08.06.2018, 10:48 Uhr

Offene Beziehung Untreue als Beziehungsmodell? Ob das gut geht?

Sex mit einem anderen? In offenen Beziehungen kein Problem. (Foto: stokpic / pixabay.com)Sex mit einem anderen? In offenen Beziehungen kein Problem. (Foto: stokpic / pixabay.com)

Monogamie in Beziehungen gilt seit jeher als das Non-Plus-Ultra. Wer seinem Partner fremdgeht, eine Affäre beginnt oder beim One Night Stand schwach wird, riskiert das gemeinsame Glück. Und doch gibt es einige Paare, bei denen Treue und Monogamie nicht an erster Stelle stehen. Hier sind Kontakte zu anderen erlaubt und teilweise sogar ausdrücklich gewünscht. Fest steht in beiden Fällen: Beide Partner sollten sich ihrer Sache absolut sicher sein. Sonst nämlich steht die Liebe am Schluss doch noch auf dem Spiel.

Der Klassiker: Offene Beziehung

Eine offene Beziehung ist leicht zu erklären. Hier sind beide Partner emotional eng miteinander verbunden und verzichten dennoch auf den Zwang einander treu zu bleiben. Wer auf einer Party oder im Büro eine nette Bekanntschaft macht und diese vor allem auf erotischer Ebene vertiefen will, muss kein schlechtes Gewissen dabei haben. Einzig emotionale Aspekte sollten bei Dates, One Night Stands oder Affären keine große Rolle spielen, denn dann kann es auch mit dem freigiebigsten Partner schnell unangenehm werden.

Wer eine offene Beziehung eingeht oder sich mit dem langjährigen Partner hierauf einigt, muss bestimmte Einstellungen und Charakterzüge mitbringen. Eifersucht, Besitzdenken oder auch Kontrollzwang sind tabu, denn der andere soll sich im Kontakt mit dritten Personen frei fühlen. Der Gedanke dabei: Wer sich abseits der Beziehung austoben kann, kehrt umso lieber zurück nach Hause zu seinem Partner und wird in der Partnerschaft nichts vermissen. Besonders interessant kann das für Paare sein, bei denen nach einigen Jahren das erotische Interesse aneinander stetig sinkt, während die Gefühle weiterhin stark bleiben.

Wie sich eine offene Beziehung letztlich gestaltet, ist individuell und bedarf einiger Zusatz-Absprachen. Manche Paare einigen sich bewusst darauf, dass nur zufällige Begegnungen im Alltag zu aushäusigen Dates führen dürfen. Wiederum andere fühlen sich auch mit der aktiven Suche nach Abenteuern wohl und melden sich bei einschlägigen Portalen an. Solche Portale unterscheiden sich deutlich von klassischen Singlebörsen, bei denen es um Gefühle geht. Im Fokus steht hier vor allem der unverbindliche Spaß miteinander, ohne dass sich Kontakte nach einem Treffen je wiedersehen müssen. Auch Anonymität spielt laut fremdgehen69.de eine wichtige Rolle, denn Außenstehende müssen nicht unbedingt wissen, dass sich Partner auch mit anderen Menschen vergnügen.

Der Extremfall: „Cuckolding“

Cuckold ist speziell und verlangt Frauen ein hohes Maß an Dominanz ab. (Foto: ivanaovgood / pixabay.com)

Im Vergleich zum aktuell vieldiskutierten Trend „Cuckolding“ erscheint die offene Beziehung beinahe schon lammfromm. Cuckolding nämlich ist eine Form der Partnerschaftsgestaltung, bei der es deutliche Machtunterschied zwischen Mann und Frau gibt. Hier unterwirft sich der Mann seiner Frau sowohl im Alltag als auch in Sachen Erotik und muss je nach Ausprägung der Praktik wie ein Diener leben. Sexuelle Kontakte der Partnerin, hier auch als „Cuckoldress“ bezeichnet, werden ganz bewusst von ihr angebahnt und forciert.

