02.04.2014, 16:33 Uhr

Stichwahlen Glückwunsch! Es ist eine Landrätin! – und jetzt müssen Mehrheiten gefunden werden

Foto: Michael HopperFoto: Michael Hopper

Freude bei den Freien Wählern, Drama bei der CSU – der Wahlabend am Sonntag, 30. März, zeigte dem Beobachter die beiden Extreme von Wahlsieg und Niederlage.

LANDKREIS REGENSBURG In der eigenen Ecke die strahlende Siegerin Tanja Schweiger, sie hatte sich mit 60,88 Prozent deutlich den Landratsposten gesichert, 49.828 Wählerinnen und Wähler schenkten ihr das Vertrauen. 32.016 Wählerinnen und Wähler machten ihr Kreuz bei Peter Aumer, was am Ende 39,12 Prozent der Stimmen ausmachte. Schweiger gelang es, 39 der 41 Kommunen für sich zu gewinnen. Nur in Holzheim am Forst siegte Aumer knapp mit 50,40 Prozent. In seinem Heimatort Regenstauf brachte es Aumer auf 64,55 Prozent. Alle anderen Kommunen gingen an Schweiger.

Schon als Tanja Schweiger das Landratsamt betrat, brandete Jubel auf, das erste Zwischenergebnis hatte bereits eine deutliche Sprache gesprochen. Da winkte Schweiger noch ab – noch sei nichts entschieden. Doch mit jeder Kommune, die ihr Ergebnis ans Landratsamt übermittelte, entspannte sich ihre Miene. Die von Peter Aumer hingegen wurde immer finsterer. Man konnte ihm ansehen, dass ihm diese Niederlage nahe geht. Doch er blieb fair, bewahrte die Ruhe, gratulierte schließlich der Wahlsiegerin – und verschwand mit seinen Anhängern aus dem Landratsamt. So sehr er versucht hatte, sich die Enttäuschung so wenig wie möglich anmerken zu lassen – länger wollte er sich diese Schmach wohl nicht antun. "Das Ergebnis ist deutlich", sagte Aumer in einem kurzen Wochenblatt-Gespräch. Er sei sehr enttäuscht über den Ausgang der Wahl.

Derweil ließ sich Schweiger feiern, herzte ihren Lebensgefährten Hubert Aiwanger und nahm eine Reihe von Gratulationen entgegen. Auch der amtierende Landrat Herbert Mirbeth kam und gratulierte seiner Nachfolgerin.

Für Tanja Schweiger beginnt nun der Arbeitsalltag. In München muss sie ihre Arbeit abschließen. Ihren Platz wird künftig Joachim Hanisch aus Bruck einnehmen, er rückt für sie in den Landtag nach. Hanisch war bis Herbst 2013 bereits Abgeordneter gewesen und dann nicht mehr wiedergewählt worden. Am Dienstag, 1. April, zeigte sich Tanja Schweiger "froh", dass der Wahlkampf nun endlich vorbei ist. Gerade die letzten beiden Wochen bis zur Stichwahl seien nochmal sehr anstrengend gewesen, so Schweiger. Sie selbst habe die landkreisweite Koordination des Wahlkampfes selber geleitet, viel Unterstützung habe sich in den Ortsverbänden gefunden. Auch erste Gespräche mit möglichen Kooperations- oder Koalitionspartnern hat Schweiger bereits geführt – noch informell, am Rande von Sitzungen. Bis zum Ende der Woche will sie hier mit den im Kreistag vertretenen Gruppierungen gesprochen haben. Es gehe nun darum, Termine zu vereinbaren, um dann am 1. Mai mit einem guten Ergebnis in die neue Wahlperiode starten zu können.

Verlässliche Mehrheiten sind nötig

Nun wird es darum gehen, verlässliche Mehrheiten zu finden. Und das könnte nicht ganz einfach werden. Die CSU hat 30 der 70 Kreistagssitze, die Freien Wähler 18. Auf die SPD entfallen zehn, auf die Grünen fünf Sitze. Vier Sitze gehen an die ÖDP/PU, zwei Sitze an die FDP und ein Sitz an die Republikaner.

Schweiger braucht 36 Stimmen für eine Mehrheit, diese hat sie gemeinsam mit der CSU (48) oder aber zusammen mit SPD, Grünen und ÖDP/PU (37). Schweiger will mit allen sprechen, das hat sie auch am Wahlabend gegenüber Peter Aumer angekündigt. Der sicherste Weg wäre wohl eine Kooperation zwischen Freien Wählern und CSU. Denkbar wäre aber auch, dass Schweiger auch auf die SPD setzt. Gemeinsam mit CSU und SPD könnte sie eine große Mehrheit (48 Stimmen) für sich gewinnen.

Die Frage der Kooperation wird sich auch auf die Besetzung ihrer Stellvertreterposten auswirken. Herbert Mirbeth hatte zwei CSU- und einen SPD-Stellvertreter. Schweiger könnte hier auf einen bunten Mix setzen und je einen Stellvertreter von Freien Wählern, CSU und SPD vorschlagen. Das würde diese Fraktionen an sie binden, die Mehrheiten wären – auch wenn gelegentlich einzelne Kreisräte bei Abstimmungen ausscheren – gesichert.


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