23.10.2017, 09:10 Uhr

Artist Talk Künstleraustausch bringt Perspektivwechsel: Ein Treffen voller Energie im Degginger

Foto: Stadt Regensburg, Stefan EffenhauserFoto: Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser

Wer einer neuen Stadt begegnet, vergleicht sie unwillkürlich mit der eigenen. Bei den Künstlerinnen und Künstlern des "Danube Art Lab" ist das nicht anders.

REGENSBURG Mehr noch: Sie setzen ihre Erkenntnisse in künstlerische Interventionen um und verwandeln in Kunst, was Regensburgerinnen und Regensburger bisher kaum wahrgenommen haben. Der dritte Artist Talk am Montag gab einen Eindruck davon. Alena Foustková aus Tschechien, die Bulgarin Borjana Ventzislavova und Mykyta Kadan aus der Ukraine sind seit Anfang Oktober Gäste im Artist-in-Residence-Programm "Danube Art Lab". Für die Versuchsanordnung zeichnen die Stadt Regensburg und ihr Kooperationspartner Donumenta verantwortlich. Im nächsten Jahr sollen die Werke der insgesamt neun Künstlerinnen und Künstler, die seit August 2017 im "Danube Art Lab" arbeiteten, im öffentlichen Raum gezeigt werden. Eine Dokumentation über ihre Entstehung im "Leeren Beutel" soll die Präsentation ergänzen.

Universal präsent

Die drei Kunstschaffenden Alena Foustková aus Prag, Borjana Ventzislavova aus Bulgarien und heute in Wien lebend sowie Mykyta Kadan aus Kiew haben internationale Ausstellungserfahrung. Arbeiten von Kadan waren auf der Biennale 2013 zu sehen, Werke von Foustková in der Münchner Pinakothek der Moderne und die von Ventzislavova in Kanada, USA und vielen europäischen Ländern. Regina Hellwig-Schmid, künstlerische Leiterin der Donumenta, betont den "Perspektivwechsel, der diesen Künstleraustausch so interessant macht". Alle drei verbindet ihr soziologisch-konzeptioneller Ansatz. In der Vergangenheit widmeten sie sich Projekten, in denen sie Ausgrenzung thematisierten.

Alena Foustková vergleicht ihre Heimatstadt Prag mit Regensburg: Brücke, Fluss, Kirchen und Tourismus ähneln sich. Sie präsentiert ein Projekt, das sie in Prag realisiert hat: In dieser Arbeit mit dem Titel "Czechia to Czechs" führt sie vor Augen, wie einfach Mechanismen der Ausgrenzung funktionieren. Vierseitige Stelen zeigen Klingelschilder, die den Besucher dieser interaktiven Installation auffordern, Namen zu markieren, die sich nicht tschechisch anhören. Dadurch begreifen Menschen unmittelbar, wie leicht es ist, andere auszuschließen.

Menschen ähneln sich

In ihrer Arbeit "Hey you! It’s us" aus dem Jahr 2016 hat Borjana Ventzislavova eine Galerie mit Spiegelfolie ausgekleidet. Verzerrungen von sich spiegelnden Menschen vergröbern das Bild. Nicht mehr die Details eines jeden Einzelnen entscheiden, sondern der Eindruck der Silhouette, einer Gestalt mit Armen, Beinen, Oberkörper und Kopf. Ventzislavovas Schlussfolgerung: Menschen ähneln sich mehr, als dass sie sich unterscheiden.

Sein Werk „Babooshka“ hat Mykykta Kadan auf der Biennale 2013 in Venedig ausgestellt. Von vorne versinnbildlicht diese Installation sozialistische Modernität und politische Macht, während sich auf der Rückseite hinter einer Glasscheibe 1.000 konservierte Brotlaibe stapeln. Der Künstler nennt das „social bread“. Brot als Lebensmittel auch im übertragenen Sinn, ein Symbol für Menschen und ihre Bedürfnisse, immer noch zermahlen zwischen den populistischen Versprechen der aktuellen ukrainischen Politik. Die Älteren könnten als Zeitzeugen historisches Bewusstsein vermitteln, „aber das neue Zeitalter will sie nicht hören“, sagt Mykyta Kadan über die Verhältnisse in der Ukraine.

Kooperationspartner: Stadt Regensburg und Donumenta

Für das EU-Projekt "Kulturplattform Donauraum" sind Stadt Regensburg und Donumenta eine Kooperation eingegangen. Die Stadt Regensburg ist einer von neun EU-Projektpartnern, die sich darauf verständigt haben, das Natur- und Kulturerbe im Donauraum nachhaltig zu nutzen. Kunst – Kultur – Tourismus: Diese drei Begriffe sind die Eckpfeiler der "Kulturplattform Donauraum", die über Ländergrenzen hinweg arbeitet und als so genanntes Interreg-Projekt größtenteils von der EU finanziert wird. Länder, Regionen und Zivilgesellschaften im Donauraum begegnen und vernetzen sich über Grenzen hinweg. Mittel dieser Vernetzung sind Kunst- und Kulturprojekte.

Bundeskanzleramt Österreich, Sektion Kunst und Kultur (Lead), Land Oberösterreich (Oberösterreichische Landesmuseen, OK Kulturzentrum), Ministerium für Forschung, Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg (Deutschland), Ministerium für Kultur und nationale Identität Rumänien, Kulturministerium Bulgarien, Tourismusministerium Bulgarien, Stadt Regensburg (Deutschland), Zsolnay Kulturquartier, Pécs (Ungarn), Danube Competence Center, Belgrad (Serbien)

Weiterführende Informationen gibt es unter: www.regensburg.dewww.donumenta.de und www.interreg-danube.eu.


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