07.05.2014, 14:48 Uhr

Kommentar Mächtig Wirbel um den Mollath-Prozess: Wozu bitte einen Sicherheitsbereich?

Foto: Ursula HildebrandFoto: Ursula Hildebrand

Vor Gericht, da geht es manchmal seltsam zu, als Journalist erlebt man da die tollsten Dinge.

REGENSBURG Da muss sich ein Gericht von einem mutmaßlichen Brandstifter vorführen lassen, weil der behauptet, keine Ladung bekommen zu haben. Die Folge: Der Prozess muss ausgesetzt werden, es kann erst in zwei Wochen weitergehen. Manchmal passieren auch schlimme Dinge vor Gericht, weil zum Beispiel ein Angeklagter eine Waffe mit ins Gebäude schmuggeln konnte. Hier sind bereits Menschen gestorben. Man ist also vorsichtig, man kontrolliert, was man kann, nicht ganz falsch, würde ich meinen.

Was aber nun im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Gustl Mollath so an Vorsichtsmaßnahmen vorgesehen ist, das ist dann doch etwas übertrieben. Journalisten können zwar einfach so vorbeikommen, wenn sie aber einen sicheren Platz haben wollen, müssen sie sich um einen der 40 vorhandenen Plätze bewerben – und hoffen, dass sie schreiben dürfen. Fotografieren dürfen nur ganz wenige. Und: Es gibt einen Sicherheitsbereich, "den Anweisungen des dort und im Sitzungssaal anwesenden Sicherheitspersonals ist Folge zu leisten", heißt es in einem Schreiben des Landgerichtes an die Medien.

Gegen wen wird hier eigentlich verhandelt? Man kommt sich vor wie bei einem Prozess gegen einen Massenmörder oder Terroristen. Von welcher Gefährdungslage während des Prozesses, der übrigens zunächst auf 17 Verhandlungstage angesetzt ist, gehen die Justizbehörden eigentlich aus? Ein solcher Aufwand für ein Verfahren, bei dem am Ende letztlich wohl ein Freispruch stehen wird? In welchem Verhältnis stehen hier Anklage, die Person des Angeklagten und die angedachten Sicherheitsmaßnahmen?

Je mehr Aufhebens die Justiz um diesen Fall macht, umso mehr Aufmerksamkeit wird sie erzielen. Aufmerksamkeit aber sollte man mit positiven Dingen schaffen, nicht mit Bereichen, in denen man kläglich versagt hat. Diese Justizposse, die eh schon viel zu viele Schlagzeilen gemacht hat, wird in die unrühmliche Geschichte – nicht nur der Regensburger – Justiz eingehen. Und sie ist nun um ein weiteres Kapitel reicher.

Und was dieser ganze Aufwand letztendlich kostet, das will ich besser gar nicht wissen. Billig wird das sicher nicht!


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