05.11.2018, 16:28 Uhr

Ernährung Neuer Ernährungstrend: Bayrisch & bewusst

BAYERN. Auf immer mehr Tellern im Freistaat landen neben typisch bayrischen Gerichten wie Schweinsbraten und Knödel gesunde Salate und gedünstetes Gemüse. Das Interesse an bewusster Ernährung wächst.

Bayern ist Diätmeister

Obwohl man schon seit sechs Jahren regelmäßig die bayrische Weißwurstkönigin krönt, geht es in der Küche des südlichsten Bundeslands längst nicht mehr bloß um die Wurst. Ein Blick in die Esszimmer des Freistaats verrät, was tatsächlich auf dem Teller landet. Wider Erwarten sind es weder Würstel noch Kartoffeln. Bewusste Ernährung ist im Kommen und mit ihr sind es anspruchsvolle Gerichte der leichten Küche. Die schwere Kost der Vergangenheit hat ihre Spuren hinterlassen, denen mehr als die Hälfte aller Bayern heutzutage mit Diäten begegnet. Laut einer TK-Ernährungsstudie ist der Freistaat mittlerweile deutscher Diätmeister. 34 Prozent aller Bayern geben an, bereits mehrmals eine Fastenkur ausprobiert zu haben – jeder Dritte sogar einmal pro Jahr. Mit Erfolg, denn mehr als die Hälfte hat ihr Gewicht per Diät langfristig reduziert. In den meisten Fällen war der Erfolg einer länger angelegten Ernährungsumstellung zu verdanken.

Mehr als Leberkäse

Paniertes Schnitzel, Pommes, Leberkäse und die typische Maß Bier: Für Kalorienbomben wie diese ist die bayrische Küche weltweit bekannt. Wer zur Nachspeise noch eine Dampfnudel mit Vanillesoße nachlegt, führt sich allein damit annähernd 1.000 Kilokalorien zu. Dass bewusste Ernährung anders aussieht, hat man im Freistaat mittlerweile erkannt. Auch in der traditionellsten Wirtschaft gibt es leichtere Kost, die sich vor den genannten Speisen geschmacklich nicht verstecken muss. Neben der Nudelsuppe zählt hierzu Fisch: so beispielsweise ofengegarte Forelle. Salzkartoffeln statt Pommes und Rindersteak auf Salat sind ebenfalls bewusste Ernährungsentscheidungen, die auf bayrischen Speisekarten konventioneller Weise zu finden sind. Auch zu Hause muss Hausmannskost nicht gleich aus schweren Gerichten bestehen. Kalorienarm, traditionell und relativ einfach in der Zubereitung sind neben Krautsalat mit Speck beispielsweise Rinderrouladen. Wichtig ist der Verzicht auf fettige Soßen. Wer zu Beilagen wie Ofenkartoffeln unbedingt etwas zum Dippen braucht, setzt bei bayrisch bewusster Ernährung am ehesten auf etwas Sauerrahm.

Abnehmen auf Bayrisch

Für eines war der naturidyllische Freistaat schon immer prädestiniert: für Heilkuren in malerischer Kulisse. In fast 50 bayrischen Kurorten und Heilbädern wird regelmäßig gefastet und auch andere Detoxkuren erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Schon im Jahr 2003 gab es Aktionen für mehr Ernährungsbewusstsein in der bayrischen Region. Eine davon war „Bayernweit-BayernLight, leichter leben in Bayern“, an der sich über 70 Apotheken in mehr als 50 bayrischen Städten beteiligten. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung wollte damals unter Minister Sinner trotz traditionellem Weißwurst-Image gesundes Essverhalten fördern. 50 Prozent aller Bundesbürger litten zu dieser Zeit an Übergewicht und sollten ohne Hungerkuren zum dauerhaften Abnehmerfolg finden. Angesichts der aktuellen Ernährungstendenz haben Aktionen wie diese bleibenden Eindruck hinterlassen. Das allerdings nicht bei jedermann: Laut TK-Ernährungsstudie geht in Sachen Ernährungsweise noch immer ein tiefer Spalt durch den Freistaat.