22.01.2014, 16:37 Uhr

Graf Lerchenfeld zu Besuch im IT-Speicher "Security made in Germany" soll zum Exportschlager werden

Foto: Bayerisches IT-Sicherheitscluster e. V.Foto: Bayerisches IT-Sicherheitscluster e. V.

Cloud Computing, Datenschutzrecht, das von der Bundesregierung geplante IT-Sicherheitsgesetz und die wirksame Förderung von IT-Startups – diese Themen standen im Fokus eines Fachgesprächs zum Thema IT-Sicherheit, zu dem sich der Regensburger Bundestagsabgeordnete Philipp Graf von und zu Lerchenfeld am 20. Januar mit Vertretern des Bayerischen IT-Sicherheitscluster e. V. im IT-Speicher getroffen hatte.

REGENSBURG "Wir haben in Europa den Kardinalfehler begangen, uns zu viel von unserer IT-Kompetenz abnehmen zu lassen", erklärte Lerchenfeld in seinem Eingangsstatement. Es gäbe so gut wie kein europäisches Unternehmen mehr, das im IT-Bereich noch eine große Rolle spiele. "Diesem Versäumnis von Jahrzehnten können wir nur mit einer Initiative auf europäischer Ebene entgegen wirken." Ein Impulsgeber sei der Bayerische IT-Sicherheitscluster e. V., der sich für die IT-Sicherheit von Unternehmen einsetze, betonte Lerchenfeld. IT-Speicher-Geschäftsführer Alexander Rupprecht hob in seinem Grußwort den Wert eines direkten Austauschs zwischen Unternehmen und den politischen Akteuren und Entscheidungsträgern hervor. 

Politische Rahmenbedingungen für Cloud Computing verbessern

Die Geschäftsführer der Timing-Architects Embedded Systems GmbH, der BSP. SECURITY GmbH, der KCT Kommunikation & Computer GmbH & Co.KG, der ibi systems GmbH sowie von der Schindler & Schill GmbH stellten Lerchenfeld anhand ihrer Geschäftsmodelle ihre Hauptproblematiken dar und formulierten Anliegen an die Politik. Eine zentrale Forderung war, die politischen Rahmenbedingungen für die Anbieter von "Cloud Computing" zu verbessern. So beklagte beispielsweise Dr. Martin Hobelsberger von der Timing-Architects Embedded Systems GmbH, dass aufgrund rechtlicher Unsicherheiten der nächste Wachstumsschritt seines Unternehmens, der in der Auslagerung der Daten in die Cloud bestehe, behindert werde. Dieser Aussage pflichtete auch Günther Schindler von der Schindler & Schill GmbH bei, der in seinem Unternehmen die geplante Einrichtung eines Cloud-Bezahlservices für Softwarekunden ebenfalls auf Eis gelegt habe. "Vor allem wissen wir nicht, was wir online stellen dürfen, ohne eine Abmahnung zu kassieren", monierte Schindler. 

Bewusstsein für IT-Sicherheit schaffen

"Es ist eine wichtige politische Aufgabe, in den Unternehmen Bewusstsein für die Belange der IT-Sicherheit zu schaffen und damit die Investitionsbereitschaft der KMU in diesem Bereich zu erhöhen", sagte Dr. Stefan Kronschnabl, Geschäftsführer der ibi systems GmbH, einer Ausgründung der Universität Regensburg mit dem Ziel, das Risikomanagement von Unternehmen durch eine softwarebasierte Systemüberprüfung und der Ermittlung von Verbesserungspotentialen zu unterstützen. Sandra Wiesbeck, Managerin des Bayerischen IT-Sicherheitscluster e. V., ergänzte, dass der Cluster hier ebenfalls Handlungsbedarf sehe und deshalb gemeinsam mit verschiedenen bayerischen Industrie- und Handelskammern eine Informations- und Sensibilisierungskampagne in Bayern ins Leben gerufen habe. 

Chancen des Cloud-Standorts Deutschland nutzen

Christian Paulus von der KCT Kommunikation & Computer GmbH & Co. KG richtete den Blick auf die Chancen des Cloud Computings in Deutschland. Aufgrund der im Vergleich zu anderen Ländern strengen deutschen Datenschutzbestimmungen sei Deutschland als Cloud-Standort bei ausländischen Kunden außerordentlich attraktiv, erklärte er. Von der Politik fordert Paulus mehr Transparenz in der Gesetzgebung und politischen Fokus auf das Thema "Cloud Standort Deutschland". "Es bestehen riesige Vermarktungschancen", ist Paulus überzeugt. Skeptischer blickte Michael Gruber, Datenschutzbeauftragter und Geschäftsführer der BSP. SECURITY GmbH, auf die Datenschutzproblematik. Unter anderem prangerte er an, dass die EU-Datenschutzgrundverordnung, die für eine Homogenisierung der Regeln für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten gesorgt hätte, noch einmal um zwei Jahre nach hinten verschoben worden sei. 

Seed-Finanzierung für Startups verbessern

Eine Verbesserung der Startbedingungen für High-Tech-Unternehmen, vor allem in finanzieller Hinsicht, forderte Christoph Michl, Projektleiter IT-Gründungsförderung im IT-Speicher. Die im Koalitionsvertrag formulierte Absichtserklärung, die Anzahl an technologischen Gründungen zu erhöhen, greife zu kurz. "Es sollte weniger um die Quantität als um die Qualität gehen. Um Letztere zu verbessern, brauchen wir eine bessere Seed-Finanzierung", so Michl. Konkret regte er an, den halbstaatlichen High-Tech-Gründerfonds grundlegend zu überarbeiten. Dieser sei zu statisch und von seinem Volumen her nicht auf die im Hochtechnologie-Bereich oft sehr kapitalintensiven Gründungen ausgelegt. 

Deutschland braucht Business Angels-Kultur 

Um dem Monopol des High-Tech-Gründerfonds entgegen zu wirken, schlug Michl vor, die Möglichkeiten des Businessangeltums in Deutschland weiter zu stärken. Einen begrüßenswerten und erfolgreichen Ansatz verfolge dabei die Bayern Kapital GmbH, ein Unternehmen mit dem Ziel, junge, technologieorientierte Unternehmen mit Beteiligungskapital zu fördern. Bayern Kapital habe eine Möglichkeit für Business Angels geschaffen, die darin bestehe, bei einem 30-Prozent-Finanzierungsanteil durch den Business Angel bis zu 70 Prozent des gesamten gemeinsamen Finanzierungsbetrags zu übernehmen. 

Regelmäßiger Austausch geplant 

In Bezug auf das von der Bundesregierung geplanten IT-Sicherheitsgesetz forderten die Vertreter des Clusters die Aufnahme geeigneter Maßnahmen für mehr Transparenz im Umgang mit Daten. Eine Verbesserung von Transparenz und Sicherheitsstandards könne die Grundlage für eine Vermarktungsstrategie bilden, die in ein weltweit bekanntes Vermarktungslabel „Security made in Germany“ münden könne, ergänzte Sandra Wiesbeck. 

Philipp Graf von und zu Lerchenfeld versprach, die Informationen und Anliegen der IT-Unternehmen in die Berliner Politik zu transportieren, Kontakte zu Fachverantwortlichen in den Ministerien herzustellen und sich für eine Überarbeitung des High-Tech-Gründerfonds stark zu machen. IT-Speicher-Geschäftsführer Alexander Rupprecht und Clustermanagerin Sandra Wiesbeck verabredeten einen regelmäßigen Austausch mit dem Regensburger Bundestagsabgeordneten. 


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