01.10.2014, 14:52 Uhr

Politik Change kann warten: Doch kein frischer Wind in Regensburgs Rathaus

Karl Eckert wird neuer Personalreferent der Stadt Regensburg. Foto: Stadt RegensburgKarl Eckert wird neuer Personalreferent der Stadt Regensburg. Foto: Stadt Regensburg

Spürbarer Aufbruch: Das war die Stimmung, als Joachim Wolbergs zum neuen Oberbürgermeister gewählt wurde. Doch der Obama-Effekt hohlt ihn ein: Um die Verwaltung zu befrieden, werden zwei altgediente Herren zum Referenten befördert. Externe, starke Kandidaten werden ausgeblendet.

REGENSBURG Die Szenen waren schon fast gespenstisch: Obwohl er in einer frühen Runde des Bewerbungsverfahrens ausgeschieden war, stieg einer der höchstdotierten Beamten der Stadtverwaltung trotzdem in den Ring. Maximilian Mittermaier, einst von Hans Schaidinger zum mächtigsten Mann der Stadtverwaltung gekürt, hielt die Bewerbungsrede seines Lebens. „Er war ein wenig wie Cicero auf dem Forum Romanum“, schildert ein Zeuge der nichtöffentlichen Stadtratssitzung, wo man sich zwei neue Referenten (Bildung, Personal) und die Verlängerung des Rechtsreferenten gönnte. „Er kämpfte wie ein Löwe, gestikulierte so, dass wir schon vermutet haben, dass er sogar Schauspielunterricht genommen hat“, so ein Teilnehmer der Sitzung. „Und vor allem interessant: Er räumte ein, dass die Einrichtung der Kopf-Abteilung Steuerung und Koordination ein Fehler war – allerdings wäre es nicht seiner, sondern Hans Schaidingers Fehler gewesen!“

Am Ende nutzte ihm die hervorragende Rede nichts: Gewählt wurde vom Stadtrat mit Karl Eckert ein Mann, der als Stadtkämmerer Regensburg zwar aus dem „FF“ kennt, andererseits aber für vieles steht – nur nicht für den Aufbruch. Eckert wird das Personal- und Verwaltungsreferat übernehmen – eine Position mit wenig Außenwirkung, dafür mit sehr viel Einfluss nach innen. Die Rede Eckerts muss im Vergleich zu Mittermaiers geradezu schwach gewesen sein – „er stellte sich vor mit den Worten, er habe Familie, eine liebe Frau und Kinder!“

Ähnliches schildern uns Teilnehmer der Sitzung über die zweite Personalie, dem Bildungsreferenten. Eine dem Wochenblatt namentlich bekannte Kandidatin hatte hervorragende Karten: Sie ist bereits Referentin einer Millionenstadt, stellte sich derart hervorragend vor, dass es Applaus von der Opposition gab – und sogar SPD-Fraktionschef Norbert Hartl soll bereits gesichtet worden sein, wie er applaudierte. Doch es half alles nichts – entgegen der Bekundung der SPD und der Regenbogen-Koalition, Frauen in Führungspositionen zu hieven, wählte man mit Dr. Herrmann Hage einen Mann, der zwar mit VHS und Stadtbücherei unzweifelhaft eine hervorragende Arbeit geleistet hat – allein: Ein Aufbruch sieht anders aus.

„Joachim Wolbergs hat eine historische Chance vertan, einen neuen Wind in das Rathaus zu bringen“, sagt ein hochgestellter Mitarbeiter der Stadt Regensburg zum Wochenblatt. „Er sammelt Mittelmaß um sich.“ Zwar sei es anders als unter Schaidinger, der keine besseren Leute um sich ertrug, weil er der Beste sein musste – „ich glaube, es fällt ihm gar nicht auf“, heißt es.

Signal: Wolbergs will nicht gegen Verwaltung Auch die Personalie um die Nachfolge von Stadtwerke-Chef Bernd-Reinhard Hetzenecker ist noch heikel. Man hatte bereits einen Kandidaten, doch der Headhunter hatte maßgebliche Informationen nicht geliefert – eine Hausdurchsuchung in einer privaten Firma des designierten Hetzenecker-Nachfolgers beispielsweise. Hetzenecker soll das auf einer Tagung vernommen haben, als ihn Kollegen drauf ansprachen. Fallen ließ Wolbergs den designierten Stadtwerke-Chef allerdings erst, als die Regensburger Betriebsratsvorsitzende mit dem Betriebsratschef im Osten telefonierte. Da war klar: Die Berufung würde Krieg mit der Belegschaft bedeuten.

Bis heute gibt es für die Personalie keine Lösung. Das Verfahren läuft gerade erst wieder an. Doch warum sorgt Wolbergs nicht für frischen Wind? Und vor allem: Warum macht die Koalition da mit?

Ein Insider sagt: „Die sind so stolz drauf, dass sie regieren können, wurden jahrelang von Schaidinger so drangsaliert – Geschlossenheit ist da wichtiger als Aufbruch.“ Ein Ziel hat Wolbergs damit, Eckert und Hage zu unterstützen, auf jeden Fall erreicht: Er hat eine Lösung, die in sechs Jahren sicher ausläuft. Und: Die Verwaltung, in Regensburg aufgebläht wie in kaum einer anderen bayerischen Großstadt, ist ein extrem schwierig zu bändigendes System. Wolbergs signalisierte: Ich will mit und nicht gegen euch. „Change“ kann warten.


0 Kommentare