27.12.2017, 11:13 Uhr

Die Forscher zeigten auf. Herzschwäche: Appetitlosigkeit steigert das Sterberisiko

Unsplas
              , 221498  (Foto: Cathal-Mac-an-Bheatha)Unsplas , 221498 (Foto: Cathal-Mac-an-Bheatha)

Knapp zwei Millionen Menschen leiden in Deutschland an chronischer Herzschwäche. Die eingeschränkte Pumpfunktion des Herzmuskels führt bei ihnen zu rascher Erschöpfung, einem Rückstau des Blutes in Vene oder Lunge und häufig auch zu Appetitlosigkeit. Die schwindende Lust zu essen stellte Mediziner lange Zeit vor Rätsel. Forscher haben nun herausgefunden, dass die Appetitlosigkeit Betroffene in einen riskanten Teufelskreis führt.

Die EU-finanzierte „SICA-HF-Studie“ des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) in Göttingen sollte Faktoren identifizieren, die zu dem Appetitverlust führen. Wissenschaftler untersuchten 166 nicht stationär behandelte Herzinsuffizienz-Patienten, etwa jeder Dritte von ihnen litt zum Zeitpunkt der Studie an Appetitlosigkeit.

Faktoren, die zur Appetitlosigkeit führen

Die Forscher konnten aufzeigen, dass die Appetitlosigkeit zum einen durch den starken Gewichtsverlust entsteht. Wer also kaum Lust auf Essen verspürt, dadurch weniger isst und abnimmt, erhöht die Wahrscheinlichkeit für Appetitlosigkeit noch zusätzlich. Zum anderen sind hohe Entzündungswerte im Körper der Grund für die schwindende Lust aufs Essen. „Bei Herzschwäche-Patienten liegen an sich schon erhöhte Entzündungswerte vor, wenn diese Werte noch überschritten werden, wird es wahrscheinlicher, dass der Appetit schwindet“, so Studienleiter Stephan von Haehling. Zum dritten mindert die Einnahme von Diuretika den Appetit. Herzschwäche-Patienten bekommen diese Medikamente gegen Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) an Fußgelenken und Beinen verabreicht. Symptome, die durch den Rückstau des Blutes entstehen, der wiederum durch die eingeschränkte Pumpfunktion des Herzmuskels bedingt ist.

Herzinsuffizienz ist oft eine Folgeerkrankung der koronaren Herzkrankheit oder von Bluthochdruck. Bei den meisten Betroffenen bestehen beide Krankheitsbilder neben der Herzschwäche weiter. Viele Patienten nehmen deshalb ACE-Hemmer zur Blutdrucksenkung ein. Helfen ACE-Hemmer nicht ausreichend, wird die neue Wirkstoffkombination Sacubitril & Valsartan eingesetzt. Wie Studien belegen, verhilft die Therapie mit Sacubitril & Valsartan Patienten zu einem längeren Leben mit weniger Krankenhausaufenthalten.

Medikamentöse Behandlung um weitere Maßnahmen ergänzen

Neben der medikamentösen Behandlung hilft Herzschwäche-Patienten ein gesunder Lebensstil mit körperlicher Aktivität. Die aktuellen Forschungsergebnisse aus Göttingen legen weitere Ansatzpunkte für eine erfolgreiche Therapie nahe. So empfehlen die Wissenschaftler des DZKH, verstärkt auch die Ernährungsgewohnheiten und den Ernährungszustand der Patienten im Blick zu haben „Diese Faktoren sollten ein grundlegender Bestandteil bei der medizinischen Gesamtbeurteilung von Herzschwäche-Patienten sein“, so Studienleiter von Haehling.

Die Forscher konnten auch nachweisen, wie sich mangelnder Appetit auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Sie analysierten dazu die Auswirkungen der Appetitlosigkeit auf die körperliche Leistungsfähigkeit und die Überlebensrate von Herzschwäche-Patienten. Das Ergebnis: Erkrankte mit mangelndem Appetit sind weniger leistungsfähig. Besonders gering ist die Leistungsfähigkeit von Patienten, die bereits stark an Gewicht verloren haben. Brisant: Die Forscher zeigten auf, dass Appetitlosigkeit das Risiko erhöht, dass ein Herzschwäche-Patient binnen der nächsten zwei Jahre stirbt.