02.06.2017, 08:50 Uhr

Superfood Spirulina Sie haben die Lösung! Regensburger Studenten kämpfen in Kenia gegen den Hunger

Foto: Thriving Green (Foto:Schmid)Foto: Thriving Green (Foto:Schmid)

„Es hat mir so leid getan, zu sehen, wie schlecht es den Menschen hier geht. Die Wüste ist voller Tierkadaver, die Fischer kehren mit leeren Netzen nach Hause zurück und auf staatliche Hilfe ist kein Verlass“, so Larissa Florysiak. „Wir werden jetzt alles daran setzen, das Projekt zu vergrößern um möglichst vielen Menschen Zugang zu diesem Superfood zu geben“, erklärt sie weiter.

REGENSBURG Larissa gehört zu einem Team von Studenten, aus Regensburg, das mit der Hilfe einer Algenfarm gegen den Hunger im Osten Afrikas kämpft. Das Ziel der Studenten ist eine nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Begonnen hat alles im Jahr 2016. Der Biologiestudent Alexander Zacharuk sah im vergangenen Juni eine TV-Dokumentation über den Turkana-See in Kenia.

Die Region Turkana ist eine der ärmsten Regionen der Welt. Das Wasser des Turkana-Sees, dem größten Wasserreservoir der Region, ist aufgrund seines hohen Salzgehalts und des extremen pH-Wertes für Pflanzen und Nutztiere tödlich. Konstante Temperaturen jenseits der 30 Grad und lange Dürreperioden machen konventionelle Landwirtschaft unmöglich – so das Ergebnis der Dokumentation. Unterernährung und Hunger sind die Folge. Das wollte der Biologiestudent aber nicht so einfach akzeptieren.

Wo Landwirtschaft unmöglich scheint, sieht Alexander Zacharuk eine Lösung: Die Mikroalge Spirulina. „Spirulina kann sich durch Zellteilung exponentiell schnell vermehren und gilt aufgrund des hohen Vitamin- und Proteingehalts als Superfood. Zudem wächst es am besten unter hohen Temperaturen in einem Wasserbecken mit hohem pH-Wert“, so Zacharuk. Er ist davon überzeugt, dass sich Spirulina kostengünstig und ertragreich am Turkana-See anbauen lässt und man damit dem Mangelernährungsproblem entgegenwirken kann. Gemeinsam mit Daniel Kotter gründete Alexander Zacharuk das Projekt „Thriving Green“, zu dem auch Larissa gehört.

Nach erfolgreichen Versuchen in Regensburg hat das „Thriving Green“-Team Anfang Mai die erste Algenfarm in Turkana in Betrieb genommen. Dafür reisten die Studenten extra nach Kenia. Die Studenten sind sich sicher: Der Anbau von Spirulina bietet eine neue Chance für die Region: Die Alge wächst unter der dortigen Hitze und dem salzig-basischen Wasser des Turkana-Sees optimal und lässt sich leicht mit regelmäßig hohen Erträgen ernten.

Man kann die Alge zu Fladenbrot verarbeiten

Man kann die Alge in Wasserbecken anbauen, nach zehn Tagen bereits ernten und dann zu Pulver oder Fladenbrot verarbeiten. So kann Spirulina von den Einheimischen selbst angebaut und mit den traditionellen Speisen der Region gegessen werden.

Der gesamte Herstellungsprozess ist einfach abzubilden und verhältnismäßig billig. Projektmitglieder von „Thriving Green“ reisten Mitte April nach Turkana, Kenia, in das Fischerdorf Nariokotome an den Turkana-See. Hier empfing sie Pater Avelino, der Leiter der Mission in Nariokotome. Avelino ist seit 1993 in der Region tätig und leistet wichtige humanitäre Hilfe. Er unterstützt das Projekt sehr, unter anderem durch Bereitstellung von Unterkunft und Grundstücken. So wurden vor Ort drei Zuchtbecken aus Beton mit insgesamt 150 Quadratmeter Zuchtfläche errichtet. Somit können 360 Menschen täglich mit frischem Spirulina versorgt werden.

„Die Armut der Menschen lässt sich zwar anhand des Tageseinkommens von 1,66 Dollar beschreiben, sie jedoch mit eigenem Leib unmittelbar zu erfahren und zu sehen, was das für die Lebensumstände der Menschen konkret bedeutet, war ein Schock“, beschreibt Daniel Kotter. „Es ist von zentraler Bedeutung, dass die Einheimischen selber Lebensmittel produzieren, um sich unabhängiger von Entwicklungshilfe zu machen und lernen, sich als Gesellschaft selber zu versorgen“, erklärt er weiter.

Einer der eindrucksvollsten Momente der Reise für die Studenten war die Reaktion der Einheimischen, als sie zum ersten Mal ein Lebensmittel in der Wüste so schnell wachsen sahen. Als sie es dann noch probierten und es ihnen auch noch schmeckte, waren sie regelrecht begeistert. Mit Joseph Ekoyan gibt es nun sogar einen einheimischen Spirulina-Bauer, der sich um die Zucht kümmert und von „Thriving Green“ ausgebildet wurde. Bereits weitere Einheimische erklärten sich dazu bereit, als Spirulina-Bauer tätig zu sein, sobald das Projekt größer wird.

Um den Spirulina-Bauer Joseph zu unterstützen, sendet dieser dem Projektteam regelmäßig Daten zur Zucht. Zudem besteht zusätzlich Kontakt zur Zuchtanlage. Ziel ist es, großflächig Spirulina zu züchten und Spirulina-Bauern in die Lage zu versetzen, um die Ernährungs- und Einkommenssituation nachhaltig zu verbessern. „Momentan bewerben wir uns bei Stiftungen und Förderprogrammen, damit das Projekt noch größer werden kann.

Anfang September würden wir gerne noch einmal nach Kenia fliegen und weitere Becken installieren. „Wir sind alle unglaublich motiviert“, erklärt Daniel Kotter die Zukunftspläne. Auch Spenden für das Projekt sind willkommen. Weitere Infos dazu gibt es unter www.thriving-green.com.


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