21.11.2019, 11:10 Uhr

Wohnraumerweiterung planen: Worauf beim Hausanbau zu achten ist

Wintergärten sind eine beliebte und vergleichsweise einfache Möglichkeit, den Wohnraum zu vergrößern (Foto: Pixabay.com)Wintergärten sind eine beliebte und vergleichsweise einfache Möglichkeit, den Wohnraum zu vergrößern (Foto: Pixabay.com)

Ist das Eigenheim zu klein geworden, muss man nicht gleich an einen Verkauf denken.

Oftmals besteht die Möglichkeit, den Wohnraum durch einen Anbau zu erweitern. Gleich, ob man an

• eine zusätzliche Räumlichkeit wie einen Wintergarten,

• einen Parkplatz,

• eine Garage oder

• eine Pergola

Das Einholen einer Baugenehmigung sollte bei jeder Art von Wohnraumerweiterung unbedingt erledigt werden. (Foto: pixabay.com)

denkt, es müssen zuvor einige Dinge berücksichtigt werden. Um nachträglichen Ärger zu vermeiden, sollte man sich genauestens informieren, bevor mit dem Anbau begonnen wird.

Baugenehmigung

Jede Gemeinde verfügt über einen Bebauungsplan, aus dem sich ergibt, ob und wie ein bestehendes Gebäude erweitert werden darf. Ist eine Genehmigung erforderlich, muss ein Bauantrag gestellt werden, wozu auch die Einreichung der Pläne des Architekten erforderlich ist. Dieser hat ebenfalls die Möglichkeit, die Bauvoranfrage durchzuführen.

Unterschrift des Nachbarn

Zwar hat die Unterschrift des Nachbarn keinerlei Einfluss auf die Genehmigung für den Anbau, jedoch bietet es eine gewisse Sicherheit. Unterschreibt dieser, dass er mit dem Bauvorhaben einverstanden ist, gilt es gleichzeitig als Verzicht auf das Recht zur Anfechtung der Baugenehmigung. Nachträgliche Einwendungen wie die Nichteinhaltung von Abstandsflächen oder dass der Neubau mit der vorhandenen Bebauung nicht im Einklang steht, können nicht mehr geltend gemacht werden.

Abstände einhalten

Wer einen Anbau plant, muss einen gewissen Abstand zum Nachbarn einhalten. Wie groß dieser ist, ergibt sich aus der Landesbauordnung, meist sind es mindestens 2,5 Meter. Teilweise gelten geringere Grenzabstände für untergeordnete Bauteile wie ein Vorbau, Balkon oder Erker. Darüber hinaus stellen Garagen eine Ausnahme dar. Sie dürfen direkt auf die Grundstücksgrenze gesetzt werden. Die Größenvorgabe derselben findet sich gleichfalls in der Landesbauordnung. Werden vorgegebene Abstände zu den Grenzen überschritten, kann – eventuell gegen eine finanzielle Abgeltung – der Nachbar diese als Baulast übernehmen.

Widerspruchsmöglichkeit des Nachbarn

Ist dem Bauantrag keine Einverständniserklärung des Nachbarn beigefügt, unterrichtet ihn die Baubehörde im Fall einer Erteilung der Baugenehmigung. Je nach Bundesland hat er zwei bis vier Wochen Zeit, den Bauantrag einzusehen und Widerspruch einzulegen beziehungsweise eine Klage einzureichen. Enthält die Unterrichtung der Baubehörde keine Belehrung über das Anfechtungsrecht, steht dem Nachbarn sogar ein ganzes Jahr zur Verfügung, um gegen den Bau rechtliche Schritte einzuleiten.

Eventuelle Schaffung von zusätzlichen Parkplätzen

Die jeweilige Landesbauordnung einer Gemeinde sieht vor, dass ein bebautes Grundstück über eine bestimmte Anzahl an Parkplätzen verfügen muss. In der Regel sind dies ein bis eineinhalb Stellflächen pro Wohneinheit. Bei einer Vergrößerung des Eigenheims kann es daher sein, dass zusätzliche Parkplätze vorgeschrieben werden.

Schritt für Schritt vorgehen

Damit die Anbauplanung ordnungsgemäß und sinnvoll vonstattengeht, sollte man wie folgt vorgehen:

1. Die persönliche Vorstellung entwickeln und mit einem Architekt abstimmen.

2. Dieser sieht zunächst den Bebauungsplan ein.

3. Danach arbeitet der Architekt einen Entwurf aus und bespricht ihn mit dem Hauseigentümer. Daraufhin wird eine Bauvorlage gezeichnet.

