20.10.2017, 00:31 Uhr

Starke Abwehr Klinikexperten geben Tipps zur optimalen Ernährung bei einer Krebserkrankung

Foto: Richter/KlinikumFoto: Richter/Klinikum

Appetitlosigkeit, ein veränderter Geschmackssinn und Übelkeit sind nur einige Begleiterscheinungen, die mit einer Krebstherapie einhergehen können.

AMBERG Die Folge: ein geschwächtes Immunsystem und zunehmender Gewichtsverlust. Mit der optimalen Ernährung können Betroffene jedoch aktiv gegensteuern. Wie das geht, verrieten jetzt die Ernährungsexperten des Klinikums St. Marien Amberg, Elisabeth Gaulard-Hirth und Peter Fischer, beim dritten Vortrag der neuen Reihe "Integrative Onkologie".

Optimale Nährstoffzufuhr

"Im Kampf gegen Krebs spielen viele Faktoren eine Rolle. Einen wichtigen Baustein nimmt auch die Ernährung ein. Sie kann beispielsweise helfen, körperlichen Mangelerscheinungen vorzubeugen und die Nebenwirkungen einer Chemo- oder Strahlentherapie gezielt zu lindern", erklärt Diätassistentin Elisabeth Gaulard-Hirth. Von so genannten Krebsdiäten, die den Eindruck erwecken, Krebs verhindern oder gar kurieren zu können, hält die Fachberaterin für ganzheitliche Gesundheit und Ernährung wenig: "Nahrung alleine kann nicht heilen. Und auch das Wort 'Diät‘ suggeriert, dass Sie auf Etwas verzichten müssen. Aber darum geht es uns nicht. Wir möchten Ihnen bei unseren Vorträgen und Workshops im Rahmen der 'Integrativen Onkologie‘ Anregungen und Impulse für eine dauerhafte Ernährungsumstellung geben. Der Spaß am Essen und der gute Geschmack stehen dabei im Mittelpunkt." Ziel der Kochkurse und Fachvorträge ist es, den Patienten zu zeigen, wie sie mit der optimalen Ernährung die Selbstheilungskräfte des Körpers stärken können, um ihn so bestmöglich im Kampf gegen Krebs zu unterstützen.

Ein gesunder Darm spielt dabei eine wesentliche Rolle – denn er trägt maßgeblich zur Stärkung des Immunsystems bei. Damit das Immunsystem gut funktioniert, rät die Expertin bei der Zusammenstellung der Lebensmittel auf eine hohe Qualität der Produkte zu achten: "Hochwertige Fette, wie wir sie in Öl-Saaten, Nüssen oder kaltgepressten Rohkost-Ölen finden sind ein wichtiger Baustein für eine gesunde und ausgewogene Ernährung – und anstelle von Zucker liefern Obst, Gemüse und hochwertige Getreideprodukte neben lebenswichtigen Kohlenhydraten auch gleich Mineralien und Spurenelemente wie Magnesium, Zink und Vitamin B mit, die unser Körper zum Verstoffwechseln des Zuckers benötigt. Zudem tragen die darin enthaltenen Ballaststoffe maßgeblich zur Gesunderhaltung des Darms bei. Als Alternative zu Fleisch und Eiern eignen sich pflanzliche Lebensmittel wie beispielsweise Hülsenfrüchte, Getreide und Nüsse hervorragend als Eiweißquelle." Und durch die richtige Kombination von Lebensmitteln – wie Zitrusfrüchte, rote Trauben und Weizenkeimöl, gemixt zu einem Smoothie – erhält man ein "wahres Bollwerk" an antioxidativer Wirkung, um so genannte freie Radikale zu eliminieren. Freie Radikale sind dafür bekannt, Zellen anzugreifen und zu entarten. Neben industriell verarbeitetem Zucker empfiehlt die Fachberaterin für ganzheitliche Gesundheit und Ernährung auch dazu, Kuhmilch sparsam zu verwenden, da sie reich an Östrogenen ist und bei hormonbedingten Krebsarten das Wachstum entarteter Zellen fördern kann. Stattdessen rät sie zu pflanzlichen Alternativen wie Cashew- oder Mandelmilch.

Experimentieren erwünscht

Wie sich die ganz einfach selbst herstellen lassen, zeigte der Leiter der Klinik-Gastronomie, Peter Fischer, direkt im anschließenden praktischen Teil der Veranstaltung. Dafür hatte er die neue mobile Küchenzeile mitgebracht, die künftig auch bei den Kochkursen und Workshops für Krebspatienten flexibel eingesetzt werden kann: Als Hauptzutaten für die Pflanzenmilch verwendete der Gastronom Nüsse und Leitungswasser. Der Tipp des Experten: Mandeln schon tags zuvor in Wasser einweichen. So werde der Keimprozess in Gang gesetzt. Die Nüsse anschließend mit der Flüssigkeit mixen, bis eine homogene Flüssigkeit entsteht. Geschmacklich könne die Milchalternative ganz individuell angepasst werden: „Ich gebe gerne ein wenig Steinsalz hinzu, aber wer es süßer mag kann die Pflanzenmilch auch mit entkernten Datteln, Kokosblütenzucker oder Reissirup süßen oder mal etwas Zimt und Vanille hinzugeben“, so Fischer. Für seine Besucher mixte er zur Probeverkostung dann eine Kurkuma-Latte, die zugleich entzündungshemmend wirkt. Da die Lust am Experimentieren geweckt werden sollte, zeigte er an dem Abend auch außergewöhnliche Geschmacksvarianten wie Grünkohl-Smoothie.

Der Vorteil der Mixgetränke: "Mithilfe der Aufbaudrinks und Fruchtsäfte können wir unseren Körper ganz schnell mit vielen wichtigen Vitaminen und Kalorien versorgen", erklärt Peter Fischer. Zudem haben sich die Getränke besonders bei Patienten mit Mangelernährung bewährt: Als Zwischenmahlzeit in den Alltag eingebaut, sind sie meist besser bekömmlich als feste Nahrung und versorgen den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen. Am besten sollten sie vormittags getrunken oder gelöffelt werden, da es an die 20 Minuten dauert, bis sie vollständig verdaut sind.

Reihe "Integrative Onkologie"

Beim kommenden Vortrag der Reihe "Integrative Onkologie" erfahren Interessierte von Dr. Stefan Hager mehr über die "Traditionelle Chinesische Medizin". Der Ärztliche Direktor der TCM Klinik Bad Kötzting ist am Mittwoch, 15. November, im Klinikum St. Marien Amberg zu Gast. Sein Vortrag beginnt um 18 Uhr im Speisesaal. Der Eintritt ist kostenlos.


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