25.11.2010, 08:10 Uhr

Bizarr: Amt schickt Raucher-Polizei in Gartenlaube

Ziemlich bockig steht Bruno Eberl vor seinem Gartenhäuserl, das er sich mitten ins Gewerbegebiet Haslbach gestellt hat – und nimmt erst einmal mit zittrigen Händen einen tiefen Zug aus seiner Zigarette. Der 60jährige raucht für sein Leben gern, vor seinem Gartenhäuschen steht ein Automat, Nachschub ist gesichert.

REGENSBURG Weil Eberls Tochter Alexandra seit Mai den Straßenimbiss „Blue Box“ betreibt, ist das Gartenhäuschen aktenkundig geworden. Der Staat klopft Eberls Tochter kräftig auf die Finger.

Eberl raucht nicht gerne allein, und so lädt er öfter mal alte Bekannte zu sich ins Häuschen ein. Dort essen die ihre Wurstsemmel, die sie bei Eberls Tochter gekauft haben, und dann qualmen sie eine. Manchmal trinken sie dabei auch eine halbe Bier. Mittags. LKW-Fahrer und einfache Arbeiter schauen beim Eberl vorbei. Mit Wurstsemmel. Und Bier. Und Zigarette.

„Vollzug des Gesundheitsschutzgesetzes“ ist das Schreiben des Ordnungsamtes der Stadt Regensburg überschrieben, das Eberls Tochter jetzt erreichte. Jemand hat sie hingehängt. Dem Amt „liegen wiederholt Hinweise vor, wonach Ihrerseits gegen das bestehende Rauchverbot (…) verstoßen werde“, heißt es in strengem Ton, „demnach werde Essen, welches von den Kunden in Ihrem Imbiss gekauft wurde, im angrenzenden Gartenhaus verzehrt und es werde dabei auch geraucht“. Laut Eberl habe es ähnliche Schreiben auch zuvor gegeben, und einmal sind dann sogar zwei Herren vom Ordnungsamt in Uniform gekommen.

Der 60jährige zittert, sehen kann er nicht mehr gut, aufregen kann er sich aber umso mehr über die Stadt: „Das sind Freunde von mir, ich bin doch in der Konradsiedlung aufgewachsen“, sagt er trotzig, „wenn ich jemanden zu mir einlade, ist das doch privat“. Er wollte die Tochter bei der Stadt auch schon mal verteidigen, doch „die sprechen mit mir gar nicht, weil ich ja nicht der Betroffene bin“, sagt Eberl. Ihm stinkt’s, denn: „Was würden die denn machen, wenn ich hier wohnen würde?“ – und da kommt’s ihm siedend heiß: „Genau das mache ich, ich melde meinen Zweitwohnsitz hier an.“

Ob er das darf, weiß Eberl nicht, aber „einen Rechtsanwalt nehme ich mir eh – ich lass mir doch nicht verbieten, dass ich rauche und einlade, wen ich will“.

„Sobald Gäste in der ,Blue Box’ Essen oder Getränke kaufen und diese dann in dem angrenzenden Gartenhaus verzehren, besteht eine Verbindung zwischen Abgabestelle und Ort des Verzehrs“, heißt es hart im städtischen Schreiben, das sei „eine Erweiterung der Gasträume“.

Eberl nimmt nochmal einen tiefen Zug von seiner Zigarette, deutet nach hinten auf die zwei Dixi-Klos, die im Hof neben dem Imbiss stehen. „Da wollten sie auch, dass wir eine Dritte aufstellen“, schnaubt er, der Rauch kommt ihm dabei aus den Nüstern. „Fürs Personal“, sagt Eberl. Eine Box kostet 140 Euro Miete im Monat.

Das ist der Stadt aber grad wurst. Vorschrift ist Vorschrift. „Mein Gartenhäuschen aber ist meines, und wen ich einlade, ist meine Sache“, sagt Eberl.

Entscheiden werden’s wohl die Richter.  


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