19.12.2017, 12:07 Uhr

Touristische Zukunft für Ostbayern? „Auszeit vom Alltag“

Dr. Michael Braunb berichtet im Interview über den Tourismus in Ostbayern. (Foto: Tourismusverband Ostbayern e.V. )Dr. Michael Braunb berichtet im Interview über den Tourismus in Ostbayern. (Foto: Tourismusverband Ostbayern e.V. )

Dr. Michael Braun ist Vorstand des Tourismusverbandes Ostbayern. Er blickt mit uns in die touristische Glaskugel für das Jahr 2018.

FRAUENAU Der Tourismusverband Ostbayern e.V. vereint die Urlaubsgebiete Bayerischer Wald, Bayerisches Golf- und Thermenland, Oberpfälzer Wald, Bayerischer Jura und die Städte. Wohin geht es im Tourismus? Was sind die wichtigsten Trends im Tourismus?

Entschleunigen, Erholen, sich verwöhnen lassen. In unserer schnelllebigen und überbeanspruchten Zeit suchen viele Menschen eine Auszeit vom Alltag. Familien wollen Zeit miteinander verbringen. Junge Menschen wollen Natur intensiv spüren, sozusagen Naturerfahrung mit Erlebnisfaktor, andere wollen sich einfach nur verwöhnen lassen und genießen einen Wellnessurlaub in vollen Zügen. Es steht weniger das Vergnügen im Vordergrund. Die Leute, die zu uns reisen, wollen Geschichte, Kultur und die Menschen einer Region kennen lernen. Die Suche nach dem idealen Urlaubsziel ist dabei geprägt von der inzwischen sehr kompetenten Recherche und Buchung im Internet.

Was gibt es Neues im Tourismus in den Regionen?

Unser Qualitätswanderweg Goldsteig erhält gerade eine Erweiterung nach Tschechien. Die historischen Handelswege wie der Goldene Steig, Böhmweg, Gunthersteig oder Baierweg, sowie insgesamt 13 Grenzübergänge verbinden die bestehenden Wege mit der neuen Trasse. So entsteht ein internationales Wanderwegenetz von über 2000 Kilometern. Wir werden den „Zlatá Stezka“, wie die tschechische Route heißen wird, im Mai eröffnen. Im Bayerischen Wald entwickeln wir gerade zusammen mit unseren Partnern die Trans Bayerwald, eine Mountainbike-Radrunde, die jüngere sportliche Gäste anspricht. Zeitgleich entstehen für Genussradfahrer die Niederbayerntour und Radrunden im Bayerischen Golf- und Thermenland. Der Fünf-Flüsse-Radweg im Bayerischen Jura wird optimiert und auch im Oberpfälzer Wald wird eine Radrunde auf bestehenden Radwegen konzipiert. Entlang der Donau gehen wir moderne Wege: Neu wird es im Frühjahr eine App „Römerspuren“ geben, die die römische Geschichte entlang der Donau informativ und interessant zum Leben erwecken wird.

Stichwort „Digitalisierung“. Wie ist der Tourismus vom Trend der Digitalisierung betroffen?

Urlaub findet im Internet statt. Schwerpunktmäßig die Vorbereitung, jedoch auch während und nach dem Aufenthalt in den Sozialen Medien. Reisen bis fünf Tage werden in Deutschland von inzwischen zwei Dritteln der Bevölkerung online gebucht. Wir treiben daher offensiv die Onlinebuchbarkeit unserer Betriebe voran. Das ist so in Deutschland einmalig. Unsere digitale Vertriebsstrategie wurde kürzlich sogar vom Deutschen Tourismusverband als wegweisende Initiative einer Region für seine Gastgeber ausgezeichnet. Das Besondere für unsere Vermieter ist, dass wir nicht nur die Technik stellen, sondern auch den persönlichen Service. Sie schließen nur mit uns einen Vertrag und sind damit auf allen erfolgreichen Reiseplattformen vertreten, genießen aber zugleich den Vorteil, dass sie in der Region persönlich und individuell betreut werden, also nicht mit internationalen Tourismuskonzernen agieren müssen.

Ganz aktuell: Welche Bedeutung hat der Wintertourismus?

Natur, Genuss und eine schöne Landschaft sind heutzutage die am meisten genannten Beweggründe unserer Gäste für einen Urlaub bei uns. Schneeschuhwandern, Langlaufen oder einfach Familienurlaub im Schnee samt Pistenspaß und Freizeitattraktionen haben sich zum Trend entwickelt. Es geht bei uns nicht um die meisten Pistenkilometer, sondern darum, dass die Menschen hier einen Gang zurückschalten können, umsorgt werden und ein gemütliches Quartier sowie gutes Essen bekommen. Regionalität spielt dabei eine immer größere Rolle.

Bei den Heil- und Thermalbädern ist es natürlich der Gesundheitseffekt und das Kulturangebot, das den besonderen Reiz eines Urlaubs dort ausmacht. Rund ein Drittel unserer Gäste sind Wintergäste.

Welche Themen beschäftigen Sie 2018 speziell in Ostbayern?

Jeder wünscht sich eine andere Art von Urlaub. Und wir haben durch das breit aufgestellte Urlaubsangebot der verschiedenen Landschaftsgebiete auf viele Wünsche eine Antwort. Den typischen Pauschalgast gibt es nicht mehr. Die Menschen suchen sich sehr individuell aus, wie sie ihren Urlaubstraum verwirklichen wollen. Das alles findet digital im Internet statt. Im Urlaub aber wollen sie ihren Traum, ihre Sehnsucht nach Freiheit, nach Ruhe oder Abenteuer ganz real und authentisch erleben. Deswegen spielen Authentizität und Nachhaltigkeit für viele eine Rolle bei der Urlaubsentscheidung. Aber auch „Reisen für Alle“, also barrierefreie Unterkünfte und Angebote werden mit dem demographischen Wandel wichtiger. Für unsere Arbeit bedeutet das, dass wir uns stetig den neuen Anforderungen stellen werden. Professionalisierung, Digitalisierung, aber eben auch die Frage, wie wir unsere Urlaubsthemen emotional aufladen können, werden uns im neuen Jahr beschäftigen. Zudem sind Nachhaltigkeit und die Überlegung, wo man, auch in kleinen Schritten, mehr Barrierefreiheit schaffen kann, Aufgaben für 2018.


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