07.01.2021, 11:21 Uhr

Reform der Börse: Der Dax erfindet sich neu

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Wie ein Beben hat der Skandal um den insolventen DAX-Konzern Wirecard die Politik und Wirtschaft in Deutschland erschüttert. Bis heute ist nicht klar, wie es zu dem milliardenschweren Betrug durch den Zahlungsdienstleister aus Bayern kommen konnte. Vermutlich wird es Jahre dauern, bis Gerichte die Verstrickungen auflösen können.

Bis es so weit ist, wird bereits an anderer Stelle neu sortiert. So auch in Frankfurt am Main. Der größte deutsche Leitindex an der Börse – der DAX – wird neuen Regeln unterworfen. Eine Folge des Wirecard-Skandals. Was ändert sich im Detail?

Der Skandal und seine Folgen

Gigantisch ist der Schaden, der durch den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard ausgelöst wurde. Derzeit geht die Staatsanwaltschaft in München von 3,2 Milliarden Euro aus, die unberechtigterweise geliehen wurden. Gläubiger wie Aktionäre des insolventen Unternehmens werden ihr Geld vermutlich nicht wiedersehen.

Mehrere Berater und Manager sitzen in Untersuchungshaft, Ex-Vertriebsvorstand Jan Marsalek befindet sich auf der Flucht. Das Vertrauen in die Börse in Frankfurt hat massiv unter den Betrugsvorwürfen und milliardenschweren Verlusten gelitten. Um das Vertrauen von Anlegerinnen und Anlegern sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern zu stärken, kommt nun die Reform an der Frankfurter Börse.

Die Veränderungen im Detail

Für viele Anleger und Analysten kamen die schnellen Veränderungen kurz nach Bekanntwerden des Skandals überraschend. Dabei sind nicht alle Reformen wirklich neu. Bereits 2018 wurde über Veränderungen nachgedacht. Die auffälligste Neuheit ist die Zahl der im Dax geführten Unternehmen. Sie wächst von bisher 30 Konzernen auf 40 an. Ab September 2021 gilt die Neuerung an der Börse in Frankfurt. Im Gegenzug reduziert sich die Zahl der Konzerne am MDax von 60 auf 50.

In Zukunft sollen nur noch profitable Konzerne den Leitindex repräsentieren. Mit der Erweiterung kommen Unternehmen aus verschiedenen Branchen hinzu. Bisher sind es vor allem vier Branchen, die den Dax darstellen. Sind etwa die wirtschaftlichen Zahlen bei der Autoindustrie schlecht, hat das immense Auswirkungen auf den Index. Alle geführten Konzerne müssen sich zudem an strengere Vorgaben halten.

Folgen für den Finanzstandort Frankfurt

Die Reformen stärken nach Ansicht von Experten den Standort Frankfurt. Vermutlich wird die Zahl der Arbeitsplätze steigen. Die Stellenanzeigen für Frankfurt am Main verzeichnen bereits heute eine hohe Dichte an Jobs aus der Finanzbranche.

Ohnehin herrschen wirtschaftlich gute Zeiten für Menschen auf Jobsuche in der Metropole am Main. Der Brexit sorgt für einen regen Umzug von Banken und Unternehmen von London nach Frankfurt. Allein dadurch sind über 1.500 neue Stellen entstanden, die von qualifizierten Arbeitnehmern in Deutschland zu besetzen sind. An gut bezahlten Jobangeboten über das Stellenportal mangelt es nicht. Greifen die Reformen am Dax, wird auch das für eine Vielzahl neuer Stellen in der größten deutschen Finanzmetropole sorgen.

Kritik bleibt nicht aus

Die Umweltorganisation Greenpeace sieht die Reformen mit Skepsis. Sie bemängelt fehlende ethische Kriterien bei der Auswahl von Konzernen für den Dax. Menschenrechte und Umweltstandards werden auch in Zukunft keine Rolle spielen.

Kritik, die die Deutsche Börse nicht unkommentiert lässt. Laut ihrer Aussage dürfe der Dax kein Einfallstor für gesellschaftspolitische Meinungen werden. Deshalb hat man sich nach einem wochenlangen Austausch bewusst dagegen entschieden, ethische Aspekte in die Bewertung einzuschließen.


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