28.02.2019, 15:54 Uhr

„Das muss aufhören“: Mittelstand im Landkreis ächzt unter immer mehr Vorschriften und Verordnungen

Landrat Josef Laumer, Reinhard Schütz, Christian Simmel, Franz Baier, Wirtschaftsreferent Martin Köck, Andreas Urban (Stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Wiesenfelden) und Stellvertretender Landrat Franz Xaver Eckl (von links) beim Firmenrundgang. (Foto: Landratsamt)Landrat Josef Laumer, Reinhard Schütz, Christian Simmel, Franz Baier, Wirtschaftsreferent Martin Köck, Andreas Urban (Stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Wiesenfelden) und Stellvertretender Landrat Franz Xaver Eckl (von links) beim Firmenrundgang. (Foto: Landratsamt)

Landrat Josef Laumer sichert in Wiesenfelden seine Unterstützung zu.

WIESENFELDEN Vorschriften, Verordnungen, Normen, Prüfungen – der Mittelstand ächzt unter einer immer größeren Last an Bürden, die ihm aufgedrückt werden. Unterstützung ist dringend nötig und die versprach Landrat Josef Laumer beim Besuch der Schütz GmbH Prototype Engineering in der Gemeinde Wiesenfelden im Landkreis Straubing-Bogen.

Der Betrieb stellt Prototypen für den weltweiten Markt her, egal ob es sich dabei um Teile für Autos, Überwachungsanlagen, Filmtechnik oder Medizin handelt. Die Firma ist ausgestattet mit einem High-Tec-Maschinenpark auf neuestem Stand, z. B. Fertigungszelle mit Roboterbestückung für Einzelteilfertigung und Kleinserien im 5-Achs-Bereich. Hochmoderne Produktion von Prototypen höchster Präzision ist das Kerngeschäft. Es wird ständig in neueste Technik bei Maschinen und Software sowie in die Fortbildung der Mitarbeiter investiert.

„Ich werde mich persönlich dafür einsetzen. Ich bin froh, dass man uns detailliert aufschlüsselt, wo die Probleme sind. Das gibt mir die Möglichkeit, bei den entsprechenden Stellen vorstellig zu werden“, so der Landrat. Geschäftsführer Reinhard Schütz hatte vorher aufgezählt, was sein Betrieb mit 26 Mitarbeitern so alles benötigt: „Einen Betriebsarzt, einen Sicherheitsbeauftragten intern, eine Sicherheitskraft extern, einen Arbeitsschutzbeauftragten, mehrere Erst- und Brandschutzhelfer. Insgesamt sind bei unserer Mitarbeiterzahl mindestens zehn Beauftragte für verschiedene Gebiete vorgeschrieben. Von der Datenschutzgrundverordnung will ich gar nicht reden. Um ein Beispiel zu nennen, soll ich meine Mitarbeiter unterweisen, wie man auf der Treppe geht, dabei benutzen sie die seit Jahren x-mal täglich.“ Schilderungen, die Landrat Josef Laumer nicht das erste Mal hört. „Wir sind in Deutschland schon besonders gefährdet für solche Auswüchse. Wenn wir irgendwo eine Lücke im Gesetz finden, sind wir sofort da. Man muss auch mal irgendwann bremsen und nicht mit immer neuen Verordnungen und Regelungen den Leuten die Arbeit erschweren“, zeigte er Verständnis für die Anliegen von Reinhard Schütz. Schon viele Mittelständler hätten ihm in letzter Zeit dieses Leid mit ähnlichen Worten geklagt. Und auch wenn vieles davon nicht in der Landkreis-Verantwortung liegt, wolle man sich doch konkret an die Verantwortlichen in München und Berlin wenden, um die Unternehmen zu unterstützen. „Wir leben alle vom Mittelstand – auch die Gemeinden und Landkreise. Sie zeigen Verantwortung vor Ort und suchen nicht wie viele Global Player nach immer mehr Steuerschlupflöchern oder immer größerer Rendite bei Aktionären“, machte Josef Laumer deutlich. „Wir gefährden sonst irgendwann unseren wirtschaftlichen Erfolg, wenn wir unseren Mittelständlern immer mehr aufbürden. Das muss aufhören.“

Worte, die Reinhard Schütz aus der Seele sprachen: „Ich kenne viele mittelständische Firmen, die kurz vor dem Aufhören sind. Die verkaufen dann an chinesische Investoren, die derzeit aggressiv den Markt beäugen. Das ist dann das Ende dieser Firmen und des gesamten Knowhows, welches dann ins Ausland abfließt.“ Das Gespräch mit dem Landrat gab dem Wiesenfeldener Firmen-Chef freilich ein gutes Gefühl. „Ich spüre, dass das Interesse da ist und merke, dass wir mit unseren Problemen ernst genommen werden. Ich weiß, dass das zum überwiegenden Teil Themen sind, die nicht das Landratsamt lösen kann. Aber ich bin dankbar, dass man sich unsere Probleme anhört und auch weiterträgt. Nur so können wir etwas verändern.“

Beim Firmenrundgang wurden konkrete Wünsche an den Landkreis, wie die weiteren Bemühungen um schnelles Internet und der Mobilfunkausbau, angesprochen. Und dabei gab es auch Lob: „Die Berufsschule in Straubing ist durch die Investitionen jetzt sehr gut und modern ausgestattet, da gibt es nichts zu meckern“, so Reinhard Schütz. Dessen Firmenphilosophie („Wir sind hier mit viel Herzblut dabei, behandeln alle gleich und arbeiten zusammen. Der Gewinn muss nicht jedes Jahr mehr werden“) beeindruckte Landrat Josef Laumer nachhaltig. „Man merkt, dass die Arbeit hier Spaß macht und wie strukturiert und organisiert gearbeitet wird.“

Und die Arbeit an sich laufe eigentlich gut, betont Schütz. „Es ist eben nur der Wust außen rum, der quasi monatlich schlimmer wird. Beauftragte, Statistiken usw. – wir würden uns gern mehr um unsere eigentliche Arbeit kümmern, aber das geht teilweise kaum noch.“ Landrat Josef Laumer will nun mithelfen, dass dies für mittelständische Unternehmer wie Reinhard Schütz in Zukunft wieder mehr möglich ist.


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