31.08.2011, 10:40 Uhr

Nach Wochenblatt-Anfrage: CSU geht auf Distanz zu Hitler

Foto: Stadt RegensburgFoto: Stadt Regensburg

Vergangene Woche stellte das Regensburger Wochenblatt eine Anfrage an die Pressestelle: Hat sich der Regensburger Stadtrat ausdrücklich von NS-Größen wie Adolf Hitler distanziert? Parallel dazu hatte offenbar bereits eine Bürgerin aus dem Süddeutschen Raum eine solche Anfrage bei der Stadtverwaltung gestellt.

REGENSBURG Vorangegangen war die Feststellung, dass im Internet-Lexikon Wikipedia die Liste der Ehrenbürger der Stadt mit zwei Namen versehen ist, die auf der Homepage der Stadt Regensburg fehlen. Sowohl Adolf Hitler als auch der NS-Gauleiter Adolf Wagner wurden vom Regensburger Stadtrat in der dunkelsten Zeit deutscher Geschichte zu Ehren-Regensburgern ernannt. Das Wochenblatt fragte an, ob es einen Beschluss des Stadtrates gebe, diese abzuerkennen.

Zudem wollte das Wochenblatt wissen, warum der ehemalige Regensburger Bürgermeister Hans Herrmann weiterhin auf der Liste der Ehrenbürger steht. Herrmann war unter den Nationalsozialisten Bürgermeister, nach dem Dritten Reich indes machte der Opportunist Karriere in der CSU und wurde OB.

Die reagierte am Montagabend nicht mit einer Antwort auf die Wochenblatt-Anfrage, sondern setzte eine Mitteilung an alle Medien ab. „Unerwünschte Ehrenbürgerwürde“ überschrieb sie die Mitteilung an alle Medien und erklärte darin, man führe Hitler und Wagner seit mindestens 1966 nicht mehr als Ehrenbürger – soweit konnten die Aufzeichnungen auf die Kürze der Anfrage zurück verfolgt werden.

Die rechtliche Würdigung indes ist umstritten. Einerseits ist herrschende Meinung, mit dem Tod Hitlers und Wagners und vieler weiterer Nazis erlosch automatisch die Ehrenbürgerwürde. Andererseits konterkariert die Stadt diese Einschätzung damit selbst, dass sie längst verstorbene Persönlichkeiten weiterhin als Ehrenbürger führt. Auch Reichspräsident Paul von Hindenburg steht noch auf der Liste. Der aber ist, wie die meisten darauf, längst tot: Warum führt man sie überhaupt noch, wenn ihre Ehrenbürger-Würde ja längst erloschen ist? Immer mehr Städte haben deshalb einen Beschluss gefasst, die Ehrenbürgerwürde für Nazis nachträglich zu annullieren und einen Beschluss des Stadtrates zu fassen. Und genau dies soll nun in Regensburg geschehen. Denn Schaidinger hat offenbar nicht nur die Pressestelle informiert, sondern auch seinen CSU-Fraktionsvorsitzenden Christian Schlegl. Kurz nach der städtischen Pressemitteilung setzte Schlegl einen Brief an Schaidinger an die Medien ab, wonach er den OB bittet, Hitlers und Wagners Ehrenbürgerwürde im Stadtrat zu behandeln. Man wolle die Praxis der Stadt Regensburg, Hitler und Wagner einfach nicht mehr aufzulisten, „durch den Stadtrat der Stadt Regensburg ausdrücklich“ begrüßen. Schlegl sagt auf Anfrage, auch er habe von der Sache über die Pressestelle erfahren. „Ich wollte, dass meine Fraktion ein deutliches Zeichen setzt“, sagt Schlegl. Er ist der Ansicht, dass ein Beschluss des Stadtrates „jetzt nötig sei, damit klar ist, in Regensburg ist kein Platz für dieses Monster.“ Gerade seine Fraktion habe sich ja nicht immer vorbildlich verhalten bei solchen Themen, er erinnerte an die Debatte um die Florian Seidl-Straße. Das soll sich nun ändern. Doch bei der Einstufung Herrmanns als reuigen Ex-Nazi folgt auch Schlegl – dem OB.


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