21.07.2017, 10:28 Uhr

Medien Fragwürdig: Die Antifa ruft zum Boykott und die ,Süddeutsche Zeitung' berichtet

Foto: Günter Staudinger (Foto:Schmid)Foto: Günter Staudinger (Foto:Schmid)

Fragwürdig: Gerade erst mischte die Antifa am G20-Gipfel in Hamburg Polizisten und friedlichen Bürgern auf, da macht sie in Regensburg gegen Veranstalter Peter Kittel mobil. Der hatte es gewagt, ein Festival ,Heimatliebe' zu nennen. Und die ,SZ' reagiert.

REGENSBURG Die Medien stehen im Moment stark in der Kritik. Waren sie bis vor der Flüchtlingskrise für viele Menschen neutrale Vermittler, gerierten sich manche Medien im Herbst 2015, als wären sie die Verlautbarungsabteilung der Regierung Merkel.

Gerade die „Süddeutsche Zeitung“ versteht sich indes als Flaggschiff des Qualitätsjournalismus in Deutschland. Blickt naserümpfend auf manche Lokalzeitung herab. Und macht andererseits keinen Hehl daraus, einen Linksdrall zu haben, den man gut finden, schlecht finden, keinesfalls aber als neutral einstufen kann. Wenn aber Stellungnahmen linksextremistischer Vereinigungen wie der Antifa den Stein einer Berichterstattung ins Rollen bringen – ist dann nicht eine Linie überschritten?

So ging es kürzlich jedenfalls dem Regensburger Veranstalter Peter Kittel. Der hatte mit seinem „Heimatliebe“-Festival ein neues Format beim Pürkelgut auf die Beine gestellt. Weil Kittel in Sachen Flüchtlinge eine kritische Haltung in seiner Stadtzeitung einnahm, rief der Name „Heimatliebe“ die Antifa auf den Plan. Und, die Drähte scheinen kurz zu sein, einen Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“. Der bezog sich in einer Anfrage an Kittel auf den „Antifaschistischen Bund Regensburg“.

Kittel selbst findet es durchaus höchst bedenklich, „wenn ein Redakteur ein dubioses Pamphlet der Antifa sowie persönliche Diffamierungen eines linksradikalen Bloggers gegen meine Person als Quelle benutzt, um sich über die friedliche Veranstaltung ,Heimatliebe‘ auszulassen“, so Kittel. Auch angesichts der gewaltsamen Ereignisse am G20-Gipfel in Hamburg kann er nicht verstehen, wie man sich derart benutzen lassen kann. Zudem: „Der Artikel gegen ,Heimatliebe‘ bzw. gegen mich als Person ist gespickt mit Halb- bzw. krassen Unwahrheiten“, so Kittel weiter.

Einstweilige Verfügung gegen die SZ erwirkt Das wurde der „SZ“ nun – zumindest vorläufig – zum Verhängnis: Das Landgericht Berlin erließ eine Einstweilige Verfügung gegen eine Passage in dem Bericht, die offensichtlich falsch war. Dass es in Sachen Recherche ohnehin nicht sonderlich genau genommen wurde bei der SZ, bemerkt man allerdings nicht nur angesichts des juristischen Schiffbruchs. Aus Kittels Stadtzeitung machte der SZ-Redakteur kurzerhand einen „Stadtanzeiger“. Dabei sollten doch wenigstens Namen richtig sein, oder?

KOMMENTAR Die Verharmlosung muss ein Ende haben

Unerträglich: Die Verharmlosung von Linksextremismus muss endlich ein Ende haben! Der immens wichtige Konsens, dass Rechtsextremismus bekämpft werden muss, ist übertragbar auf linksextreme Gruppen. Wer meint, Unterschiede machen zu können, verharmlost, Gewalt gegen Unbeteiligte und gegen die Polizei. Um es noch drastischer auszudrücken: Jeder, der Linksextremismus rechtfertigt, ist nicht viel besser als die Steinewerfer und Chaoten, die schlecht bezahlte Polizisten drangsalieren. In Regensburg wurde viel zu lange weggeschaut, wenn Linksextreme Deutungshoheit in Anspruch nahmen. Man stelle sich vor, statt der Antifa würden Neonazis mit einer von der Stadt bezuschussten Organisation zusammen einen Workshop veranstalten. Zu Recht wäre der Aufschrei groß. Wo bleibt er jetzt?


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