20.09.2011, 15:48 Uhr

Eine besondere Reise: Mit dem Lkw-Oldtimer um die ganze Welt

Mit einem alten Lkw um die ganze Welt – was nach jeder Menge Abenteuer klingt, hat zwei Familien auf ganz besondere Weise zusammengebracht. Unabhängig voneinander waren sie aus den Landkreisen Schwandorf und Amberg-Sulzbach aufgebrochen, um sich dann zufällig in der Mongolei zu treffen. Eine zeitlang gings gemeinsam weiter, bis sich die Wege wieder trennten. Doch die Welt ist klein, das hat sich wiedermal bewiesen. In Kanada feierten sie ihr Wiedersehen.

LANDKREIS SCHWANDORF/WELT Über 80 Jahre alt sind die beiden Mercedes-Lkws zusammen, die nun, lange nachdem sie aus ihrem behördlichen Dienst ausgeschieden sind, gemeinsam einmal um die Welt gereist sind. Wenige Jahre zuvor schien ihr Ende schon besiegelt. Die mobile Behausung von Sabine Hoppe und Thomas Rahn wartete vor deren großer Reise beim Vorbesitzer in einem Garten bei Berlin darauf zu verrosten, Familie Praschels feuerrotes Reisemobil sollte gar bei einer Feuerwehrübung in Brand gesteckt und zerschnitten werden. Beide Fahrzeuge wurden vor ihrem Schicksal gerettet und haben mit ihren jetzigen Besitzern zusammen mittlerweile über 80.000 Kilometer rund um den Globus zurückgelegt.

Als sich Familie Praschel, Sabine Hoppe und Thomas Rahn auf ihrer Asiendurchquerung vor gut einem Jahr in Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei, lebe Wohl und gute Weiterreise wünschten, ahnten sie noch nicht, dass sie sich ein Jahr später, immer noch auf Reisen, auf der anderen Seite der Erde wieder treffen würden. Sabine Hoppe und Thomas Rahn zogen mit ihrem zum Expeditionsmobil ausgebauten Oldtimer-Lkw im August 2010 von derMongolei aus weiter gen Osten auf ihrem Weg bis ans Ende des eurasischen Kontinents. Sie erreichten ihr Ziel in Singapur und wagten von dort den Sprung über den Pazifik, um Nordamerika zu entdecken. Familie Praschel setze ihren Weg aus Ulan Bator in die entgegengesetzte Richtung fort, erlebte den hereinbrechenden sibirischen Winter bei der Durchquerung Russlands und fuhr über die Türkei nach Europa zurück. Nach der Verschiffung ihres Lkws über den Atlantik an die Ostküste Kanadas und 7.000 Kilometern quer durch das zweitgrößte Land der Erde stehen die beiden Oldtimer nun wieder für einige Tage Seite an Seite. Auf dem berühmten Transcanada Highway Nr. 1 im Westen Kanadas trafen die Weltenbummler, zwölf Monate nachdem sie sich in entgegengesetzte Himmelsrichtungen verabschiedet hatten, wieder aufeinander.

Die Freude beim Wiedersehen ist groß, denn planen lässt sich ein Treffen bei einer Reise in dieser Dimension kaum. Mit Fahrzeugen, bei denen ein Streckenunterschied von wenigen hundert Kilometern mehrere Tagesetappen bedeutet, bei einer Fahrt durch mehrere Kontinente dieser Erde, bei einer Reiseplanung, die in Monaten, wenn nicht gar in Jahren gedacht ist, grenzt es tatsächlich an ein Wunder, wenn man sich in der Ferne wiederfindet. Man hat sich viel über das zwischenzeitlich Erlebte zu erzählen und ganz nebenbei wird gefeiert, dass die reiselustigen Oberpfälzer in ihren Lkws zusammen den Globus umrundet haben.

Die Liste der bereisten Länder ist lang

Tom und Heike Praschel starteten gemeinsam mit ihren beiden Töchtern Emma und Paula im März 2010 aus Stein im Landkreis Schwandorf in ihrem Mercedes Oldtimer-Lkw Baujahr 1965. Wenig zuvor, im November 2009, begannen Sabine Hoppe und Thomas Rahn ihre Reise in Amberg, ebenfalls mit einem über 30 Jahre alten Lkw. Auf ihrem Weg quer durch Asien trafen sich die Wege der Oberpfälzer erstmals am Rande der iranischen Sandwüste. Gemeinsam bewältigten sie einige Streckenabschnitte im Mittleren und Fernen Osten, in Kasachstan und Russland. Als sich die Wege beider Reisegruppen inmitten der endlosen Weite der Mongolei wieder trennten, lagen bereits viele Zehntausende Kilometer Asphalt, Sand, Geröll und Schlaglochpisten hinter ihnen, doch für alle stand fest: Die Reise muss weiter gehen. Doch die Wege der Reisenden konnten nicht unterschiedlicher sein.

Sabine Hoppe und Thomas Rahn fuhren weiter nach Osten, sie wollten das Ende des Kontinents entdecken. Auf ihrem weiteren Weg durchquerten sie China, reisten entlang des Mekong und erlebten die Hitze der Tropen in Südostasien, bis sie an der Chinesischen See zwischen Malaysia und Singapur am Ende des asiatischen Festlandes angelangt waren. Schließlich erreichten sie im Juli diesen Jahres Singapur, von wo aus ein Frachtschiff ihren ausgebauten Oldtimer über den Pazifik schließlich in die USA brachte. Familie Praschel machte sich von der Mongolei aus auf in die entgegengesetzte Richtung, nach Westen. Sie kämpften sich durch die eisige Kälte des hereinbrechenden sibirischen Winters viele tausend Kilometer durch Russland bis ans Schwarze Meer. Angenehmere Temperaturen brachte erst die Türkei. Im Frühsommer kehrte die Familie von dort aus für wenige Wochen nach Deutschland zurück, um sich für den weiteren Weg zu rüsten, der vor ihnen lag. Im Juni diesen Jahres brachte eine Fähre die mobile Behausung von Tom, Heike, Emma und Paula Praschel über den Atlantik an die Ostküste Kanadas. Auf den Traumstraßen des legendären Transcanada-Highways durchquerten sie das zweitgrößte Land dieser Erde.

Ein Jahr nachdem sich die beiden Reisegruppen getrennt hatten und ihre Wege in entgegengesetzte Richtungen führten, trafen sie nun wieder aufeinander. Die atemberaubende Landschaft in den Rocky Mountains bildete die Kulisse für das Wiedersehen. Und natürlich ist auch hier noch nicht das Ende der Reise erreicht. Gemeinsam haben sie ein Ziel, entlang der Westküste der USA, entlang der Panamericana bis nach Mexiko und weiter in den Süden. Etliche Länder gibt es in Mittelamerika zu entdecken, neue Sprachen zu erlernen und fremde Kulturen kennenzulernen. Wer weiß an welchem Ende der Welt sich die Weltenbummler in ihren Oldtimern ein weiteres Mal treffen werden.

Mehr zu den Hintergründen der beiden Reisegruppen - und auch zu ihren Zukunftsplänen lesen Sie hier.


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