dass sich auch die Politik auf Bundesebene mit der Gesundheitsversorgung in den ländlichen Regionen auseinander setzt“, schloss Chefarzt Christian Walter ab.

Hollmayr und König bedankten sich bei den Referenten für die interessanten Ausführungen und die Organisation der Veranstaltung in den Arberlandkliniken. Im Anschluss gab es für alle Teilnehmer eine Führung durch die OP-Säle der Arberlandklinik Zwiesel, die die Chefärzte Christian Walter (Unfallchirurgie) und Dr. Tobias Kiel (Anästhesie und Intensivmedizin) anboten.


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