15.09.2017, 09:29 Uhr

Kirche Kardinal Müller glaubt an ein Comeback in Rom

Foto: Christian EcklFoto: Christian Eckl

Fürstin Gloria lädt Erzbischof Gänswein und Gerhard Ludwig zu einer Diskussion über die Päpste nach Mannheim. Das Wochenblatt war mit dabei.

REGENSBURG Der frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller glaubt offenbar an eine Rückkehr an die Kurie in Rom. Das ließ Müller, der locker und entspannt wirkte, kürzlich bei einer Podiumsdiskussion mit Erzbischof Georg Gänswein durchblicken. Eingeladen hat an diesem Abend Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ins Reiss-Engelholm-Museum in Mannheim, das eine Ausstellung über „Die Päpste“ macht. Der groß gewachsene Kardinal mit schlohweißem Haar wirkt an diesem Abend aber nicht wie ein Gescheiterter. Ihm scheint es Spaß zu machen, mit den Lieschen Müllers in breitem pfälzisch zu plaudern, die das Buch des Kardinals signiert haben wollen. Müller hat in seinem neuen Buch „Die Päpste“ eine ganz persönliche Sichtweise auf die Nachfolger Petri beschrieben.

Fürstin Gloria hatte dazu ihren Freund Prälat Wilhelm Imkamp eingeladen, moderiert wurde die Diskussion vom protestantischen Professor Christoph Markschies.

Kardinal Müller machte in seinen Ausführungen deutlich, dass Papst Franziskus ein völlig anderes Verständnis von Theologie hat, als sein Vorgänger Benedikt. „Ich war selbst in Südamerika und habe dort gelehrt.“ In Europa müssten Theologen sofort den passenden Konzilstext parat haben, wenn Stichworte wie „Glauben“ oder „Gnade“ fielen. „Diese Art von Theologie gibt es dort nicht, so wie wir es kennen. Dort ist man eher intuitiv, da schaut man irgendwie einen Text an, ohne das Ganze im Blick zu haben.“ Diesen „jetzigen Stil müssen wir irgendwie auch respektieren und akzeptieren. Aber ich wünsche mir schon, dass bei Lehrdokumenten klare theologische Vorbereitungen stattfinden“, mahnte der Kardinal.

Der Hollywood-Streamingdienst Netflix hat übrigens angekündigt, das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. zu verfilmen. Doch offenbar nicht nur das: Auch die Abdankung des Papstes, der in Regensburg seine zweite Heimat hat, ist ein Thema, heißt es. Dargestellt wird Benedikt von Anthony Hopkins („Das Schweigen der Lämmer“). „Ein Papstleben ist natürlich immer etwas Spannendes“, sagte Gänswein zum Wochenblatt. „Aber viele Dinge, die man nicht sehen kann von außen, die kann man nicht verfilmen, weil die vertraulich bleiben.“

Wer Gänswein darstellen soll, weiß er selbst übrigens noch nicht. Über die Abberufung von Kardinal Müller zeigte sich Gänswein erschüttert: „Ich will eine päpstliche Personalentscheidung nicht kommentieren“, sagte Erzbischof Georg Gänswein auf die Frage hin, wie er auf Müllers Entlassung reagiert habe. „Aber als ich davon hörte, er ist ja ein persönlicher Freund, da war ich sehr betroffen.“ Dass Müller in Rom an der Kurie seinen Humor nicht verloren hat, macht er am Ende der Diskussion über die Päpste deutlich. So zitierte Müller zum Ende der Veranstaltung Kardinal Robert Bellarmin.

Das war der Vorgänger Müllers im Amt, als das noch Inquisition hieß und der Gallileo Gallilei dazu brachte, abzuschwören. „Er war mit den Päpsten seiner Zeit sehr kritisch. Er hat dem Papst, der nicht Theologie studiert hat, gesagt: ,Heiliger Vater, davon verstehen Sie nichts!‘“ Seine Wiederkehr an die Kurie hält Müller indes auch nicht für ausgeschlossen. Den Applaus hatte Müller in Mannheim mit diesem Schlusswort sicher: „Kardinal Bellarmin ist auch dreimal von der Kurie entfernt worden!“


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