31.10.2012, 12:09 Uhr

Soziales Engagement: Die Bahnhofsmission in Regensburg konnte ihren 110. Geburtstag feiern

Foto: Vogl, Caritas RegensburgFoto: Vogl, Caritas Regensburg

Zum "Tag der Bahnhofsmission" hat vor kurzem die Regensburger Bahnhofsmission, gemeinsam getragen von Diakonie und Caritas, in einer Feierstunde in der Bahnhofshalle über ihre Arbeit informiert. Gleichzeitig feierte die Regensburger Bahnhofsmission 110-jähriges Bestehen.

REGENSBURG Die sehbehinderte Tanja kommt gerade vom Bahnsteig die Rolltreppe herunter. Sie wird gleich Hilfe brauchen, um den Bus in die Stadt zu erwischen. An ihren blauen Jacken sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahnhofsmission bereits von weitem zu erkennen. Und sie sind in der Nähe, wenn Menschen wie Tanja Hilfe brauchen. Für Tanja sind sie in dem Moment Engel, blaue Engel. Am Tag der Bahnhofsmission stellte die Einrichtung vor kurzem ihr Angebot im Regensburger Bahnhof vor.

"Stück Himmel auf Erden"

Von einem "Stück Himmel auf Erden" sprach Dr. Elisabeth Mader, Vorsitzende des Verbandes IN VIA Katholische Mädchen- und Frauensozialarbeit bei der Feierstunde zum 110-jährigen Bestehen in der Bahnhofshalle. Der Chor der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik und das Bläserquartett Steinweg gaben den musikalischen Rahmen für das Fest. "Die Bahnhofsmission ist in Regensburg eine gute Adresse. Sie ist Teil einer Lösung und nicht das Problem".,sagte Pfarrer Wolfgang Lahoda in seiner Begrüßung. Mit dieser Aussage erinnerte er an einen früheren Bahnchef, der die Bahnhofsmissionen vor einigen Jahren am liebsten aus den Bahnhöfen verbannt hätte. Der vermutlich einzige Pfarrer mit Lokführerausbildung im Bistum Regensburg dankte allen Haupt- und Ehrenamtlichen für deren großes Engagement.

Bürgermeister Joachim Wolbergs betonte, dass es im Umfeld des Bahnhofs viele Anlaufstationen für Menschen in Not gibt. Caritas und Diakonie haben hier ein tolles Hilfenetz aufgebaut, von dem auch die Stadt profitiere: angefangen vom Caritas-Haus St. Rita für Frauen in sozialen Notlagen, über den Streetworker bis hin zur Sucht- oder Schuldnerberatung. Die Hilfe der Bahnhofsmission ist niedrigschwellig und unbürokratisch. "So eine schnelle Hilfe kostet auch Geld. Es wäre aber um ein Vielfaches teurer, müsste man die Spätfolgen therapieren", so der Bürgermeister. Daher unterstütze auch die Stadt diese soziale Einrichtung am Bahnhof. Wolbergs dankte im Namen der Stadt für das Engagement aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Arbeit ist komplexer geworden

Die 78-jährige Monika Gartner nutzte am Tag der Bahnhofsmission die Gunst der Stunde: "Ich würde so gerne öfter meinen Bruder und meine Tochter in Berlin besuchen", sagt sie. Aber sie habe zunehmend Angst vorm Umsteigen. Sie ist erfreut, als sie erfährt, dass es eine der Hauptaufgaben der Mitarbeitenden ist, Reisenden beim Umsteigen zu helfen – und das natürlich kostenlos. "Ältere Menschen brauchen häufiger Orientierung", sagt Christa Nausch, seit 30 Jahren Ehrenamtliche in der Bahnhofsmission. Das Orientierungssystem an den Bahnhöfen sei für ältere Menschen manchmal verwirrend. "Unsere Arbeit hat sich verändert, ist mehr und komplexer geworden", sagt sie weiter. Früher kamen hauptsächlich Obdachlose an. Die Bahnhofsmission ist sozialer Seismograph einer Stadt. Unsere Mitarbeiter bekommen schnell mit, wie sich die Nöte der Menschen verändern. So ist es auch mal ein verloren gegangenes Handy, welches Anlass für ein nettes Gespräch ist. Die Hilfe reicht von Organisation bei verlorener Fahrkarte, über Information bei verpasstem Zuganschluss, bis hin zu einer Tasse Kaffee oder Tee. Und viele wollen einfach nur reden und freuen sich über jemanden, der dann richtig zuhört.

Bahnhofsmission sucht dringend Ehrenamtliche Der Schichtdienst in der Bahnhofsmission wird in erster Linie von ehrenamtlichen Mitarbeitern geleistet. Soziales Engagement und die Fähigkeit, mit Menschen umgehen zu können, sind Voraussetzungen für die Tätigkeit. Willkommen sind Männer und Frauen aller Altersstufen, die sich neben oder nach ihrem Beruf sinnvoll engagieren wollen. Auch für tatkräftige Studierende ist die Bahnhofsmission ein Feld, in dem sie viele Erfahrungen für ihr späteres Berufsleben machen können. Selbstverständlich bekommen die neuen Mitarbeiter eine Schulung in ihre Aufgaben. Außerdem erhalten sie regelmäßig Fortbildungsangebote. Eine kleine Aufwandsentschädigung gibt es obendrein.

Hintergrund Die Regensburger Bahnhofsmission wurde 1902 vom Marianischen Mädchenschutzbund, der Vorgängerorganisation des Verbandes IN VIA Katholische Mädchen- und Frauensozialarbeit, gegründet. Seit 1910 betreiben Caritas und Diakonie gemeinsam diese Einrichtung. 7.000 Menschen kamen vergangenes Jahr dorthin, ein Viertel davon war unter 27 Jahre alt. Die "blauen Engel" sind an 365 Tage im Jahr rund um die Uhr für Reisende und Ratsuchende da. Bundesweit gibt es 100 Bahnhofsmissionen, in Bayern gibt es 13 solche Einrichtungen. Interessierte neue Helfer können sich gerne bei der Caritas melden: Hildegard Pangerl oder Wolfgang Krinner, Telefon 0941/ 5021-113 oder -176, Mail: w.krinner@caritas-regensburg.de.


0 Kommentare