24.01.2018, 08:24 Uhr

Leichenkunde – made in Germany Dr. Mark Benecke zu Gast in Straubing


Dr. Mark Benecke gibt am Wochenende in der Gäubodenstadt Einblick in seine schaurige Wissenschaft.

STRAUBING Der Herr der Maden, wie er oft genannt wird, tourt mit verschiedenen Vorträgen über Leichenkunde, Insekten auf Toten und Hitlers Schädel quer durch den deutschsprachigen Raum. Dr. Mark Benecke (47) ist der bekannteste Kriminalbiologe der Welt, liest gefühlt jede weltweit erscheinende wissenschaftliche Publikation und ist Vorsitzender der deutschen Dracula-Gesellschaft. Am kommenden Wochenende ist der Forensiker an zwei Tagen vor ausverkauftem Haus im Straubinger Markmillersaal zu erleben.

Benecke ist ein Mann, der von Zuschauern und Presse regelrecht gefeiert wird. „Als Kind wollte ich eigentlich Koch werden“, erinnert sich der gebürtige Rosenheimer. „Aber auch die Spurensuche hat mich fasziniert.“ Für das Mikroskop habe er versucht, Schneeflocken mit Lack einzufangen und Staubspuren mit Tesafilm „gesichert“ und untersucht. Chemie entwickelte sich zu seinem Lieblingsschulfach, später hat er Biologie studiert und ein Praktikum in der Rechtsmedizin gemacht. Diese Weichen wurden wohl schon im Kindesalter gestellt, als er einen Chemie-, Detektiv- und einen Physikkasten bekam: „Fand ich supergeil“, gibt der Vorsitzenden des „Komitees für kuriose wissenschaftliche Forschungen“ zu. Sein Vater habe ihm dann noch einen Klapptisch für Experimente ins Zimmer gestellt: „So konnte ich dort experimentieren, ohne den Fußboden mit Flecken und Löchern zu zerstören.“

Das Kinderzimmer hat der 47-Jährige lange hinter sich gelassen, Verbrechensschauplätze sind heute häufig sein Einsatzgebiet. Auf die Frage, was an einem Tatort das Wichtigste sei, meint Benecke: „Erst einmal nichts glauben, was ich sehe. Niemals darf man annehmen, was vermeintlich offensichtlich ist.“ Sein Job sei es auch nicht, die Todesursache zu ermitteln – dies sei Aufgabe der Rechtsmediziner. Seine Aufgabe sei es, Spuren zu analysieren, die auf Tatzeitpunkt und -hergang schließen lassen. „Was verraten Haut- und Faserreste? Oder welche Informationen liefern Eier, Larven und Puppen auf dem Leichenfund?“ Hier beginnt seine Arbeit – bei den Insekten. „Jede Art hat seine eigene Entwicklungszeit vom Ei bis zur Fliege. Aus dem Alter und der Art der vorgefundenen Maden kann ich errechnen, wie lange ein toter Körper dort schon gelegen haben muss.“ Die Leiche sei somit die „Totenuhr“, die Larven darin die Stunden- und Minutenzeiger.

Wer mit Tieren arbeitet, hat irgendwann auch seine Lieblinge. Beneckes Lieblings-Kriechtiere beispielsweise seien die Käsefliegenmaden: „Ich finde sie lustig. Weil sie springen können und sich vorher wie ein Croissant zusammenrollen.“ Außerdem ist er Pate einer Markusmücke im Berliner Naturkundemuseum. „Die ist schwarz und ich habe sie zum ersten Mal auf einem verfallenen Friedhof gesehen. Gefällt mir.“

Außerdem mag er alle Tiere – überflüssig sei nur der Mensch. „Sowohl von der Biomasse als auch von der Artenvielfalt her. Der Mensch ist ein kleiner, guter, freundlicher Witz der Evolution.“ Benecke sagt, er habe sich seine kindliche Neugier bewahrt. Dies sei sein Antrieb, immer weiter zu forschen und zu entdecken. Außerdem lösen Menschen gerne Rätsel. „Der eine macht Sudoku, der andere löst Kreuzworträtsel, ich mache gerne so etwas.“ Ein Problem, das es aber noch zu lösen gibt: Die Artenvielfalt der Insekten nimmt immer mehr ab und erschwert seine Arbeit. Doch auch hier zeigt sich Benecke realistisch: „Dadurch werden auch unsere ganzen Lebensnetze zusammenbrechen und wir werden nichts mehr zu essen haben. Allerdings: Ohne Menschen gibt es dann auch keine Verbrechen mehr.“

Das Mitglied der Partei „Die Partei“ hat übrigens tatsächlich auch eine Schmerzgrenze. Den Veganer ekeln vor allem „Leberwurst und überhaupt alle Sorten Hackfleisch, Würstchen & Co.“. Wer nun aber wissen möchte, auf welche Frage Dr. Mark Benecke sehnsüchtig warten würde, für den gibt er einen kleinen Tipp: „Auf gar keine. Ich freue mich einfach, wenn es spannend wird.“

Spannend wird es auf alle Fälle für die Zuschauer, wenn Dr. Mark Benecke am Wochenende in Straubing Einblick in seine Arbeit gibt. Karten gibt es leider keine mehr. Beide Termine waren sofort ausverkauft.


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