20.10.2013, 11:39 Uhr

Politik Wolbergs' Wahlkampfauftakt – da musste sogar Horst Seehofer weichen

Foto: Günter StaudingerFoto: Günter Staudinger

Wo Horst Seehofer morgens noch die Damen der Frauenunion umgarnte, feierten seine Anhänger am Abend Joachim Wolbergs als OB-Kandidaten der SPD. Klar ist: Für seine Partei und für den Bürgermeister geht es die nächsten Monate um Alles oder Nichts.

REGENSBURG Witzig war es ja schon irgendwie: Am Vormittag tagten noch die Damen der Frauenunion im Kolpinghaus, auch Ministerpräsident Horst Seehofer war da. Doch weil Joachim Wolbergs am Samstagabend seinen Wahlkampf-Auftakt mit einer richtigen Party für seine Anhänger beginnen wollte, mussten die Damen der FU früher weichen – das hat es so wohl auch noch nicht gegeben.

Joachim Wolbergs indes belegte mit der Party im Kolpinghaus, dass er jede Menge Unterstützer hinter sich schart. Kein Wunder, noch nie war die SPD mit ihm seit der Meier-Ära wieder so nah dran, die Macht im Regensburger Rathaus zurückzuerobern. Doch das ist ein zweischneidiges Schwert: Ist sich Wolbergs zu siegessicher, hat sein Kontrahent Christian Schlegl gute Chancen, den Abstand aufzuholen. Gibt er sich nicht siegesgewiss, wirft man ihm vor, ein Zauderer zu sein. Wolbergs pariert diesen Gefahren offenbar geschickt: Er macht sein Ding. Das merkt man auch.

Unterstützung bekam Joachim Wolbergs am Samstagabend von niemand geringerem als Ulrich Maly, dem amtierenden Städtetagspräsidenten Bayerns und Oberbürgermeister in Nürnberg. Maly ist nicht irgendwer – neben Christian Ude ist Maly der lebende Beweis, dass es für die Christsozialen immer schwieriger wird, kommunal in Großstädten einen Stich zu machen. Wahlkampf ist das „älteste und grausamste Assessment-Center“, das er kenne, sagte der amtierende Städtetagspräsident. Ein ideales Alter, um OB zu werden, gebe es nicht, „aber einem, der grade so 42 ist, dem würde ich dringend zuraten“. Im Hinblick auf Joachim Wolbergs riet er ihm klar: „Mach Dein Ding!“

Auch von seiner Familie erhielt Wolbergs Rückenwind. „Wenn Wolli immer im Urlaub mit dem Hartl Norbert telefoniert: Da bin ich schon ein bisserl eifersüchtig!“ scherzte Wolbergs Frau Anja. Sie war mit den beiden Kindern Wolbergs an seiner Seite, um ihren Mann für den kommenden Wahlkampf zu unterstützen.

„Wir leben in einer gigantisch tollen Stadt mit tollen Menschen!“, lautete dann auch der Ausspruch Joachim Wolbergs, den man durchaus als eine Liebeserklärung an Regensburg verstehen kann. Zum Thema Stadtbau, die aktuell wie jedes andere Immobilienunternehmen arbeite, legte Wolbergs ein Bekenntnis ab: „Damit werde ich aufhören!“ Immer wieder war es auch zum Streit zwischen der SPD und der CSU in Sachen Stadtbau gekommen. Die Wohnbaugesellschaft der Stadt hatte Mieten erhöht und nach Sanierungen Mietverträge gekündigt, doch die SPD hatte keine Mehrheit im Verwaltungsrat, um gegen die CSU anzustinken. Auch in der Innenstadt will Wolbergs einiges verändern: „Ich will, dass dieser hässliche Altstadtbus aus der Innenstadt verschwindet!“ Stattdessen soll es kleine Elektrobusse geben, die in den engen Gassen der Stadt nicht für noch mehr Behinderungen sorgen. Wolbergs zeigte sich jedenfalls Kampfbereit am Samstag im Kolpinghaus: „Diese Stadt hat es verdient, dass wir uns richtig für sie reinknien!“

Mit Spannung erwartet das politische Regensburg indes die Ergebnisse einer breit angelegten, wissenschaftlichen Befragung, die von der Mittelbayerischen Zeitung in Auftrag gegeben wurde. Wie schnitten die derzeit sieben Oberbürgermeister-Kandidaten bei den Regensburgern ab? Es wird erwartet, dass Wolbergs deutlich führt bei der Frage, wer in Regensburg OB werden soll. Spannend indes wird, wie groß der Abstand zu Schlegl ist.


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