26.07.2017, 16:14 Uhr

Nachkomme eines Vertriebenen setzt auf Dialog Über Landesgrenzen: 22-Jähriger setzt sich für mehr Versöhnung ein

Foto: Markus Bauer (Foto:Schmid)Foto: Markus Bauer (Foto:Schmid)

Erst seit Mai ist ein Neutraublinger Bundessprecher der Jungen Aktion (JA) der Ackermann-Gemeinde. Dieser Verband setzt sich in erster Linie um Verständigung, Versöhnung und Begegnung mit den tschechischen Nachbarn, aber auch mit den übrigen mittel- und osteuropäischen Völkern ein.

NEUTRAUBLING/BERLIN Gut vier Wochen später kann sich Matthias Melcher über eine besondere Auszeichnung für die JA freuen. Denn diese hat für ihr langjähriges grenzüberschreitendes Engagement vom Europäischen Parlament den Europäischen Bürgerpreis 2017 erhalten. Die Verleihung des Preises ist am 18. September in Berlin, eine weitere Veranstaltung voraussichtlich im Oktober in Straßburg. Bei beiden Terminen wird der aus Neutraubling stammende und seit 2014 in München Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (mit Schwerpunkt auf Mittelosteuropa) studierende 22-Jährige den Preis entgegennehmen.

Auf Umwegen ist Melcher zur JA gekommen. In der zehnten Klasse war er bereits ein Jahr lang in den USA, und nach dem Abitur am Neutraublinger Gymnasium entschied er sich 2013 für ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Slowakei. Sein ehrenamtliches Engagement bei „Youth For Understanding“ im Bereich Schüleraustausch ließ ihn zu diesem Schritt kommen. Wohl aber auch sein Interesse an Sprachen neben Englisch und Französisch in der Schule.

„Die slowakische Sprache habe ich im Großen und Ganzen vor Ort gelernt“, blickt Melcher zurück. An der Universität in München hat er die slowakischen Sprachkenntnisse vertieft und zudem Sprachkurse in Polnisch und Ungarisch begonnen. Das hat auch mit der Jungen Aktion zu tun, die heuer zum Jahreswechsel eine deutsch-tschechisch-slowakisch-ungarische Silvesterfeier in Budapest plant.

Katholikentag gab den Ausschlag

Zwar gibt es biografisch durchaus sudetendeutsche Bezüge – der Großvater väterlicherseits wurde aus der Region Eger vertrieben, der andere Großvater ist Josef Fendl, der Vater von Dr. Elisabeth Fendl, der Gründungsbeauftragten des Sudetendeutschen Museums. Mit ihr hat Matthias Melcher auch die Chronik der Aufbaugemeinschaft Neutraubling zum 65-jährigen Jubiläum erarbeitet – der Einrichtung der Heimatvertriebenen in Neutraubling, die sich federführend um die Vertriebenen gekümmert und deren Interessen vertreten hat.

Den Ausschlag gab aber der Katholikentag im Jahr 2014 hier in Regensburg. Dazu hatte eine Gruppe der Neutraublinger Ministranten, der viele Jahre auch Matthias Melcher angehört hat, einen Vorschlag für ein Brückensymbol eingebracht, das dann auch beim Katholikentag selbst gezeigt wurde. Beim Schlendern durch die verschiedenen Stände blieb Melcher beim Stand der Jungen Aktion hängen – und er fand Gefallen an der Thematik, der Verbandsarbeit und den Akteuren.

Katholikentag 2018 in Münster

Nach der Teilnahme an einer Sommerwoche 2014 in Ungarn brachte er sich stärker ein und fungierte in der letzten Amtsperiode des Bundesvorstands als Vertreter der Jungen Aktion bei der Aktion West-Ost im BDKJ. Da nun ein Generationswechsel in der JA-Führung anstand, wählten die Mitglieder ein neues Leitungsteam – mit Matthias Melcher als neuem Bundessprecher.

Neben dem 20-jährigen Jubiläum der Kinder- und Jugendbegegnung „Plasto Fantasto“ im August in Haidmühle bei Passau liegt der Fokus der Jungen Aktion besonders auf die zum Katholikentag 2018 in Münster geplante Friedensradtour von Prag (Prager Fenstersturz 1618) nach Münster (Westfälischer Friede). Das Gedenken an den Dreißigjährigen Krieg und 100 Jahre Ende des Ersten Weltkrieges spielt hier thematisch rein.


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