28.11.2012, 10:26 Uhr

Kirche Spur der Hetz-Seite kreuz.net führt auch nach Regensburg

Eine Spur bei der Suche nach den Hintermännern von kreuz.net führt auch nach Regensburg. Auf der rechtsextremen Hass-Seite findet sich auch ein Interview mit Fürstin Gloria. Zudem scheint ein Informant Artikel zu liefern – zuletzt über eine Verkaufsaktion einer regionalen Landtagsabgeordneten im Globus.

REGENSBURG Während das Wochenblatt seit Jahren kritisch über kreuz.net berichtet, sind die meisten Tageszeitungen in Deutschland erst seit kurzem in die Berichterstattung eingestiegen: Als der beliebte Showmaster Dirk Bach starb, veröffentlichten anonyme Hetzer auf dem selbsternannten katholischen Nachrichtenportal kreuz.net eine – von vielen – Hasstiraden gegen den bekennenden Homosexuellen. Seither wird es eng für diejenigen, die hinter den Tiraden stecken. Die Deutsche Bischofskonferenz machte kürzlich klar, man werde Priester, die sich mit Texten oder durch andere Zuarbeit beteiligen, ins Gebet nehmen. Ein Verlag hat 15.000 Euro ausgelobt für all diejenigen, die Namen nennen. Zwischenzeitlich ermittelt auch die Staatsanwaltschaft, wie schon so oft. Doch die Seite, sie wird im Ausland gehostet – es war ihr bislang kaum beizukommen.

Die Spur führt zwar nicht maßgeblich, doch immer wieder auch nach Regensburg. Und das schon seit etlichen Jahren. Begonnen hat die Verbindung von kreuz.net zu Regensburger Prominenten mit Gloria von Thurn und Taxis. 2007 gab sie einer Regensburger Journalistin ein Interview zu einer Pilgerreise der Marianischen Frauencongregation, deren Vorsitzende die Fürstin bis heute ist. Wie das Interview zu kreuz.net kam, weiß niemand. Fakt ist: Es sollte dort erscheinen, gezielt. Lange verlinkte die Homepage der Marianischen Frauencongregation auch auf kreuz.net, einer Seite, auf der aktiv der Holocaust geleugnet, Juden verunglimpft, Bischöfe und sogar der Papst lächerlich gemacht und Homosexuelle als „Kotstecher“ oder „Homo-Perverse“ tituliert werden. Der Link ist heute verschwunden – nachdem das Wochenblatt darüber berichtet hatte.

Bilder, die OB in der Fußgängerzone zeigen

Doch offenbar gibt es auch aktive Autoren, die kreuz.net zuliefern und aus Regensburg sind. Zum einen wurde das Wochenblatt und der Autor dieser Zeilen immer wieder auf kreuz.net verunglimpft. Zudem aber gibt es Bilder, die Oberbürgermeister Hans Schaidinger und die frühere Bundestagsabgeordnete Maria Eichhorn beim Sammeln für den Verein Donum Vitae in der Fußgängerzone im August 2011 zeigen. Die Bilder muss kreuz.net ja jemand geliefert haben. Donum Vitae ist vielen Erzkonservativen in der Kirche ein Gräuel, denn der Papst hatte einst die Schwangeren-Konfliktberatung mit Schein, der zu Abtreibungen berechtigt, verboten. Kritische Laien gründeten daraufhin Donum Vitae, dessen Vorsitzende Eichhorn ist.

Am vergangenen Sonntag dann durfte sich wieder ein unbekannter Autor austoben bei Kreuz.net. Er verunglimpfte die Tatsache, dass die CSU-Abgeordnete Sylvia Stierstorfer Kuchen bei Globus zugunsten von Donum Vitae verkaufte. Bebildert ist der Hetz-Bericht mit einem – von vielen – Bild eines abgetriebenen Fötus. Darin heißt es, Neutraubling werde von den Einheimischen ohnehin „Neu-Türkling“ genannt. „Der Erlös der Aktion ging zu Gunsten der Abtreibungs-Ermöglichungsorganisation ,Donum Vitae‘“, heißt es weiter. Die rechtsextreme Tendenz des Geschreibes ist zudem ziemlich deutlich erkennbar: „Ob die türkische Bevölkerungs-Beinahe-Mehrheit in Neutraubling dem Abtreibungskuchenverkauf zusprach oder wohl eher nicht, wurde nicht bekannt.“

Der Autor nennt sich übrigens auf kreuz.net „Balthasar Hubmaier“. Es dürfte sich um ein Pseudonym handeln. Der echte Hubmaier lebte in Regensburg im 16. Jahrhundert. Er war der Domprediger, der dazu aufrief, die Synagoge zu zerstören und die Juden zu vertreiben ...


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