07.01.2021, 16:02 Uhr

Fehlende Daten Gibt es (noch) genug Praktikumsplätze?


Gibt es genug freie Praktikumsplätze? Daten dazu jedenfalls sind Mangelware.

Region Landshut. Wie viele freie Praktikumsplätze gibt es? Und hat die Pandemie die Zahl gedrückt? Zwei Fragen, die eigentlich nicht weiter schwierig sein dürften. Tatsächlich aber kann sie niemand beantworten.

Ines Müller (Name von der Redaktion geändert) ist besorgt. Ihre Tochter besucht die neunte Klasse einer Realschule im Raum Landshut. Ihren Abschluss wird sie in nicht allzu ferner Zukunft machen und dann… ja, was dann? „Berufsorientierung ist momentan äußerst schwierig“, so die Mutter. Sie führt aus: „Eigentlich sollten die Schüler demnächst Praktika machen.“ Mindestens eins sei von der Schule auch vorgeben, ein einwöchiges Pflichtpraktikum. Auch in manchen Studiengängen ist das Absolvieren von Praktika eine Pflicht.

Abgesehen von der Pflicht geht es Ines Müller auch um die Kür: „Die Kinder sollen in einem Jahr in den Beruf einsteigen, haben aber keine Vorstellung davon. Nur Info-Veranstaltungen reichen für diese wichtige Entscheidung einfach nicht. Praktikumsstellen sind zum Schnuppern gut.“ An eben diesen, den Praktikumsplätzen für Schüler, mangle es aber sehr, so die Mutter: „Egal, wo meine Tochter anruft – überall wird ihr nur gesagt, das sei momentan nicht möglich wegen Corona.“

Während etwa die gemeldete Anzahl an Stellen oder Ausbildungsplätzen gut bekannt ist, existieren bei allen angefragten Institutionen keine Zusammenfassung über die Anzahl offener Praktikumsstellen. Die Agentur für Arbeit Landshut-Pfarrkirchen etwa verweist darauf, dass sie solche Erhebungen nicht führe. Auch bei der IHK Niederbayern oder beim Landratsamt Landshut kennt man nach telefonischer Anfrage keine genauen Zahlen. „Nein, für Angebote der Wirtschaft liegen uns keine Zahlen vor“, führt auch Anja Hartwig von den Staatlichen Schulämter in der Stadt und im Landkreis Landshut aus. „Die gewünschten Daten liegen im Informationsangebot der amtlichen Statistik nicht vor“, so das Statistische Bundesamt auf schriftliche Anfrage. Welche anderen Daten man für einen vergleichenden Blick heranziehen könne, sei nicht bekannt. Michael Kugler vom Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Landshut (Teil des Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e.V.) sagt ebenfalls, dass keine Zahlen vorliegen. Er führt aus, dass zu deren Erhebung kein Anlass bestehe, es gäbe genug freie Praktikumsplätze.

Ob es die nun gibt? Nicht gibt? Die Frage bleibt ungeklärt ohne Daten. Fakt ist: Über 270.000 Schüler in Bayern machten 2017/2018 ihren Abschluss. Das geht aus einem Jahrbuch des Bayerisches Landesamt für Statistik hervor. Bekannt sind auch folgende Zahlen: „Von März 2020 bis Mitte Dezember 2020 haben 5.109 Betriebe für 84.572 Personen im Bezirk der Agentur für Arbeit Landshut-Pfarrkirchen wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie Kurzarbeit angezeigt“, heißt es in einer Meldung der Behörde vom 5. Januar unter dem Titel „Arbeitsmarkt von Corona-Pandemie gezeichnet“.

Will man sich auf die Angaben von Internetportalen verlassen, so waren am Stichtag 30. Dezember für den gesamten Raum Niederbayern etwa folgende freie Praktikumsplätze gemeldet: 704 auf praktika.de, 141 auf indeed.de und 216 auf kimeta.de. Ob man die Zahlen addieren kann, weil es sich um je unterschiedliche Angebote handelt, bleibt fraglich.

„Uns ist vollkommen bewusst“, so Kugler, „dass Berufsorientierung momentan schwierig ist. Schüler, die keine Praktikumsplätze finden, können Kontakt mit der Schulleitung aufnehmen. Es ist die Aufgabe der Lehrer, Praktikumsplätze zu vermitteln.“ Gefahr einer generellen Orientierungslosigkeit im Hinblick auf die Berufswahl sieht Kugler nicht: „Praktika sind nicht der einzige Baustein. Wir veranstalten von 1. bis 6. März eine digitale Berufsinfomesse mit Online-Meetings, Livestreams und Vorträgen. Das Angebot soll so ausgerichtet sein, dass es auch ins Unterrichtsgeschehen eingebaut werden kann.“ Informationen dazu würden nochmals separat erfolgen.


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