28.11.2019, 13:24 Uhr

Zu wenige Bewerber: In diesen Fachgebieten mangelt es an Oberärzten

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Oberärzte übernehmen in deutschen Krankenhäusern und Kliniken viel Verantwortung.

Oft sind sie als Bindeglied zwischen Medizin und Verwaltung tätig, was ihren Job besonders anspruchsvoll macht. Nachwuchs aber ist Mangelware, wie die Personalberatung mainmedico nun mit ihrem Oberarztindex zeigt. Dabei ist das Problem nicht in allen Bereichen gleich groß.

Nicht genügend Ersatz für Oberärzte

Wie viele mögliche Bewerber es für eine freie Oberarztposition gäbe, ermittelt mainmedico jährlich neu. Der jeweilige Indexwert stellt die potenzielle Bewerberzahl bei einer Stellenausschreibung dar. Niedrige Werte sind folglich ein Signal für einen Mangel. Auch in diesem Jahr zeigt sich, dass in verschiedenen Fachbereichen auffällig wenige Bewerber zur Verfügung stünden.

Problematisch ist das vor allem im Hinblick auf das Durchschnittsalter der Ärzte in deutschen Krankenhäusern: dieses liegt laut Statistik der Bundesärztekammer bei rund 41,8 Jahren, Tendenz steigend. Genau wie im Bereich der ambulant tätigen Mediziner kommt hier womöglich eine Welle des Weggangs auf die Verantwortlichen zu, die beispielsweise qualitative Einbußen in der medizinischen Versorgung nach sich ziehen könnte.

Gehen Oberärzte in den Ruhestand, bleiben ihre Plätze also nicht selten unbesetzt. Für Krankenhäuser ist das durchaus ein Problem, denn sie sind auf die Arbeitskraft angewiesen und müssen die Lücke mit Honorarkräften füllen. Das wiederum ist teuer. Da viele Oberarztstellen in unterschiedlichen Fachgebieten mehr als ein Jahr unbesetzt bleiben, wirkt sich der Mangel auch auf die finanzielle Situation im Gesundheitssektor aus.

Doch in welchen Bereichen ist der Mangel nun tatsächlich am stärksten spürbar? Das sind die Top 5:

1. Gastroenterologie: Lediglich 4,6 Bewerber kommen laut Oberarztindex auf eine freie Stelle im Fachbereich der Gastroenterologie.

2. Pneumologie: Bei den Pneumologen sieht es wenig besser aus. Hier stehen je Ausschreibung theoretisch 6,9 Bewerber parat.

3. Gefäßchirurgie: In der Gefäßchirurgie hat mainmedico einen Indexwert von 7,7 ermittelt. Noch immer eine sehr geringe Auswahl.

4. Psychosomatische Medizin: Auch die Psychosomatische Medizin leidet unter einem Mangel an Oberärzten. 8,1 beträgt der Indexwert.

5. Kardiologie: Verlässt ein Oberarzt in der Kardiologie seinen Platz, so können Kliniken mit 8,8 potenziellen Bewerbern rechnen.

Dabei wird deutlich, dass unter den besonders mangelgeplagten Fachbereichen auch jene zu finden sind, in denen das Patientenaufkommen hoch ist. Kliniken sind daher nicht umsonst besorgt und suchen nach Auswegen sowie Lösungen.

Warum die Position des Oberarztes an Beliebtheit verliert

Um zu erklären, warum es zu einem Mangel an Oberärzten kommen kann, ist ein Blick auf die Gesamtsituation unerlässlich. So braucht es für die Besetzung einer Oberarztstelle einen Facharzt, der über die entsprechende Erfahrung verfügt. Da der Bedarf an Oberärzten in den vergangenen Jahren jedoch deutlich schneller gestiegen ist als die Zahl der infrage kommenden Fachärzte, kommt es unweigerlich zu Lücken.

Auch will längst nicht jeder Facharzt heute Oberarzt werden. Die Position, die früher einmal als besonders erstrebenswertes Ziel galt, verliert bei Bewerbern zunehmend an Attraktivität. Das liegt daran, dass sich Oberärzte in der heutigen Arbeitswelt sehr hohem Druck aussetzen, ein umfangreiches Arbeitspensum leisten und den Spagat zwischen Führungs- und Versorgungsaufgaben meistern müssen.

Da sich der Ärztemangel zudem ebenfalls auf die Bereiche der Assistenz- und Fachärzte ausweitet, müssen Oberärzte darüber hinaus nicht selten weitere Aufgaben übernehmen. Damit steigt auch das Risiko im Laufe der Zeit auszubrennen.

Mögliche Maßnahmen: Mehr Absolventen, bessere Anreize

Dass der Oberarztmangel dringend beseitigt werden muss, liegt auf der Hand. Hier allerdings lassen sich kaum kurzfristige Lösungsansätze finden, da vor allem strukturelle Veränderungen des gesamten Systems vonnöten sind.

So soll beispielsweise eine Erhöhung der Medizinstudienplätze dabei helfen, den Ärztemangel allgemein zu bekämpfen. Dies käme auch den Werten des Oberarztindex zugute, würde sich aber erst langfristig sichtbar auswirken. Der Gesundheitspolitische Arbeitskreis der CSU Oberpfalz hatte bereits im vergangenen Jahr einen Antrag auf Erhöhung der Studienplätze eingereicht.

Nachgedacht wird außerdem über den Ausbau von Anreizen für Kliniken und Krankenhäuser, sodass diese dazu angeregt werden, mehr Mittel in Weiterbildung zu investieren. Auf diese Weise könnte vor Ort an der Mangelsituation gearbeitet werden. Ähnlich sieht es bei der Überlegung aus, bestimmte Fachgesellschaften und ihre Nachwuchsarbeit zu fördern, was erneut eine zielgerichtete Maßnahme darstellt. Ausreichend Ärzte setzt jedoch auch diese Lösung voraus.

Letztlich könnte sogar die Schließung von Krankenhäusern eine Option darstellen. Durch sie würden mehrere Oberärzte erneut auf den Arbeitsmarkt gelangen und könnten Lücken in Kliniken mit dringendem Bedarf füllen. Ob und wie Schließungen möglich sind, muss selbstverständlich individuell analysiert werden. Eine mangelhafte Versorgung der Bevölkerung wollen die Verantwortlichen schließlich nicht riskieren.


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