19.10.2017, 14:39 Uhr

Mieten Mehr als die Hälfte des Einkommens für Stadtbau-Wohnung - da hilft auch eine Studie nichts

Stadtbau Regensburg Foto: ceStadtbau Regensburg Foto: ce

Die Stadtbau gehört allen Regensburgern, in 7.000 Wohnungen leben zahlreiche von ihnen. Die wurden jetzt befragt, wie zufrieden sie mit der Stadtbau sind, deren Chef Joachim Becker als umstritten gilt. Die Auswertung fiel entsprechend wohlwollend aus. Doch sind es auch die Ergebnisse?

REGENSBURG 86 Prozent aller Stadtbau-Mieter würden sie offenbar weiterempfehlen. Das jedenfalls zieht die Stadtbau GmbH, eine städtische Tochter, und ihr umstrittener Chef Joachim Becker als Fazit aus einer Mieterbefragung, die sie selbst in Auftrag gegeben hat. Tenor der eigenen Auswertung: In Stadtbau-Wohnungen geht es den Mietern bestens.

Transparenz jedenfalls schreibt Becker, der als knallharter Wirtschaftler mit wenig Gespür für soziale Belange gilt, groß: Er hat die Ergebnisse der Studie neben der eigenen Bewertung gleich mitgeschickt. Mit knapp 2.000 Interviews ist es tatsächlich gelungen, etwa ein Drittel aller Mieter zu befragen - die Studie ist also höchst repräsentativ.

Dabei lassen sich zahlreiche Ergebnisse aus den abgefragten Faktoren herauslesen, die durchaus erschreckend sind: 361 Befragte müssen mehr als die Hälfte ihres Einkommens für eine Stadtbau-Wohnung ausgeben, 453 etwa die Hälfte. Etwas weniger, 434 Stadtbau-Mieter geben etwa ein Drittel aus, nur 123 Befragte weniger als ein Drittel. Mehr als die Hälfte aller Befragten müssen etwa ihr halbes Monatseinkommen für Miete ausgeben. Nun sagt das sicher einerseits etwas über die Struktur der Mieter aus - eher Bedürftige oder schlechter Verdienende sind es nämlich. Doch gleichzeitig kann man interpretieren, dass der soziale Anspruch der Stadtbau offenbar in eine Schieflage geraten ist. Schuld daran ist sicher auch eine Politik, die seit der Suspendierung von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs nun von Stadtbau-Chef Becker fast im Alleingang gestaltet werden kann.

Und auch die Zufriedenheit im Hinblick auf die Wohnung ist nur bedingt positiv. Drückt man das Ergebnis in Noten aus, kommen die Sozialforscher auf 2,73. Aber: Die Skala geht von "Vollkommen zufrieden" bis "unzufrieden" in nur fünf Notenstufen. Ein Wert von 2,73 ist also kein "Befriedigend", sondern ein "ausreichend". Nur 35 Prozent der Befragten sind vollkommen oder sehr zufrieden, 51 Prozent sagen, sie seien "zufrieden", 13 Prozent sind wenig oder gar nicht zufrieden mit ihren Wohnungen.

Richtig schlecht schneidet die Stadtbau nämlich wiederum bei den Kosten ab: 35 Prozent aller Befragten beklagen die Höhe der Nebenkosten, 32 Prozent finden das Preis-Leistungs-Verhältnis der Wohnungen nicht gut. Nur 20 Prozent sind damit zufrieden. 40 Prozent der Mieter beurteilen die Miete als eindeutig zu hoch! Das sollte durchaus ein Alarmsignal für jene Politiker sein, die im Aufsichtsrat der Stadtbau zumindest noch Einflussmöglichkeiten haben.

Positive Ergebnisse kann man indes durchweg herauslesen, was die Stadtbau-Mitarbeiter und ihre Dienstleistung für das nicht immer einfache Mieter-Klientel anbelangt. Zwar fühlen sich 28 Prozent der Befragten nicht ernst genommen, wenn sie ein Anliegen haben, aber nur acht Prozent fühlen sich nicht oder gar nicht verständlich informiert.

Und das ist die wörtliche Pressemitteilung zu der Studie:

Mit rund 7.000 Wohnungen ist die Stadtbau-GmbH Regensburg die größte sozialorientierte Vermieterin in Regensburg und bietet damit jedem zehnten Einwohner der Stadt ein sicheres Zuhause. Auftrag der kommunalen Tochter ist es die Wohn- und Lebensbedingungen in Regensburg für alle Teile der Bevölkerung zu verbessern. Menschen mit Benachteiligungsmerkmalen finden hierbei eine besondere Beachtung. Mit dieser Aufgabenstellung eng verbunden sind die zeitgemäße Fortentwicklung vorhandener Wohnungsbestände und das Schaffen von zusätzlichen Wohnungen durch Neubauten. Die Leistungen des Unternehmens gehen weit über das Bereitstellen von Wohnraum hinaus, was auch an der Wertigkeit der Freiräume um die Gebäude deutlich wird.

