14.02.2018, 19:46 Uhr

Wenn Mensch und Natur profitieren Die wichtige Arbeit des Netzwerkes Streuobst Bayerischer Vorwald

Bürgermeister Thomas Schuster (ganz links), Kreisfachberater Johann Niedernhuber (3. von links), Julia Hagner vom LPV Straubing-Bogen (mitte) und die Bürgermeister Anton Piermeier, Wolfgang Zirngibl und Rudi Seidenader gemeinsam mit Herrn Zollner und Herrn Mühlbauer beim Ortstermin. (Foto: Landratsamt)Bürgermeister Thomas Schuster (ganz links), Kreisfachberater Johann Niedernhuber (3. von links), Julia Hagner vom LPV Straubing-Bogen (mitte) und die Bürgermeister Anton Piermeier, Wolfgang Zirngibl und Rudi Seidenader gemeinsam mit Herrn Zollner und Herrn Mühlbauer beim Ortstermin. (Foto: Landratsamt)

Blühende Obstbäume im Frühling und leckere Früchte im Herbst, darunter eine Wiese aus bunten Blumen und duftenden Kräutern – so stellt man sich eine Streuobstwiese vor. Zum Glück gibt es noch einige dieser wertvollen Lebensräume im Landkreis Straubing-Bogen.

STRAUBING-BOGEN Damit das so bleibt, setzt sich das Netzwerk Streuobst Bayerischer Vorwald für die Pflege und Wertschätzung von Streuobstwiesen ein. Das Netzwerk wurde 2011 gegründet und zählt inzwischen die Kommunen Ascha, Falkenfels, Neukirchen, Perasdorf, Rattiszell, Sankt Englmar, Steinach und Wiesenfelden zu seinen Mitgliedern. Unterstützung findet das Netzwerk im Landschaftspflegeverband Straubing-Bogen e. V, dem Gartenfachberater für Gartenkultur und Landespflege Herrn Johann Niedernhuber und den Planungsbüros MKS und Landimpuls.  

Um Streuobstbäume zu erhalten, ist ein regelmäßiger Pflegeschnitt nötig. Lässt man diesen einige Jahre ausfallen, ist man mit dem Schnitt selbst schnell überfragt. Welche Äste müssen raus? Schneidet man zu viel oder zu wenig? Kommen nächstes Jahr dann nur noch Wassertriebe? Genau hier bieten das Netzwerk und der Landschaftspflegeverband (LPV) Hilfe an und beauftragen Baumwarte, Gärtner und andere fachlich erfahrene Obstbaumschneider mit Erhaltungsschnitten in alten Beständen. Finanziell unterstützt wird dies durch die Regierung von Niederbayern mit Hilfe von Fördergeldern aus dem bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz.  

Geschnitten wird immer im Januar und Februar, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Man könnte die Schnitte auch noch bei Temperaturen von bis zu -5 Grad durchführen, ohne dass der Baum Schaden nehmen würde. Allerdings ist das für die Baumschneider doch auch gefährlich. Denn mit Schnee, Regen und Eis wird es schwierig im Baum. Viele finden sich nicht mehr, die die Kunst des Obstbaumschneidens noch beherrschen. Daher ist Julia Hagner vom LPV immer erfreut, wenn sich neue Baumschneider melden. Seit diesem Jahr ist auch Alfons Zollner neu mit dabei - frisch geprüfter Baumwart, Vorsitzender des OGV Bogen und für die Arbeit an den Bäumen hoch motiviert. Die Brücke zwischen Alfons Zollner und dem LPV hat Johann Niedernhuber, Gartenfachberater für Gartenkultur und Landespflege im Landkreis, geschlagen. „Denn gerade über die Obst- und Gartenbauvereine können sehr gute Aus- und Fortbildungen in diese Richtung mitgemacht werden,“ so Niedernhuber.  