4. Der Bauherr informiert seine Nachbarn, die gegebenenfalls ihre Unterschrift zur Zustimmung leisten.

5. Der nächste Schritt ist die Einrichtung des Bauantrages bei der zuständigen Gemeinde.

Haben sowohl die Baubehörde als auch der Nachbar zugestimmt, kann direkt mit dem Anbau begonnen werden. Legt ein Anwohner Widerspruch ein, entscheidet die Gemeinde, ob eine Ablehnung erfolgt oder diesem stattgegeben wird. Ist letzteres der Fall, lehnt die Baubehörde die Erteilung der Baugenehmigung ab. Der potenzielle Bauherr hat dann die Möglichkeit, gegen die Behörde zu klagen.

Den Anbau in die Tat umsetzen

Die Art eines Anbaus sollte sehr gründlich geplant werden. Eine Hausverbreiterung beispielsweise stellt eine teure und aufwendige Baumaßnahme dar. Sie beinhaltet zudem, dass das gesamte Dach in die Planung mit einbezogen werden muss. Hingegen kann bei einer Hausverlängerung die Dachform beibehalten werden, die diesbezüglichen Arbeiten sind deutlich geringer. Allerdings ist die Veränderung tragender Wände immer eine schwierige Aufgabe. Eine Erhöhung des Hauses beinhaltet gleichfalls ein neues Dach. Gerade in dicht bebauten Wohngegenden ist dies jedoch häufig die einzige Möglichkeit. Wer sich dafür entscheidet, muss nicht nur die rechtlichen Fragen klären, sondern außerdem die Statik von einem Fachmann überprüfen lassen.

Einen geringeren Aufwand erfordern ein Balkon, ein Erker oder ein Wintergarten. Das Dach kann meist unangetastet bleiben, trotzdem gewinnt man mehr Wohnfläche. Selbstverständlich müssen auch derartige Anbauten genehmigt werden. Zudem sind beispielsweise beim Wintergarten verschiedene Maßnahmen wie Wärmedämmung, Schallisolierung etc. zu beachten.

Bei jeder Art von Wohnraumvergrößerung dürfen zudem die Sicherheitsvorkehrungen nicht außer Acht gelassen werden. Zwar haben sich die Einbruchdiebstähle in Deutschland verringert, dieser Umstand ist aber auch dem verstärkten Einbruchschutz zu verdanken.

Worauf man beim einbruchssicheren Anbau mit vielen Glasfronten besonders achten sollte

Bei Fenstern und Türen spielen die Profile, Beschläge und die Verglasung in Sachen Einbruchschutz eine Rolle. So sind Aluminiumprofile deutlich einbruchssicherer als die Kunststoffvariante. Unter den Beschlägen werden Pilzkopfzapfen angeraten, die die Sicherheit wirkungsvoll erhöhen. Beim Neukauf ist auf eine Sicherheitsklasse von RC 2 bis RC 3 zu achten. Sie halten Täter mindestens drei bis fünf Minuten auf, was Gelegenheitsverbrecher oftmals abschreckt.

Die Verglasung sollte generell durchbruchhemmend sein. Es ist die empfindlichste Stelle von Fenstern und Türen. Sie wird in verschiedene Widerstandsklassen eingeteilt. Die höchste davon widersteht bis zu neunmal einem Angriff mit einer Metallkugel aus einer Fallhöhe von neun Metern sowie bis zu 70 Axthieben auf ein und dieselbe Stelle. Vergessen sollte man auch nicht, den Anbau in die vorhandene Alarmanlage zu integrieren.

Kostenbewältigung durch Kredit

Da sich ein Anbau sehr unterschiedlich gestalten lässt, kann man die Gesamtkosten nicht generell beziffern. In Deutschland gilt jedoch, dass im Durchschnitt mit 1.000 bis 1.800 Euro pro Quadratmeter gerechnet werden muss. Wer nicht über das benötigte Kapital verfügt, kann sich leicht online Geld leihen oder die Hausbank in Anspruch nehmen. Es empfiehlt sich in jedem Fall, per Internet einen Kreditvergleich zu nutzen. Auf diesem Weg erhält man die Möglichkeit, den individuell interessantesten und günstigsten Kredit für das eigene Bauvorhaben zu erhalten.

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