07.12.2012, 08:58 Uhr

Besuch in der Asylbewerberunterkunft "Asylbewerber sind keine Nummern, sondern Menschen wie du und ich"

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Der Grünen-Landtagsabgeordnete Eike Hallitzky (li.) hat sich vor Ort ein Bild von der Asylbewerberunterkunft in Bogen gemacht – und viele Mängel ausgemacht.

BOGEN Etwa 15 Familien von Asylbewerbern sind seit kurzem in einem ehemaligen Hotel am Stadtplatz in Bogen untergebracht. Um sich ein Bild von der Lage der Menschen im Asylbewerberlager und deren Bedürfnissen zu machen, besuchte der niederbayerische Grünen-Abgeordnete Eike Hallitzky am Montag die Einrichtung in Bogen.

Trotz der geradezu babylonischen Sprachverwirrung zeigte sich schnell, dass das Haus und dessen Lage o.k. sind, einige Verbesserungen jedoch dringend geschafft werden müssten. Da ist zum einen der bisher fehlende Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern von Bogen. Bis auf den Hausmeister und gelegentliche Besuche der zuständigen halbtags beschäftigten Sozialarbeiterin fehlt ein Miteinander sowohl mit den Behörden als auch mit der Bevölkerung noch gänzlich. „Hier müssen wir etwas bewegen, schließlich sind es Menschen, die wie wir alle das Bedürfnis nach Gesprächen und Kontakten haben.“

Bei einem Rundgang durch die zwei Wohnetagen konnte sich Hallitzky ein Bild von den noch vorhandenen Mängeln in der Unterkunft machen. Am meisten fehle eine vernünftige Küche für die rund 60 Personen, betonten die Bewohner. Man bekäme zwar Geld für Nahrungsmittel, zur Zubereitung stehen aber nur eine Zweifeld-Kochplatte pro Etage zur Verfügung, einen Herd gibt es nicht. Auch das Wäschewaschen werde zum Problem, da nur eine einzige Waschmaschine vorhanden sei, so dass jeder Familie nur wenige Stunden pro Woche zum Wäschewaschen zustehe. „Es fehlt auch eine Kommunikationsmöglichkeit, die gerade für Asylbewerber sehr wichtig ist – zur Nachrichtenbeschaffung, aber auch um Kontakt mit ihrer Familie zu halten“, so Eike Hallitzky. „Ein Raum mit Internetmöglichkeit und Fernseher ist dringend nötig.“

„Asylbewerber sind keine Nummern sondern Menschen wie du und ich. Deshalb halte ich auch gar nichts von der Einstellung der Staatsregierung, die Asylsuchenden – oft für viele Jahre - möglichst stark zu isolieren.“ Eine junge Frau habe ihn gebeten, in die Schule gehen zu dürfen, Deutsch lernen zu dürfen, andere wollen arbeiten. Hallitzky: „Ja, warum denn nicht? Wenn wir das nicht zulassen, verbauen wir nicht nur diesen Menschen Lebensperspektiven, sondern wir schaden auch unserer Gesellschaft: Wenn sie bleiben dürfen, wird es immer schwerer und immer teurer, sie in unsere Gesellschaft zu integrieren, je länger wir warten. Und wenn sie in ihre Heimatländer zurückkehren müssen, sollen sie doch ein positives Bild von Deutschland und neuerworbene Kompetenzen wie Sprachkenntnisse mitnehmen dürfen. Das ist doch nicht nur gut für sie sondern auch in unser aller Interesse als Bürger eines weltoffenen exportorientierten Landes.“

Abschließend übergab Hallitzky als kleine Geste Spielzeuge und Winterkleidung, die der Grünen-Kreisverband Straubing gesammelt hatte – verbunden mit dem bittenden Appell an die Bürgerinnen und Bürger von Bogen und Umgebung, die Menschen in der Asylbewerberunterkunft in ihrer Mitte aufzunehmen und mit zu helfen, ein Stück Menschlichkeit zu schenken.

Anita Karl, Kreisvorsitzende der Grünen steht allen Interessierten als Ansprechperson zur Verfügung. „Es wäre schön, Menschen zu finden, die ein wenig Zeit opfern könnten um Deutschkurse in der Unterkunft anbieten zu können. Denkbar sind aber auch andere Aktivitäten, wie Internetunterstützung, Gespräche beim Kaffee und anderes. Auch Spenden wie zum Beispiel alte Fahrräder oder zur Zeit dringend benötigte Winterkleidung werden gerne an die Bewohner weitergeleitet“, so Anita Karl, die unter der Telefonnummer 09422/2921 oder der Mailadresse anita.eckhard.karl@web.de erreichbar ist.  


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