17.12.2018, 13:49 Uhr

Strafverfahren durch Raser – Justiz ermittelt vorwiegend gegen Beschuldigte unter 21

(Foto: pixabay.com)(Foto: pixabay.com)

Jugendliche im Alter bis 21 Jahren sind die am stärksten gefährdete Altersgruppe im Straßenverkehr.

Im Jahr 2017 verunglückten 43.355 Jugendliche in Deutschland bei einem Verkehrsunfall. Ein Großteil von ihnen fuhr das Auto selbst, teilweise mit viel zu hoher Geschwindigkeit. Die Verkehrsmeldungen jugendlicher Raser scheinen nicht abzunehmen. Gerade in diesem Bereich ermittelt die Justiz vorwiegend gegen Personen bis zum 21. Lebensjahr. Die drohenden Strafen hängen von der jeweiligen Verkehrssituation und der Höhe der Geschwindigkeitsüberschreitung ab. Künftig sollen Raser noch schwerer bestraft werden.

Insgesamt 177 Jugendliche im Alter von 18 bis 24 Jahren starben bei einem Verkehrsunfall, bei dem sie selbst am Steuer gesessen haben. Das teilte das Statistische Bundesamt für den Bemessungszeitraum 2017 mit. Die jungen Autofahrer scheinen zu wenig Fahrpraxis zu haben, sich unsicher im Straßenverkehr zu fühlen oder sich schlichtweg zu überschätzen. Sie haben ihr Fahrzeug bei extremen Geschwindigkeiten nicht unter Kontrolle und verwickeln oft weitere Insassen sowie andere Verkehrsteilnehmer in den Unfall.

Dabei sind derartige Geschwindigkeitsüberschreitungen nicht erlaubt und werden schwer bestraft. Die Bußgeldtabelle innerorts sieht beispielsweise vor, dass ein Verstoß von 31-40 km/h über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit 160 Euro Bußgeld, 2 Punkte in Flensburg und 1 Monat Fahrverbot mit sich bringt. Je höher die Überschreitung, desto schwerer fällt die Strafe aus. Jugendliche hält das jedoch nicht ab, sich illegale Straßenrennen zu liefern, ihren Freunden etwas beweisen zu wollen oder sich einfach nicht an die Regeln zu halten. Dabei gehen viele tödliche Unfälle auf das Konto von Rasern.

Kontrollen und Präventionsarbeit

Auffällig in der Statistik über Verkehrsunfälle: die Zahl der Verkehrstoten geht in Deutschland langsam zurück. Die Anzahl der verunglückten Jugendlichen bleibt jedoch annähernd gleich. Dabei steht das Rasen nicht nur für eine überhöhte Geschwindigkeit. Jedes extreme Verkehrsverhalten zählt in diesen Bereich, wie das Drängeln oder das Fahren bei Rot. Die meisten Verkehrsdelikte mit Jugendlichen finden in den Abendstunden oder gar bei Nacht statt. Einige von ihnen setzen dabei nicht das eigene Auto aufs Spiel, sondern sind mit dem PKW der eigenen Eltern unterwegs. Die Polizei sieht derartiges Verhalten sehr kritisch. Dabei soll es laut Aussagen verschiedener Dienststellen nicht an einer zu geringen Kontrollrate liegen. Ziel ist es jedoch, die Präventionsarbeit an Schulen und bei Jugendlichen noch weiter auszubauen. Die landesweiten Verkehrssicherheitstage bieten eine gute Möglichkeit dazu und stehen jedes Jahr unter einem anderen Motto. Ablenkung und Raserei im Straßenverkehr sind häufige Themen, die immer wieder bei den Jugendlichen bis 21 Jahren aufgegriffen werden.

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Kritiker fordern noch höhere Strafen

Viele Bundesländer und Kritiker fordern unter diesen Gesichtspunkten noch höhere Strafen für Verkehrssünder. Vor allem die Bußgelder für Raser, Drängler und Falschparker sollen demnach erhöht werden. Immerhin bringt ihr Verhalten eine enorme Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer mit sich. Deshalb ist nicht nur der Verstoß selbst zu sehen, sondern in Kombination mit der Gefährdung des restlichen Verkehrs. Trotzdem erscheinen die deutschen Bußgelder vergleichsweise niedrig zu anderen europäischen Ländern. Eine Geschwindigkeitsüberschreitung außerhalb der Ortschaft von 20 km/h kostet etwa 70 Euro Bußgeld. Punkte drohen noch keine. In Italien sind es mindestens 170 Euro, die Verkehrssünder für ihr Vergehen auferlegt bekommen. Wichtig hierbei: der Strafzettel muss bezahlt und nicht einfach ignoriert werden.

Regelmäßig kommt es in Deutschland zu Diskussionen um die geltenden Bußgelder. Der Punktekatalog in Flensburg wurde vor einigen Jahren bereits angepasst. So drohen vor allem bei regelmäßigen Verkehrsvergehen Fahrverbot oder gar Führerscheinentzug. Jugendliche in der Probezeit müssen ohnehin um ihren Führerschein bangen. Sie werden je nach Schwere des Vergehens zunächst zu einer Nachschulung geschickt und bekommen eine Verlängerung dieser Probezeit auferlegt. Wer sich erneut einen Verstoß leistet, muss seine Fahrerlaubnis wieder abgeben und sie nach einer gewissen Sperrfrist erneut beantragen beziehungsweise die damit verbundenen Prüfungen ablegen. Derartige Strafen führen allerdings nicht automatisch zu mehr Sicherheit bei den Jugendlichen, meinen Kritiker. Häufigere Kontrollen und eine gute Präventionsarbeit erscheinen ebenso wichtig.

Bildquellen: Olichel (pixabay.com), manfredrichter (pixabay.com)


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