11.07.2019, 16:14 Uhr

Alternative Heizsysteme im Landkreis Straubing-Bogen Biomasseheizwerk in Windberg ist ein „Leuchtturmprojekt“

Landrat Josef Laumer (ganz links) gemeinsam mit Windbergs Bürgermeister Johann Gstettenbauer (3. von links), Bernhard Suttner (5 von links), Willi Zirngibl (Vorsitzender des Arbeitskreises Energie im REV Straubing-Bogen e.V., 6. von rechts), Josefine Hilmer (Geschäftsführerin REV, 4. von rechts) und Mario Ehrnböck (Kämmerer der VG Hunderdorf, ganz rechts) gemeinsam mit Gemeinderäten und Mitarbeitern im Heizraum des Biomasseheizwerks in Windberg. (Foto: Landratsamt)Landrat Josef Laumer (ganz links) gemeinsam mit Windbergs Bürgermeister Johann Gstettenbauer (3. von links), Bernhard Suttner (5 von links), Willi Zirngibl (Vorsitzender des Arbeitskreises Energie im REV Straubing-Bogen e.V., 6. von rechts), Josefine Hilmer (Geschäftsführerin REV, 4. von rechts) und Mario Ehrnböck (Kämmerer der VG Hunderdorf, ganz rechts) gemeinsam mit Gemeinderäten und Mitarbeitern im Heizraum des Biomasseheizwerks in Windberg. (Foto: Landratsamt)

Anlage zeigt, wie die Energiewende gelingen kann.

WINDBERG Strom, Verkehr und Wärme – es sind die drei entscheidenden Säulen im Hinblick auf die Energiewende in Deutschland. Ein beispielhaftes Projekt für Strom und Wärme steht in der Gemeinde Windberg im Landkreis Straubing-Bogen – das dortige Biomasseheizwerk.

„Mit Blick auf die Energiewende sind solche Anlagen ein wichtiger Baustein von mehreren“, so Landrat Josef Laumer bei einer Besichtigung in Windberg. Ähnlich äußerte sich auch Willi Zirngibl, Leiter des Arbeitskreises Energie im Regionalentwicklungsverein Straubing-Bogen e.V.: „Es gibt nicht ein Allheilmittel. Es gibt verschiedene Varianten und Kombinationen und man muss die jeweils Richtigen finden. Denn das Ganze muss ja auch wirtschaftlich und praktikabel sein. In Sachen Strom ist der Landkreis ohnehin bereits vorbildlich unterwegs.“

Fünf Jahre wurde von der Gemeinde Windberg geplant, ehe die Anlage 2014 in Betrieb genommen werden konnte. „Die Kosten von ca. 1,9 Millionen Euro waren natürlich für eine so kleine Gemeinde nicht ohne“, blickt Bürgermeister Johann Gstettenbauer zurück. Heute freilich ist er froh über diesen Schritt: „Es läuft als Regiebetrieb der Gemeinde und es funktioniert gut.“ Jedes Jahr konnte bisher ein Überschuss erwirtschaftet werden. Insgesamt sind 54 Gebäude an das Biomasseheizwerk angeschlossen – neben den Gebäuden der Gemeinde auch die komplette Klosteranlage einschließlich Jugendbildungszentrum und die Kirchenverwaltung inklusive Kirche. Der Rest sind fast 50 Privathäuser, darunter auch zwei Gaststätten.

Wärme und Strom werden im Biomasseheizwerk mit einem Hackschnitzelkessel und einer Holzkraftanlage zur Holzvergasung erzeugt. Über ein Nahwärmenetz mit einer Länge von ca. 2.000 Metern werden die 54 Gebäude mit einer jährlichen Wärmeabnahme von 1.800 MWh versorgt. Der Pufferspeicher im Heizhaus hat ein Volumen von 20.000 Liter, die jährliche Stromerzeugung beträgt ca. 250.000 kWh.