Bei einer Stippvisite der Netzwerkpartner auf einer Streuobstwiese bei Perasdorf erklärte Alfons Zollner den Anwesenden die Herausforderungen beim Obstbaumschnitt, so dass Baum, Natur und Mensch aus seiner Arbeit profitieren. „Denn nicht nur dem Baum wird ein längeres Leben beschert, auch der Mensch gewinnt meist mehr vom leckeren und gesunden Obst aus Eigenanbau. Und da bei den Baumschnitten auch darauf geachtet wird, dass das Altholz mit seinen Höhlen und Ritzen erhalten bleibt, müssen auch die typischen Bewohner von Streuobstwiesen, wie Kleinspecht, Wildbiene und Gartenrotschwanz, nicht um ihren Unterschlupf fürchten. Gerade der ökologische Aspekt des Lebensraums Streuobstwiese spielt im Projekt eine wichtige Rolle.“  

Die anwesenden Bürgermeister, Wolfgang Zirngibl (Gemeinde Ascha), Rudi Seidenader (Gemeinde Neukirchen), Thomas Schuster (Gemeinde Perasdorf) und Anton Piermeier (Gemeinde St. Englmar) zeigten sich sehr interessiert und freuten sich über die große Teilnahme im ganzen Netzwerk-Gebiet. Bereits im Herbst wurden hier wieder 76 Obstbäume gepflanzt, wobei das Augenmerk natürlich darauf liegt, dass nur alte Obstsorten verwendet werden, die auch in unseren Naturraum beheimatet sind. So fördert man die Sortenvielfalt und den Wuchserfolg. Nun folgen die Schnitte zur Erhaltung der bereits bestehenden Streuobstbestände. Insgesamt werden zur Zeit 130 Bäume geschnitten. Der Bürgermeister der Gemeinde Perasdorf, Thomas Schuster, zeigte sich hoch erfreut, dass das Streuobstprojekt in seiner Kommune so großen Anklang findet. Schon im ersten Jahr nehmen 14 Perasdorfer die Unterstützung durch das Netzwerk Streuobst und den LPV in Anspruch, wobei Herr Zollner und Herr Mühlbauer, der Besitzer der besuchten Streuobstwiese, ergänzten, dass noch weit mehr geeignete Bäume im Gemeindegebiet zu finden wären.

Rudi Seidenader, Bürgermeister der Gemeinde Neukirchen und federführend im Netzwerk, freute sich, dass überall noch Potenzial zu finden sei. Das zeige, dass das Projekt am richtigen Punkt ansetzt. Überraschend sei da das Wachstum des Netzwerks von ursprünglich drei auf acht Kommunen nicht. „Kein Wunder!“, da sind sich die Anwesenden einig. „Schließlich profitieren hier Mensch und Natur!“ – von der Biene zum Singvogel, vom Spaziergänger zum Apfelkuchenliebhaber.  

Dies bekräftigt auch Wolfgang Zirngibl, der nicht nur als Bürgermeister der Gemeinde Ascha hinter dem Streuobstprojekt steht, sondern auch als Imker um den ökologischen Wert von Streuobstwiesen weiß. Ebenso sei die Bedeutung einer Streuobstwiese für das Landschaftsbild und die Erholungssuchenden nicht zu vergessen, ergänzt Anton Piermeier, Bürgermeister der Netzwerk-Gemeinde St. Englmar. „Denn diese Vielfalt an Leben ist auch für das Auge schön.“  

Gerade im Frühsommer, wenn die Obstbäume blühen und sich Vögel und Bienen auf den Streuobstwiesen zeigen, weiß man, wieso man sich gemeinsam für die Erhaltung der alten Obstbäume und für die Neupflanzungen einsetzt. Und wenn man im Herbst in einen frischen Apfel beißt oder sich über ein Glas des eigenen Apfelsaft freut, ist das die schönste Belohnung.  

Falls Sie sich für eine Förderung zur Neupflanzung oder zum Erhaltungsschnitt interessieren, gibt es die Möglichkeit, am Streuobstprojekt 2018/19 teilzunehmen. Interessenten innerhalb der Netzwerkgemeinden können sich bei Frau Roswitha Schanzer, MKS Ascha unter Tel. 09961/9421210 melden. Sollte Ihre Gemeinde nicht Teil des Netzwerks sein, steht Julia Hagner, LPV Straubing-Bogen unter Tel. 09421/973284 für Fragen zur Verfügung. Weitere Informationen unter www.lpv-straubing-bogen.de


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