23.08.2019, 11:16 Uhr

Regulierung von E-Zigaretten und Tabak in der Kritik

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Am 05. Juli 2019 wurde in Berlin der 6. Alternative Drogen-und Suchtbericht der Öffentlichkeit vorgestellt.

Dieser Bericht, der seit 2014 regelmäßig vom akzept e.V. und von der Deutschen Aidshilfe herausgegeben wird, setzt sich kritisch mit der Drogenpolitik der deutschen Bundesregierung auseinander. Unter anderem geht es in diesem Bericht um die Regulierung von Tabak und E-Zigaretten. Am Beispiel Großbritanniens legt Professor Dr. Heino Stöver eindrucksvoll dar, wie sich im Bereich der Suchtprävention und Gesundheitsvorsorge durch wissenschaftlich fundierte Entscheidungen auf politischer und normativer Ebene auch in Deutschland Fortschritte erzielen ließen.

Die Situation in Deutschland

Mit einer Quote von 30 % ist der Anteil der Raucher in Deutschland deutlich höher als in vielen anderen Ländern. Dass sich das Rauchen von Tabak negativ auf die Gesundheit auswirkt, erkennt selbst die Mehrzahl derjenigen an, die regelmäßig zur Zigarette greifen. Konventionelle Mittel wie Nikotinpflaster oder Sprays helfen nur bedingt, wenn es darum geht, sich das Rauchen endlich abzugewöhnen. Darum greifen auch immer mehr deutsche Entwöhnungswillige zur E-Zigarette oder E-Shisha. Im Vergleich zu Großbritannien sind die Zahlen in unserem Land jedoch deutlich niedriger. Zwar setzt sich auch in Deutschland allmählich die Erkenntnis durch, dass das Inhalieren des Dampfes von E-Zigaretten weniger Gesundheitsrisiken birgt als das Rauchen von Tabakzigaretten, doch die öffentliche Grundhaltung gegenüber der E-Zigarette ist noch immer weitgehend negativ geprägt.

Professor Dr. Heino Stöver, der an zahlreichen Forschungsprojekten unter anderem zum Thema Drogenkonsum, AIDS, Gesundheitsförderung und Prävention beteiligt war, sieht die deutschen Politiker in der Pflicht und fordert die Bundesregierung zum Handeln auf. Insbesondere setzt sich der renommierte Sozialwissenschaftler für eine Neubewertung der E-Zigarette ein. Während die Zahl der Nutzer kontinuierlich steigt und die Akzeptanz in der Öffentlichkeit immer größer wird, überwiegt bei vielen politisch Verantwortlichen beim Thema E-Zigarette noch immer die Skepsis.

Immer wieder wird die Ansicht verbreitet, dass die E-Zigarette den Weg in die Abhängigkeit vom Nikotin eben könnte. Insbesondere wird davor gewarnt, dass das coole Design von E-Zigaretten und die vielfältigen Liquid-Aromen Jugendliche verführen könnten. Völlig unberechtigt sind diese Argumente nicht, denn auch die E-Zigarette kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Internationale wissenschaftliche Studien belegen jedoch, dass die E-Zigarette im Vergleich zur Tabakzigarette weniger negative Auswirkungen hat. Gleichzeitig konnte nachgewiesen werden, dass die Einführung der E-Zigarette den Anteil der rauchenden Jugendlichen nicht erhöht hat.

Die Tabakkontrollpolitik in Großbritannien – ein Vorbild für deutsche Politiker?

In Großbritannien ist die Regulierung des Tabakkonsums wesentlich restriktiver als in Deutschland. 2002 führten die Briten die erste Werberegulierung für Tabakprodukte ein. In den folgenden Jahren wurde die Gesetzgebung immer weiter verschärft. Im Laufe der Jahre setzte der Gesetzgeber ein weitgehendes Rauchverbot in der Öffentlichkeit und an Arbeitsplätzen durch. Die Regeln für Tabakwerbung und die Gestaltung von Tabakprodukten sind klar definiert. Tabakwerbung ist weitgehend verboten. Anders als in Deutschland sind Einheitsverpackungen bereits zur Normalität geworden. Im Vergleich zu den meisten europäischen Ländern sind die Steuern auf Tabakprodukte besonders hoch.

Die Erfolge dieser konsequenten Politik sind messbar. Die Zahl der Raucher ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Mit einer Quote von circa 15 % belegt Großbritannien den vorletzten Platz. Nur in Schweden ist der Anteil der Raucher noch geringer. Diese positive Bilanz ist jedoch nicht allein auf die oben genannten Maßnahmen und die strikte Durchsetzung der Regeln zurückzuführen. Dass viele britische Raucher sich erfolgreich das Rauchen abgewöhnten, hat auch damit zu tun, dass die E-Zigarette als probates Mittel zur Rauchentwöhnung anerkannt ist.

Die britische Regierung setzt beim Thema Tabakkontrolle ganz bewusst auf die E-Zigarette. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass auf der Insel aktiv für die E-Zigarette geworben wird. Mehrere britische Organisationen haben Veröffentlichungen herausgebracht, in denen die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zusammengestellt sind, die die Eignung der E-Zigarette als Mittel für den Rauchstopp untersuchen.

Royal College of Physicians geht davon aus, dass die E-Zigarette einen positiven Einfluss auf die öffentliche Gesundheit hätte, wenn viele Raucher auf E-Zigaretten umstiegen.

Die wichtigsten Forderungen an die Regulierer in Deutschland

Heino Stöver sieht die Haltung der Briten zur E-Zigarette positiv. Er empfiehlt den deutschen Entscheidungsträgern ebenfalls einen pragmatischeren Umgang mit der E-Zigarette. Die deutschen Entscheidungsträger sollten sich am Vorbild Großbritanniens zu orientieren und sich beim Kampf gegen das Tabakrauchen auf den Einsatz von E-Zigaretten zu fokussieren.

Der Kampf gegen das Tabakrauchen sollte sich nach Ansicht Stövers auf drei Säulen stützen. Im ersten Schritt sollte die E-Zigarette als geeignetes Produkt für entwöhnungswillige Raucher anerkannt werden. Zusätzlich empfiehlt Stöver eine klare und deutliche Kommunikation. Die Öffentlichkeit müsse umfassend darüber informiert werden, welche Vorteile die E-Zigarette ehemaligen Rauchern zu bieten hat. Neben der relativen Besserstellung der E-Zigarette gegenüber der Tabakzigarette muss aber auch klar vor den Gefahren gewarnt werden, um beispielsweise Minderjährige oder Nichtraucher nicht zu verleiten.

Um die Akzeptanz der E-Zigarette weiter zu erhöhen, empfiehlt Stöver, klar definierte Zielgruppen umfassend über die Vorteile der E-Zigarette gegenüber dem Tabakkonsum zu informieren. In der öffentlichen und politischen Diskussion müssten seiner Meinung nach viel stärker als bisher wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt werden. Nach Stövers Ansicht ist es erforderlich, die Regulierung von Tabakprodukten und E-Zigaretten strikt voneinander zu trennen. Nur so ist es möglich, die Verbraucher vor den gesundheitlichen Gefahren zu schützen und die spezifischen Möglichkeiten der E-Zigarette denjenigen zugänglich zu machen, die mit konventionellen Methoden beim Rauchstopp bereits mehrfach gescheitert sind.


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