Die Vorteile für alle Beteiligten liegen auf der Hand: Die Kosten für die Abnehmer sind überschau- und kalkulierbar, da die Preise stabil gehalten werden können. Neben einem einmaligen Anschlusspreis von 2.000 Euro liegt der Grundpreis für ein Einfamilienhaus bei 333 Euro im Jahr, der Wärmepreis bei 8,2 Cent je KWh. Das mag etwas teurer sein als Heizöl, aber: Der Hausbesitzer muss sich um nichts mehr kümmern und braucht keine Neuanschaffung oder Wartung der Heizanlage, Kaminkehrerkosten fallen ebenfalls keine an. Von der umweltfreundlichen CO2-Neutralität ganz zu schweigen und durch die Rückgewinnung zur Wärmeerzeugung werden auch 100 Prozent genutzt.

Freilich ist beim Betrieb auch ein gewisses Knowhow gefragt. „Die Qualität der Hackschnitzel ist entscheidend“, erklärt Mario Ehrnböck, Kämmerer der VG Hunderdorf. „Ebenso eine entsprechende Wartung der Anlage.“ Passt da etwas nicht, könne es schnell zu Störungen und vor allem auch kurzen Wartungsintervallen mit dafür entsprechender Länge kommen. Ideal sei deshalb ein Betrieb und eine Versorgung zentral durch Fachleute wie in Windberg, weil Privatpersonen im eigenen Haushalt den Aufwand häufig nur schwer leisten können. „Und wenn sich das eine kleine Gemeinde wie wir leisten kann, dann können das andere auch“, macht Bürgermeister Gstettenbauer Werbung in Richtung seiner Amtskollegen. Weitere Biomasse- und Biogasanlagen gibt es im Landkreis auch bereits in mehreren Orten. Gstettenbauer hob dabei auch die Zusammenarbeit mit dem Technologie- und Förderzentrum (TFZ) in Straubing hervor. „Diese hervorragenden Einrichtungen im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe müssten noch viel mehr genutzt und in den Mittelpunkt gerückt werden“, so der Windberger ÖDP-PU-Kreistagsfraktionsvorsitzende Bernhard Suttner.

„Projekte wie dieses in Windberg sind eine ideale Möglichkeit, um in Kombination bei Privathaushalten eine Umstellung weg von der Ölheizung anzugehen – durch Innovation, Unterstützung und Anreize und nicht durch immer mehr Verbote und Vorschriften“, sagt Landrat Josef Laumer. Auch der Umwelt- und Energieausschuss des Landkreises hatte sich mit dieser Thematik bereits im Vorjahr befasst und auf alternative Heizsysteme hingewiesen. „Es gibt nicht die alleinige Musterlösung“, so der Landrat. Das Biomasseheizwerk in Windberg – aber auch die anderen Anlagen in den Landkreisgemeinden - seien ein Leuchtturmprojekt. Aber auch in kleinerem Rahmen gebe es für Bauherrn mit Pellets oder Wärmepumpen entsprechend passende Lösungen, die in Privathaushalten die Ölheizung obsolet machen. Landrat Laumer zitierte dabei ein afrikanisches Sprichwort: „Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ Der Landrat sagte auch zu, sich dafür einzusetzen, dass die Förderungen für Biogas nicht eingestellt werden und bei den entsprechenden Stellen politisch tätig zu werden.

Foto: Landrat Josef Laumer (ganz links) gemeinsam mit Windbergs Bürgermeister Johann Gstettenbauer (3. von links), Bernhard Suttner (5 von links), Willi Zirngibl (Vorsitzender des Arbeitskreises Energie im REV Straubing-Bogen e.V., 6. von rechts), Josefine Hilmer (Geschäftsführerin REV, 4. von rechts) und Mario Ehrnböck (Kämmerer der VG Hunderdorf, ganz rechts) gemeinsam mit Gemeinderäten und Mitarbeitern im Heizraum des Biomasseheizwerks in Windberg.


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