23.01.2019, 09:24 Uhr

„Bloß nichts anmerken lassen“ Friede, Freude, Coming-out


Der Straubinger Torsten Widua schrieb ein Buch über Homosexualität in den frühen 90er Jahren auf dem Land.

STRAUBING/KÖLN Sich zu seiner Homosexualität bekennen – das ist für Jugendliche in unserer aufgeklärten Zeit noch immer ein schwieriger Schritt. Ein Coming-out Anfang der 90er Jahre war da noch viel schwieriger. Das Ganze auch noch in der niederbayerischen Provinz – das ist richtig heftig.

Von genau dieser Erfahrung berichtet der Straubinger Torsten Widua in seinem Buch „Friede, Freude, Coming-out“. Der 40-jährige Wahl-Kölner und hauptberufliche Texter mischt persönliche Erlebnisse mit Schlaglichtern auf die Zeit seiner Jugend in den späten 80er- und frühen 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Allerdings verlegt Widua den Handlungsort seiner Geschichte von der niederbayerischen Heimat Straubing, genauer gesagt der beschaulich überschaubaren Gemeinde Aiterhofen, in den fiktiven oberbayerischen Ort „Baching“. Zum einen weil er die Berge liebt und in die Handlung einflechten wollte, zum anderen aber, um zu verhindern, dass sich jemand fälschlicherweise persönlich angesprochen fühlt. Denn, so Torsten Widua: „Auch wenn ich nie offene Anfeindungen erfahren habe, war es als Schwuler nicht immer leicht in einer kleinen niederbayerischen Gemeinde.“

Eingebettet in die Zeit von „Knight Rider“, VHS-Rekorder und Kickerkasten im Dorfwirtshaus, dürfen die Leser miterleben, wie Widuas Alter Ego Tim trotz Schlüsselloch-Heftchen und Bravo entdeckt, dass Mädchen nicht so sein Ding sind und was das in der beschaulichen Dorfidylle für Probleme mit sich bringt. Bis zum Finale, als die Hauptpersonen nach quälend langem „sich bloß nichts anmerken lassen“ im wahrsten Sinne des Wortes „die Hosen runterlassen müssen“ – bei den Eltern, der Clique und den Schulkameraden. Aber das Ende des Buches wird hier nicht verraten ...

Im wahren Leben hat Torsten Widua nach seinem Coming-out mit 18 schnell gemerkt, dass er sich in einem niederbayerischen Dorf mit 2.000 Einwohnern nicht unbedingt in seiner Wohlfühlzone befindet: „Ich merkte bald: Das funktioniert hier nicht!“ Eine größere Stadt wie Regensburg wäre damals wohl schon gut gegangen, mutmaßt er, aber Aiterhofen – das ging eben nicht. So zog es ihn mit 21 zunächst nach Dortmund. Mittlerweile lebt er seit einigen Jahren in Köln. Dort hat er in den letzten Monaten an seinem Buch geschrieben.

Bis zur Veröffentlichung Mitte November letzten Jahres war es allerdings ein steiniger Weg. „Ich habe das Manuskript vielen Verlagen angeboten“, sagt Torsten Widua, „die meisten hatten gar nicht erst geantwortet. Ich vermute, ihnen war das Thema Coming-out zu heikel.“ Letztlich hat Widua das 311 Seiten umfassende „Friede, Freude, Coming-out“ in Eigenregie als eBook veröffentlicht (unter anderem zu finden auf Amazon). Mittlerweile ist der Roman auch als gedruckte Ausgabe als „Book on Demand“ erhältlich.


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