27.03.2018, 12:48 Uhr

Brexit: So teuer wird es bereits jetzt schon

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Premierministerin Theresa May überraschte mit ihrer letzten Rede, als sie davon sprach, in Regulierungsfragen eine „sehr enge Anlehnung an die EU“ zu favorisieren.

Auch wenn dieses Vorhaben von zahlreichen Wirtschaftsvertretern begrüßt wird, so blieben dennoch wieder einige Fragen unbeantwortet. „Es braucht mehr, wenn man den Nebel der Unsicherheit lüften will“, so Carolyn Fairbairn, die „Confederation of British Industry“-Geschäftsführerin.

Unternehmer hoffen auf eine baldige Einigung

Seit Monaten hoffen britische Unternehmen auf klare Aussagen. Schlussendlich gibt es noch immer keinen Plan, wie die Zusammenarbeit nach dem 29. März 2019 mit den anderen EU-Mitgliedsstaaten aussehen kann. Das ist auch der Grund, warum rund 60 Prozent der Unternehmen einen Notfallplan erstellt haben, sofern die Verhandlungen mit der EU doch noch scheitern sollten. Auch wenn viele Aspekte für eine zweijährige Übergangsphase hinweisen, sodass es keine gravierenden Veränderungen geben wird, so muss sich jeder Unternehmer natürlich vor Augen führen, dass diese Interimslösung jederzeit scheitern kann. Höhere Zölle und Verzögerungen an den Grenzen wären sodann die Folgen.

„Wir müssen uns eingestehen, dass der Zugang zu anderen Märkten geringer sein wird“, so May im Zuge der dritten Brexit-Grundsatzerklärung. Auch sie weiß, dass der Brexit nun teurer als erwartet ausfallen wird. Das „Institut der deutschen Wirtschaft“ (kurz: IW) hat im Zuge einer Reportage eindrucksvoll gezeigt, dass die Abwertung des britischen Pfunds dafür sorgte, dass die Preise in die Höhe schossen. 2015 gab es noch ein konstantes Preisniveau, seit Monaten liegt die Inflation jedoch bei 3 Prozent. Berücksichtigt man die Preissteigerung, so bleiben die Einkommen der Briten im vierten Quartal 2017 um 0,2 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Das ist auch der Grund, warum der Konsum nicht entsprechend wächst - der britischen Wirtschaft geht es jetzt bereits schlechter als vor dem Brexit-Votum. Auch wenn im Abschlussquartal 2017 noch von einer Steigerung in Höhe von 1,5 Prozent berichtet werden konnte, so lag das Wachstum vor der Brexit-Entscheidung bei mehr als 3 Prozent. Das lässt auch die Börsen nicht kalt – hätte man in den letzten Wochen sein Geld nach der Heikin Ashi Strategie angelegt, wären satte Gewinne möglich gewesen.

Der Konsens unter vielen führenden britischen Wirtschaftspersönlichkeiten ist, dass Mays Plan zu spät kommt. Auch Michael Heseltine, ehemaliger Vizepremier und EU-Freund, kritisierte May. „Es gab nur Phrasen und Generalisierungen.“ Mike Hawes ist der Geschäftsführer des „Verbands der Automobilindustrie“ (kurz: SMMT) und weiß, dass es nicht reichen wird, wenn man einen „guten Zugang zu anderen Märkten“ aushandelt. „Die Wettbewerbsfähigkeit Großbritanniens wird beschädigt.“

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Warum die EU das „managed divergence“-System ablehnt

Grundsätzlich bauen die Briten auf das „managed divergence“-System. Dabei wird die Wirtschaft auf insgesamt drei Körbe aufgeteilt. Im ersten Korb befinden sich die Industrien, die den Prinzipien der EU folgen. Im zweiten Korb soll es gewisse Abweichungen geben; im dritten Korb gibt es keine Vorschreibungen von Seiten der Europäischen Union. Ein Konzept, das auf europäischer Seite keinesfalls auf Gegenliebe stößt. Schlussendlich würde hier die Variante des „Rosenpickens“ verfolgt werden. Ein Grund, warum scheinbar noch immer keine nachhaltigen Verhandlungsergebnisse präsentiert werden konnten.

„In den nächsten Wochen muss man sich endlich über Übergangsregelungen einig werden. Nur dann werden auch die Unternehmen wissen, wie es weitergehen kann“, so Adam Marshall, der Geschäftsführer der Handelskammervereinigung „British Chambers of Commerce“.


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