25.07.2017, 18:28 Uhr

Projekt Was haben Handys mit dem Bürgerkrieg im Ostkongo zu tun?

Foto: JAS-Gymnasium Nabburg (Foto:Schmid)Foto: JAS-Gymnasium Nabburg (Foto:Schmid)

Am Donnerstag, 20. Juli, besuchte die Bildungsreferentin Sabine Domscheit das Johann-Andreas-Schmeller Gymnasium in Nabburg, um Schülerinnen und Schüler einer 8. Klasse mit ihrem Handy-Projekt für die Problematik der Herstellung und des Recycelns von Elektronikartikeln zu sensibilisieren.

NABBURG Nach einer anfänglichen Diskussionsrunde, in der die Jugendlichen ihren Handykonsum reflektierten, zeigte die Referentin Filmausschnitte über den menschenunwürdigen Abbau von Coltan in der Region Kiwu im Ostkongo bzw. über die größte Elektroschrottkippe der Welt in Ghana.

Anschließend wurden in Kleingruppen die sechs aufgebauten Stationen bearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren dabei, dass ein Mobiltelefon aus bis zu 60 Rohstoffen besteht, wobei der größte Teil davon Metalle wie Kupfer, Silicium, Aluminium, Kobalt, Eisen und Zinn, aber auch Silber, Gold, Platin und das Seltene-Erden-Metall Tantal sind. Der Abbau und Handel von Coltan, einem Erz, aus dem Tantal gewonnen wird, wird beispielsweise mit der Finanzierung des Kriegs im Osten der Demokratischen Republik Kongo in Verbindung gebracht. Tantal wird für die Kondensatoren in Mobiltelefonen, Digitalkameras, Spielekonsolen, Laptops und Flachbildschirmen verwendet. Ein Drittel der Tantal-Weltproduktion stammt aus dem Kongo und eine Alternative zu diesem Metall gibt es nicht, da es doppelt so dicht, haltbar und biegsam ist wie Stahl ist und eine sehr hohe Schmelztemperatur von knapp 3.000 Grad aufweist. Vom dringend für die Lithium-Ionen-Akkus benötigten Kobalt kommt in etwa die Hälfte der Weltproduktion ebenfalls aus dem Kongo. Auch Kassiterit, ein Zinnoxid, das zur Gewinnung von Zinn dient, ist ein wirtschaftlich bedeutsames Erz, das sich in diesem Konfliktgebiet befindet.

Kinder und Jugendliche in Afrika schürfen zum Teil mit bloßen Händen nach den wichtigen Rohstoffen für die Smartphone-Herstellung. Dabei graben die „Minenarbeiter“ mit primitiven Werkzeugen bis zu 50 Meter tiefe ungesicherte und damit gefährliche Stollen in unerträglicher Hitze und Dunkelheit. Dabei werden sie von den dort herrschenden Rebellengruppen regelrecht ausgebeutet.

Die Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" wirft deshalb allen großen Smartphone- und Elektronikherstellern vor, dass ihre Produkte mit Hilfe von Kinderarbeit und Ausbeutung hergestellt werden. Trotzdem sei es laut Domscheit schwer, ein Handy zu bauen, in dem keine "Konfliktmetalle" verbaut seien – dies zeige das niederländische Projekt Fairphone. Laut Fairphone-Mitgründer Ballester wird es kein hundertprozentig "faires" Handy geben. Der Ansatz kann also nur lauten: So fair und transparent wie nur möglich!

Das, was der Verbraucher, allen voran jeder einzelne Jugendliche, angesichts dieser Problematik beitragen kann, ist, das Handy so lange wie möglich zu nutzen. Die durchschnittliche Nutzungsdauer beträgt nur 1,5 Jahre! Zum Abschluss der aufrüttelnden Veranstaltung lautete der allgemeine Tenor unter den eingefleischten Handybenutzern: Nach dem Defekt sollte der "Schrott" bei Sammelstellen abgegeben werden, wo garantiert wird, dass der Elektronikartikel zu 100 Prozent in Europa umweltgerecht recycelt wird.


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