06.07.2018, 09:58 Uhr

Sommerempfang Initiative ChemDelta Bavaria als Impulsgeber

V.l. Hr. Georg Häckl, Dr. Dieter Gilles, Hr. Gerhard Wagner und  Dr. Bernhard Langhammer (Foto:  Georg Willmerdinger / Wacker)V.l. Hr. Georg Häckl, Dr. Dieter Gilles, Hr. Gerhard Wagner und Dr. Bernhard Langhammer (Foto: Georg Willmerdinger / Wacker)

Die Notwendigkeit einer „radikalen Weiterentwicklung des Chemiedreiecks, um auch in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts bestehen zu können“, war die Quintessenz der diesjährigen „Summer Lounge“ der Initiative ChemDelta Bavaria. Mit Impulsvorträgen fokussierte man auf die aktuellen und künftigen Herausforderungen des Bayerischen Chemiedreiecks und seine Rolle als wirtschaftliche Schlüsselregion im Süden Deutschlands. Im Vorfeld übergab Dr. Bernhard Langhammer, Leiter des Chemieparks Gendorf, den Vorsitz des Lenkungskreises an WACKER-Werkleiter Dr. Dieter Gilles.

BURGHAUSEN Die vierte ChemDelta-Summer Lounge diente wieder dem Informationsaustausch von Verantwortlichen der Chemiestandorte mit Mandatsträgern und Stakeholdern von Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Behörden aus den Landkreisen Altötting, Mühldorf und Traunstein sowie München, Rosenheim und Passau. ChemDelta Bavaria steht in enger Zusammenarbeit mit den bayerischen Chemieverbänden (VBCI) für 20 Unternehmen der chemischen Industrie im Südosten Bayerns – mit unmittelbar 20.000 und weiteren rund 50.000 davon abhängigen Arbeitsplätzen sowie über zehn Milliarden Euro jährlichem Umsatz.

„Die Anliegen der Chemieindustrie näherbringen und Impulse für eine zukunftsgerichtete Weiterentwicklung dieser wirtschaftlichen Schlüsselregion geben“ sei ein Ziel der Initiative, so Dr. Bernhard Langhammer, Leiter des Chemieparks Gendorf und Geschäftsleiter der InfraServ Gendorf. Man habe viel erreicht, wie Langhammer mit einigen Beispielen belegte: „Ohne ChemDelta wäre wohl die seit 2012 bestehende Ethylenpipeline Süd (EPS) noch nicht in Betrieb, der 2019 geplante Lückenschluss der Autobahn A94 Richtung München noch in weiter Ferne oder das Bahn-Ausbauprojekt ABS 38 nicht an erster Stelle im

Bundesverkehrswegeplan.“ Auch der 2016 eröffnete Hochschulstandort „Campus Burghausen“ profitiere vom hohen Bekanntheitsgrad des ChemDelta Bavaria.

Stärke im internationalen Wettbewerb

Der Werkleiter der Wacker Chemie AG in Burghausen, Dr. Dieter Gilles, hatte im Vorfeld der Summer Lounge den Vorsitz des ChemDelta-Lenkungskreises von Dr. Langhammer übernommen. Dr. Gilles betonte in seinem Impulsvortrag die positive Wirkung des starken Images von ChemDelta Bavaria auf die gesamte Region. Auf WACKER bezogen stellte er fest: „Seit 2008 hat das Burghauser Werk seine Kapazitäten verdoppelt – dabei profitieren wir vom optimierten stofflichen und energetischen Verbund innerhalb des Werkes. Das ist trotz hoher Löhne eine große Stärke im internationalen Wettbewerb.“ In naher Zukunft sehe er daher weitere Chancen für Investitionen im dreistelliger Millionenhöhe im Werk Burghausen.

Dr. Gilles sprach auch Themenkomplexe an, „die uns im ChemDelta Bavaria mit Sorge erfüllen“. So würden beispielsweise aktuell von der Initiative ermittelte Daten das so vor einigen Jahren nicht erwartete starke Wachstum der Güter-Tonnagen aufzeigen, die auf der Schiene transportiert werden sollen. „Beim schnellstens umzusetzenden Bahnausbauprojekt ABS 38 wird es sehr eng werden und bis zur Umsetzung müssen wir Engpässe lösen.“ Zudem könnten die unklaren Aussichten bei der Stromversorgungssicherheit und die drohenden Zölle aus dem Handelskonflikt mit den USA „Wachstum kosten“ bei WACKER und im ganzen Chemiedreieck.

Rolle der Chemieparks berücksichtigen In eine ähnliche Kerbe schlug Dr. Langhammer: „Die Welt wartet nicht auf uns – wir müssen auch in Zukunft ein attraktiver Standort für Investitionen und Neuansiedlungen bleiben.“ Zwar seien die Betriebe des Chemieparks Gendorf sehr gut ausgelastet, hohe Investitionen in die Infrastruktur seien am Laufen und man könne attraktive Ansiedlungsflächen bieten. „Aber die Produktionsfirmen am Standort sind überwiegend im Besitz von global operierenden Firmen in den USA, wo über die Geschicke von Gendorf entschieden wird.“ Langhammer appellierte an die anwesenden politischen Mandatsträger, das zu berücksichtigen, wenn es beispielsweise um neue gesetzgeberische Maßgaben gehe.

Aktiv und mutig die Zukunft gestalten Dr. Gerhard Wagner, Geschäftsführer OMV Deutschland und neuer stellvertretender Vorsitzender des ChemDelta-Lenkungskreises, formulierte „bewusst provokant“:

„Wettbewerbsnachteile im Chemiedreieck konnten zuletzt ein stückweit relativiert, nicht aber in klare Standortvorteile umgemünzt werden.“ Es gebe zwar punktuelle Verbesserungen, wie zum Beispiel in der Verkehrsinfrastruktur – EPS und Güterterminal – oder signifikante Investitionen aus den bestehenden Standorten heraus. Aber es sei kein Wachstum im Chemiedreieck von außen erfolgt. Zudem fehle es an „disruptiven Innovationen“, es gebe nur verfahrenstechnische Innovationen für bekannte Produkte. „Als Teil des Bayerischen Chemiedreiecks durchläuft die OMV bereits seit längerem einen Transformationsprozess und setzt mit neuen Produkten und Anlagentechniken in aufstrebenden Zukunftsmärkten Impulse für die geforderte Weiterentwicklung im Konzern. Vorausschau und Mut für Investitionen in neue Märkte und Technologien sind entscheidende Faktoren, um in einer sich verändernden Geschäfts- und Industriewelt in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts weiterhin erfolgreich sein zu können.“


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