14.07.2014, 09:23 Uhr

Ein Ex-Richter richtet über eine Richterin

Der Regensburger Jurist und Künstler Benno Hurt Foto: ceDer Regensburger Jurist und Künstler Benno Hurt Foto: ce

Der neue Roman des Juristen, Fotografen und Schriftstellers Benno Hurt im „dtv“ könnte den Buchpreis gewinnen. Er erscheint in wenigen Wochen – schon jetzt ist der Verlag stolz auf das neue Werk des Regensburgers.

REGENSBURG Benno Hurt ist nicht „nur“ Jurist, nicht „nur“ Fotograf, nicht „nur“ Schriftsteller. Benno Hurt ist ein Mensch mit so vielen Facetten, so vielen verschiedenen Seiten und Nuancen, dass man ihn schwer fassen kann. Sicher aber ist, dass der frühere Richter und begnadete Schriftsteller einen Blick für Menschen einerseits, für das System Justiz aber auch andererseits hat. Immer wieder haben seine Bücher (zunächst natürlich „Der Samt der Robe“) die Herren im Richtertalar verschreckt.

Das neue Buch des Regensburgers indes könnte sogar Verständnis wecken für die Leiden und Zwänge, die so mancher, der über andere urteilen muss, plagen. Es wird in seinem angestammten Verlag, „dtv“, erscheinen und ist eines der wenigen im Hardcover verlegten Literaturstücke des Verlagsprogramms heuer. Ja, der dtv ist von seinem Schriftsteller Hurt so eingenommen und geradezu begeistert, so dass das Buch, etwa einen Monat vor Erscheinen, von dtv für den „Deutschen Buchpreis“ vorgeschlagen wurde. Eine Auszeichnung, die im nicht gerade an renommierten Literaten armen Verlag nicht jedem widerfährt. Hurt indes nimmt diese Ehrung durch den vertrauten Verlag mit gewohnt gelassener Heiterkeit. Doch wer den Juristen als Lebemenschen identifizieren würde, nur weil er sicherlich einer der weichzüngigsten Weinkenner in und um Regensburg ist, der täuscht sich in ihm.

Hurt ist ein scharfer Beobachter der Anderen Denn Hurt ist ein scharfer Beobachter. Hinter den hellblauen, stechenden Augen verbirgt sich ein Geist, der die Menschen zergliedert und sie in ihrem Kontext betrachtet. Seine Figuren sind eingebettet in Lebensfäden anderer, in Netze von Gesellschaftssystemen und manchmal auch geknebelt von den eigenen Sehnsüchten. Das Spiegelbild des Schriftstellers Hurt ist manchmal eisig, oft distanziert, doch es erregt auch Mitleid – immer dann, wenn man begreift, dass die Figur im Roman gefangen ist in den eigenen Verwirrungen. Wie einst als Richter, so webt Hurt die Ereignisse nach. Waren es einst Tatabläufe, so sind es heute Ereignisse, die nie passiert sind, aber durchaus geschehen sein könnten. Er führt den Leser durch das Leben der anderen.

Im neuen Buch von Benno Hurt ist es Judith S., eine Richterin – das Buch hat auch den Titel „Die Richterin“, der Hurt folgt. Er macht den Leser zum Voyeur und zum Augenzeugen eines Lebens, das gesellschaftlich hoch geachtet ist. Doch die Protagonistin ist einsam, sie ist ohne die natürlichste Verbindung zweier Menschen, nämlich einem gesunden Sexualleben. Sie ist die Unberührbare, zu der sie die Karriere, letztlich das System und die kalte Justiz macht. Es ist kalt in der Welt von Judith S., deshalb ist es ihre Arbeit, sind es ihre Fälle, die sie faszinieren.

Zusammen mit dem Leser dringt Hurt in dieses Leben ein. Doch mehr: Er zergliedert die Justiz, dieses blinde Weibsbild.


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