08.09.2020, 12:33 Uhr

Was macht gute Ärzte aus? Tipps für die Suche nach einem Hausarzt

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Das Gesundheitssystem in Deutschland zählt zu den besten der Welt. Die Ärzte der Bundesrepublik werden international hoch geschätzt. Trotzdem beklagen sich zahlreiche Bundesbürger, was die eigene Gesundheitsversorgung betrifft. Worauf kommt es bei der Entscheidung für einen Arzt überhaupt an und wie findet man die besten Praxen?

Was erwarten Deutsche von Hausärzten?

Ob es um wetterbedingte Gesundheitsbeschwerden oder unangenehme Volkskrankheiten wie Erkrankungen mit Gallensteinen geht: Für über 70 Prozent aller Deutschen ist der Hausarzt in sämtlichen Gesundheitsfragen der erste Ansprechpartner. Umso wichtiger, dass man sich auf ihn verlassen kann. Was genau das heißt, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Trotz über 400.000 berufstätige Ärzte in Deutschland fällt vielen die Suche nach einem passenden Hausarzt schwer. Die Entscheidung für einen Arzt des Vertrauens ist eine individuelle und was Patienten bei der Wahl einer Praxis besonders am Herzen liegt, variiert. Laut einer im Hausarzt-Patienten-Magazin veröffentlichen Umfrage sind 84 Prozent aller Deutschen der Meinung, ihr Arzt der Wahl solle sich ständig weiterbilden. Ebenfalls wichtig ist vielen ständige Erreichbarkeit. Außerdem wünscht sich ein Großteil, von Hausarztpraxen Informationen zu Hausmitteln und alternativen Therapien zu erhalten. Grundsätzlich sind sowohl fachliche als auch persönliche Merkmale bei der Wahl einer passenden Hausarztpraxis relevant. Ohne eine gewisse Vertrauensbasis fühlt man sich auch bei einem fachkundigen Hausarzt nicht gut aufgehoben.

Welche Fragen sind bei der Auswahl von Hausarztpraxen zu klären?

Wer auf der Basis persönlicher und fachlicher Eigenschaften eine passende Hausarztpraxis finden möchte, berücksichtigt am besten folgende Fragen:

- Wie gut ist die Praxis erreichbar?

- Werden Hausbesuche und/oder Videosprechstunden angeboten?

- Wie respektvoll ist der Umgang?

- Werden persönliche Anliegen vor Ort ernst genommen?

- Fühlt man sich verständlich und neutral aufgeklärt, informiert und beraten?

- Bezieht man in der Praxis die Patientenwünsche in alle Entscheidungen mit ein?

- Wird der Schutz persönlicher Daten garantiert?

- in welchem Umfang nimmt das Praxisteam an Fortbildungsveranstaltungen oder Qualitätsprogrammen teil?

- Steht die Sicherheit des Patienten bei der Wahl der Behandlung im Fokus?

- Lassen sich Patientenunterlagen bei Bedarf problemlos einsehen?

- Arbeitet das Praxisteam mit anderen Ärzten und Ärztinnen zusammen?

- Wie lange fallen Wartezeiten durchschnittlich aus?

- Wie ist die Terminvergabe organisiert?

- Wie gut passen die Öffnungszeiten der Praxis zum eigenen Alltag?

Die Gewichtung der genannten Fragen hängt von der Persönlichkeit und den Lebensumständen des Patienten ab. Im Gegensatz zu jungen Patienten kann es älteren Menschen und Patienten mit Mobilitätseinschränkungen beispielsweise wichtig sein, notfalls auf Hausbesuche oder Videosprechstunden zurückgreifen zu können. Analog dazu legen viele Berufstätige gesteigerten Wert auf Sprechstunden, die sich möglichst gut mit dem eigenen Berufsalltag vereinbaren lassen.

Wie sucht man am besten nach passenden Hausärzten?

Derselbe Hausarzt für die ganze Familie und das über mehrere Generationen – in der Vergangenheit war dieses Konzept weit verbreitet. Heutzutage werden Hausärzte nicht mehr unbedingt „vererbt“. Empfehlungen holt man sich mittlerweile vermehrt über das Internet und nicht zwingend aus dem eigenen Familien- oder Freundeskreis. Die digitale Suche nach einem passenden Arzt hat auch unabhängig von Internetbewertungen einige Vorteile. Per Filtereinstellungen lassen sich mit wenigen Mausklicks Ärzte beliebiger Fachrichtung in der eigenen Stadt finden. Nach diesem ersten Schritt lässt sich die Auswahl mit einem Blick auf das Angebotsspektrum, die Öffnungszeiten und abgegebenen Bewertungen eingrenzen. Um sich endgültig für einen Hausarzt zu entscheiden, vereinbart man am besten Termine mit den passendsten Kandidaten. Nur so lässt sich die Atmosphäre in Arztpraxen tatsächlich einschätzen. Auch von der Terminvergabe und der Wartezeit erhält man so ein besseres Bild. Außerdem wird die Persönlichkeit des Arztes vor Ort besser einschätzbar. In diesem Kontext kann es beispielsweise für die Praxis sprechen, wenn

- der Arzt gewisse Ruhe vermittelt.

- der Umgangston vertrauensvoll und freundlich ist.

- das Praxisteam allen Patienten genügend Zeit entgegenbringt.

- etwaige Patientenfragen geduldig und verständlich beantwortet werden.

- dank effizienter Terminabstimmungen nur wenige Menschen im Wartezimmer sitzen.

- die Räumlichkeiten behinderten- und rollstuhlgerecht sind.

- das Praxisteam Patienten mit körperlichen und anderen Einschränkungen bei der Fortbewegung durch die Praxis unterstützt.

- Untersuchungs- und Behandlungsräume gut leserlich ausgeschildert sind.

- Patienten im Behandlungszimmer mit Namen angesprochen werden.

- das Praxisteam Patienten bei der Vervollständigung etwaiger Formulare unterstützt.

- die Praxis Anregungen und Beschwerden seitens der Patienten aufgeschlossen gegenüber steht.

- im Behandlungsraum Störungen wie Telefonate vermieden werden.

- das Praxisteam Patienten gegenüber Einfühlvermögen beweist.

- Ärzte regelmäßig aktiv nach dem Befinden ihrer Patienten fragen.

- für Behandlungen stets unterschiedliche Optionen präsentiert werden.

- kulturelle, religiöse und persönliche Einstellungen in der Praxis geachtet werden.

- Patienten dazu ermutigt werden, Fragen zu stellen.

- man vor Ort im Zweifelsfall zum Einholen einer Zweitmeinung motiviert wird.

- am Empfangstresen Unterlagen nicht einsehbar sind.

- das Team im Beisein anderer nicht namentlich von Patientinnen und Patienten spricht.


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