Und während Partner bei einer offenen Beziehung viel Rücksicht auf die Gefühle des anderen nehmen und ein Date im Zweifelsfall trotz aller Offenheit sausen lassen können, MUSS es beim Cuckolding wehtun. Die Frau agiert in diesem Fall als Fremdgängerin, die ihrem Mann deutlich zu verstehen gibt, dass er ihren Bedürfnissen nicht gerecht wird. Vordergründig wird das zum Stein des Anstoßes für ihre Treffen mit anderen.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen offener Beziehung und Cuckolding: In einer offenen Beziehung nehmen Partner meist nicht an den erotischen Abenteuern ihres Partners teil. Und ist das doch einmal der Fall, kommen beide auf ihre Kosten, indem sie sich zu Dreieckstreffen verabreden. Beim Cuckolding wird der Mann dazu „gezwungen“, seine Partnerin beim Liebesspiel mit einem anderen zu beobachten und darf sich nicht aktiv einbringen. Das kann sogar so weit gehen, dass er seine Partnerin und ihren Liebhaber bedienen oder während des Liebesspiels gefesselt im Schrank sitzen muss.

Der Antrieb, der hinter dem Cuckolding steht, ist nicht nur die Eifersucht. Sie kommt vor allem dann zum Tragen, wenn beide Partner weiterhin miteinander schlafen und das Konkurrenzdenken des Mannes für mehr Leidenschaft sorgen soll. Es kann jedoch zeitgleich sein, dass der Mann, „Cuckold“ genannt, in vollkommener Abstinenz leben und die Abenteuer seiner Partnerin miterleben muss. Cuckold ist also sicher nichts für jedermann, sondern eignet sich vor allem für Paare, die sich für außergewöhnliche Praktiken aus der BDSM Szene interessieren und einen gänzlich außergewöhnlichen Lebensstil verfolgen wollen.

Vorher genau abwägen

Ob nun Cuckolding oder offene Beziehung: Erotische Erfahrungen, die nicht mit dem Partner gemacht werden, können tiefe Narben auf dessen Seele hinterlassen, das Vertrauen zerstören und letztlich zum Aus der Beziehung führen. Auch eine Statistik bestätigt das, denn schon einmalige One Night Stands erachten 94 Prozent der Frauen und 91 Prozent der Männer als Fremdgehen. Diese Zahlen lassen darauf schließen, dass offene Beziehungsmodelle in Deutschland auch heute noch die Ausnahme sind.

Und doch gibt jeder vierte Mann an, mit seinem Sexleben nicht zufrieden zu sein. Dass ein unbefriedigtes Erotikleben eine Beziehung langfristig betrachtet genauso gefährden kann wie ein Abenteuer, sollten Männer und Frauen dabei nicht vergessen. Und doch ist nicht jedermann gleich gut geeignet für eine offene Beziehung. Es ist keine gute Idee, im Alleingang über die Beziehungsgestaltung zu entscheiden und vom Partner Einverständnis zu erwarten.

Veränderungen hinsichtlich partnerschaftlicher Treue müssen daher stets in ausgiebigen Gesprächen diskutiert werden. Und sind sich beide Partner einig, es tatsächlich versuchen zu wollen, schadet das Aufstellen eines privaten Regelwerkes nicht. Punkte wie „Safer Sex“ beispielsweise gehören zu den absoluten Pflichten in offenen Beziehungen, aber auch die Häufigkeit aushäusiger Abenteuer, die Offenheit hinsichtlich der hier gemachten Erfahrungen und mögliche Verbote, was beispielsweise gemeinsame Bekannte betrifft, bringen Paare auf Kurs und sichern die Verbundenheit.

(Bildnachweis/e) Titelbild: stokpic/pixabay.com (CC0-Lizenz) / Infografik: ivanovgood/pixabay.com (CC0-Lizenz)