Um in Zeiten des angespannten Wohnungsmarktes in Ballungszentren diese Ziele langfristig zu erreichen, wurde im Frühjahr 2017 das Regionalinstitut für Mittelstandsmarktforschung (RIM Marktforschung GmbH) aus München damit beauftragt, eine Voll-erhebung unter den Mieterinnen und Mietern der Stadtbau Regensburg durchzuführen. Dabei lag der Fokus auf folgenden Themenbereichen:

 Erkenntnisse zur allgemeinen Wohnzufriedenheit zu gewinnen,  Anhaltspunkte zu generieren, wie die Wohnzufriedenheit gesteigert werden kann,  Stärken und Schwächen aufzudecken,  Informationen über realisierbare Mieterwünsche, Anregungen und Ideen zu sammeln,  die Bedürfnisse der Mieter systematisch für strategische Entscheidungen nutzbar zu machen.

Insgesamt haben sich im Zeitraum zwischen 29. Mai und 13. Juli dieses Jahres 1.904 Mieterinnen und Mieter an der Befragung beteiligt.

Die Ergebnisse zeigen: Die Befragten sind mit ihrer allgemeinen Wohnsituation sehr zufrieden, was auch die hohe Weiterempfehlungsrate der Stadtbau Regensburg in Höhe von 86 Prozent unterstreicht.

Insbesondere Raumaufteilung, Größe und Grundriss der Wohnun-gen stoßen auf breite Zustimmung. Geschätzt wird darüber hin-aus auch die Basisversorgung im Sinne einer guten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen sowie die ärztliche Versorgung.

Mittlere Bewertungen werden aus Sicht der Befragten dem Zu-stand der Wohnungen in Bezug auf die Heizung, Wärmedämmung und –isolierung, die Sanitäranlagen sowie den vorhandenen Lärm-schutz nach außen attestiert. „Die notwendige Modernisierung der Wohnungsbestände muss im Augenblick leider der Wohnungsneubauoffensive den Vortritt lassen. Gleichzeitig gilt es, das Dilemma Bezahlbarkeit der Miete mit zeitgemäßen Aussta-tungsmerkmalen in Einklang zu bringen“, so Geschäftsführer Joachim Becker.

Darüber hinaus hat die Stadtbau Regensburg in einem intensiven Analyseprozess gemeinsam mit den Marktforschern Handlungs-felder identifiziert, die sowohl Einzelaspekte der Wohnanlagen als auch des Wohnumfelds betreffen: Besonders problematisch nehmen die Mieterinnen und Mieter derzeit das nachbarschaftliche Zusammenleben wahr. Beklagt werden hier vor allem mangelnde gegenseitige Rücksichtnahme, Verunreinigungen und Lärmbelästigung innerhalb der Wohnanlagen, wodurch es immer wieder zu Konfliktsituationen kommt. Der Stadtbau Regensburg ist sehr daran gelegen, über geeignete Deeskalationsmaßnahmen und kon-struktiven Kontakt mit den betroffenen Mieterinnen und Mietern dazu beizutragen, die Vorfälle im Sinne aller Betroffenen zu ent-schärfen. Mit dem bereits vor zwei Jahren bei der Stadtbau instal-lierten Sozialmanagement wird gerade diesen Gesichtspunkten Rechnung getragen.

Auch in Bezug auf die Infrastruktur sowie auf wohnwirtschaftliche Zusatzangebote rund um die Wohnanlagen sehen die Mieterinnen und Mieter derzeit Verbesserungsbedarf: Kritik besteht vor allem an der Verkehrssituation, an mangelnden Ausgehmöglichkeiten, fehlenden Einrichtungen für Senioren sowie einem adäquaten Naherholungs- und Kulturangebot im unmittelbaren Wohnumfeld. Die sich hieraus ergebenen Handlungsfelder betreffen primär die kommunale Verwaltung, so dass es Aufgabe der Stadtbau sein wird, die Kommunalpolitik entsprechend zu sensibilisieren.

Etwas mehr als jeder zweite Mieter bzw. jede zweite Mieterin hatte bereits persönlichen Kontakt zu Ansprechpartnern der Stadtbau Regensburg. Dabei kennzeichnen Verlässlichkeit und Freund-lichkeit den Umgangston. Ein Ergebnis der Studie ist, dass sich die Stadtbau Regensburg als Ziel setzt, die Anliegen der Mieterinnen und Mieter zukünftig mit einem stärkeren Zielgruppenbezug zu beantworten.

Um zielgenau Maßnahmen aus der Befragung abzuleiten, hat die Stadtbau Regensburg sämtliche Ergebnisse kleinstteilig aufgeschlüsselt und strebt nun an, die Effizienz eingeleiteter Maßnah-men zur Steigerung der Zufriedenheit ihrer Mieterinnen und Mieter durch regelmäßige Befragungen zu beobachten und zu evaluieren. Auf diese Weise kann der städtische Wohnungsanbieter seine zukünftigen Planungen und Services noch punktgenauer an den Bedürfnissen der Mieterinnen und Mieter ausrichten.


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