26.12.2017, 15:00 Uhr

Gastkolumne von Gustl Geith Inventur und Bilanz


Worte zum Jahresende

LANDKREIS ALTÖTTING.

Ein guter Kaufmann macht zum Jahresende Inventur. Ein guter Hausvater auch. Nur dann kann er den Ist-Bestand vom Jahresbeginn mit dem am 31. Dezember vergleichen. Und nun kann er die Bilanz machen. Welche Höhen und Tiefen es auch im Laufe des Jahres gegeben hat, jetzt kommt es auf. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl hat es über alle kaufmännischen und psychologischen Erklärungen hinweg mit einem einzigen Satz getroffen: Entscheidend ist, was hinten rauskommt.

Weihnachten ist vorbei, bis Heilig Drei König nennt man es die Zeit zwischen den Jahren. Während es beim Kaufmann rein ums Geld geht, ist es im privaten, im Familienbereich viel weiter gefächert. Krankheit, ein Unfall, Arbeitsplatz-Verlust, ein Todesfall, können unkalkulierbare Sollposten sein. Beruflicher Erfolg, ein Abitur, ein Kind, eine Erbschaft, eine überstandene Krankheit, eine Ehe, ein Eigenheim, eine schöne Urlaubsreise, können eine Jahresbilanz vergolden. Sie ist aber nur dann aussagekräftig, wenn man absolut ehrlich zu sich selber ist. Wer sich da was vormacht, der lügt sich ins neue Jahr hinein. Dann ist Zeit so etwa bis Lichtmess am 2. Februar. Da muss man sich einen Überblick verschaffen, Ideen einbringen, Pläne schmieden: Was geht, was geht nicht. Geschäft, Karriere, Kinder, Urlaub, Kredite, Tilgung, Reparaturen, neues Auto, Reserven für Überraschungen, Altersvorsorge. In einer funktionierenden Familie, da reden auch die Frau und die halbwüchsigen Kinder mit, wenn nicht eh „Sie“ schon immer die „Hosn an hat“. Das ist alles, was der Mensch tun kann. Über das, was über seinen Wirkungskreis hinausgeht, bleibt ihm nur die Hoffnung, das Vertrauen und nicht zu vergessen der Zufall.

Das ist die deutsche Normal-Familie. Und weil diese den Grundstock in Deutschland bildet und in dieser Eigenschaft weitaus in der Mehrzahl ist, darum geht es uns Deutschen so gut, wie kaum einem anderen Volk in der Welt. Das gilt auch für unsere Regierung. Noch nie in der deutschen Geschichte, seit der Schlacht im Teutoburger Wald hatte unser Volk einen so langen Zeitabschnitt in Frieden und Freiheit. Sie ist auch das Ergebnis aus einer furchtbaren Lehre: Zwei Weltkriege mit Chaos und Diktatur dazwischen haben sich bei uns eingekrallt bis auf den letzten Knochen. Aber jetzt steigt die Gefahr. Die Gefahr des Vergessens. Die letzten Zeugen dieser Zeit sterben weg. Die jetzt agierende Generation und die kommende kann es sich überhaupt nicht mehr vorstellen, wie das war und wie es dazu kam. „Hör auf mit dem alten Schmarrn“, „warum habt ihr euch das überhaupt gefallen lassen“, sagen die einen. Und die anderen? Da zeigen sich schon Tendenzen und Reden, Figuren und Organisationen, die wir mit dem diffusen Ausdruck „rechte Szene“ beschreiben. Das sind Fantasten, Verleugner, Weltverbesserer, Radikalinskis, National-Egoisten, die mit der Bezeichnung „Spinner“ weit unterschätzt werden. Es liegt in der menschlichen Natur, dass man das Vergangene vergisst, nicht mehr wertschätzt. Aber die Erfahrung, die diese vergangene und wegsterbende Generation am eigenen Leibe gemacht hat, die stirbt mit ihr weg. Kein steinernes oder ehernes Denkmal kann das ersetzen.

So wünsche ich Ihnen ein gutes neues Jahr mit einer guten Bilanz.


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