19.12.2017, 11:09 Uhr

Entwicklungshilfe Ausbildungspaten für ein Schulprojekt in Sambia dringend gesucht

Stolze Mutter – stolzes Schulmädchen: Seit bald sechs Jahren gibt es im sambischen Farao einen Schulkomplex, der inzwischen von der Vorschule bis zur 6. Klasse reicht und stetig erweitert wird. (Foto: Schools for Zambia)Stolze Mutter – stolzes Schulmädchen: Seit bald sechs Jahren gibt es im sambischen Farao einen Schulkomplex, der inzwischen von der Vorschule bis zur 6. Klasse reicht und stetig erweitert wird. (Foto: Schools for Zambia)

Eigentlich wollte Claire Taylor, Englisch-Lehrerin aus der Oberpfalz, nur einen Aktiv-Urlaub in der unberührten Natur Zentralafrikas erleben. Doch daraus entstand ein inzwischen acht Jahre langes Engagement für nachhaltige Entwicklungshilfe in Sambia.

LAPPERSDORF Ihr Reiseleiter Chris führte sie damals auch in seine am Sambesi-Fluss gelegene Heimatstadt Farao. Dort erfuhr sie, dass die Kinder zwölf Kilometer in den Nachbarort Kapululira zur Schule laufen und dabei Fluss und Steppe durchqueren müssen – ein nicht nur mühevoller, sondern auch lebensgefährlicher Weg, ist der Fluss doch Wasserstelle für Wildtiere und Lebensraum von Krokodilen und Nilpferden. Immer wieder kam es zu Todesfällen. Für Schulen in Sambia sind Schulgebühren zu zahlen, was sich viele einfache Bauernfamilien nicht leisten können. Deshalb waren viele Kinder bei der Feldarbeit statt in der Schule, um das geringe Einkommen aufzubessern.

Claire Taylor beschloss damals spontan, den Frauen und Kindern etwas Englisch-Unterricht zu geben. Die Begeisterung war groß, die Kinder mit Feuereifer dabei. „Es war so ein Leuchten in den Augen der Kinder“, erinnert sich Taylor an ihre erste Reise. „Sie haben alles aufgesogen wie ein Schwamm, wollten lernen, nur hatten sie nie die Möglichkeit dazu bekommen.“ Im Folgejahr flog sie wieder nach Sambia, investierte ihre Sommerferien, um die Kinder zu unterrichten. Als während ihres Aufenthalts eine junge Mutter am Sambesi von einem Krokodil getötet wurde und ihr Töchterchen Taonga alleine zurückließ, entschloss sich Taylor dazu, umgehend zu handeln. Der gefährliche Schulweg sollte endgültig der Vergangenheit angehören: Sie wollte eine Schule bauen – für alle Kinder von Farao und Bildung sollte endlich nicht mehr abhängig sein vom Einkommen der Familien.

Die gebürtige Schottin und inzwischen Wahl-Deutsche gründete den Verein Schools for Zambia e. V. und sammelte Spenden für den Bau einer Schule. Sie kämpfte gegen alle Widrigkeiten der Bürokratie vor Ort und trieb das Projekt voran, das immer wieder ins Stocken geriet, weil Material fehlte oder Regenzeit, Stürme oder große Hitze dem zügigen Vorwärtskommen entgegenstanden. Heute stehen eine Vorschule, eine Grundschule, die im Moment durch einen weiteren Schulkomplex mit mehreren Klassenzimmern erweitert wird und Häuser für die Lehrer. In der allerersten Klasse saßen neben Sechsjährigen auch Sieben- bis Zwölfjährige, die zum ersten Mal eine Schule besuchten. In einer Kantine bekommen die Kinder eine warme Mahlzeit. Die Schule finanziert sich durch Spenden: von Ausbildungspaten für die Schüler, worüber Schulbücher und Material gekauft werden, über Lehrerpaten, die die Gehälter der Lehrer, Lehrbücher und Fortbildungskosten bezuschussen und Schulpaten, die laufende Wartungen und Kantinenbetrieb sicherstellen.

Heute geht das kleine Waisenmädchen Taonga zur Schule und jedes Jahr melden sich neue Schülerinnen und Schüler an. Die Akzeptanz unter den Eltern wuchs in den letzten Jahren stark an, die Kinder müssen nicht mehr aufs Feld, sondern dürfen in die Schule gehen. Zudem wurde ein Schulbus angeschafft und sorgt für Sicherheit auf dem Schulweg für weiter weg wohnende Kinder, aber generiert auch Einkommen außerhalb des Schulbetriebs als Linienbusdienst zur nächstgrößeren Stadt Chirundu. „Wir haben gemeinsam mit den Dorfältesten, dem Elternbeirat und der Schulleitung weitere Projekte überlegt, über die Einkommen generiert werden kann, damit die Schule sich langfristig selbst finanziert“, sagt Claire Taylor. So ist eine Ziegelei durch den Schulbau gegründet worden, die weiterhin Ziegel produziert. Eine Maismühle steht den Bauern vor Ort zur Verfügung, um Maismehl zu mahlen. Ein Dorfkiosk wurde aus der Taufe gehoben und spart weite Wege für Dinge des täglichen Bedarfs. Stromleitungen wurden bis ins Dorf gelegt und Schule wie das Dorf ans öffentliche Stromnetz angeschlossen. Brunnen wurden gebohrt und derzeit werden Wasserleitungen vom Sambesi aus gelegt, um die Schule und die Bauern mit Wasser zu versorgen. Der Schulbetrieb geht 2018 ins sechste Jahr und es werden dringend Paten gesucht, damit das Projekt weiterlaufen kann: Paten für die Schüler, die Lehrer und die Schule selbst.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.schoolsforzambia.org.


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