30.04.2017, 08:09 Uhr

"Woche für das Leben" 5.238 Ratsuchende im Jahr 2016 bei den Caritas-Schwangerschaftsberatungsstellen

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Viele Menschen haben den Wunsch nach einer sorgenfreien Schwangerschaft, einer glücklichen Geburt und einem gesunden Kind. Doch immer mehr Menschen machen die Erfahrung, dass sich ihr Kinderwunsch nicht erfüllt.

REGENSBURG Gleichzeitig eröffnen sich für Menschen mit einem unerfüllten Kinderwunsch angesichts medizinischer und technischer Möglichkeiten ganz neue Perspektiven. Mit Fragen rund um dieses Thema beschäftigt sich in diesem Jahr die von evangelischer und katholischer Kirche gemeinsam getragene "Woche für das Leben" unter der Überschrift "Kinderwunsch – Wunschkind – Designerbaby". Auch die katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen in Trägerschaft der Caritas begleiten und beraten Menschen in diesen Fragen.

Durch die Möglichkeiten von Medizin und Technik wächst die Hoffnung der betroffenen Frauen und Männer auf ein eigenes Kind. Doch gleichzeitig steigt auch der Druck, alles zu versuchen, was machbar erscheint. Die Nöte der Betroffenen sind oft groß. Da es ein sensibles Thema ist, wird öffentlich kaum darüber gesprochen. Viele Paare haben häufig eine lange und zermürbende Suche nach den Ursachen ihrer Kinderlosigkeit hinter sich, bevor sie sich an eine Schwangerschaftsberatungsstelle wenden. In den Beratungsgesprächen werden persönliche, ethische und finanzielle Fragen besprochen, mit denen sich die betroffenen Paare oft alleine gelassen fühlen. Auch die Sorge um die Gesundheit ihres Kindes führt Frauen und Paare in die Schwangerschaftsberatungsstellen, um sich hier mit Blick auf die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik (vorgeburtliche Untersuchungen) beraten zu lassen. Die Beraterinnen der Caritas informieren und beraten zudem auch zu grundsätzlichen Fragen von Sexualität und Familienplanung.

"Die Nöte der Frauen liefern uns ein Spiegelbild der Gesellschaft", sagt Gabriele Dotzer, Leiterin der Caritas-Beratungsstelle in Regensburg, "daran sehen wir, woran es mangelt". Die Hälfte aller Anfragen drehe sich um Themen, die während der Schwangerschaft erst so richtig an die Oberfläche kommen: gesetzliche Regelungen, existenzielle Fragen, finanzielle Hilfen, Wohnungs-, Arbeitsplatz- und ausländerrechtliche Probleme oder Beziehungsschwierigkeiten. "Viele Frauen besuchen uns später mit ihren Kindern, wir erleben oft die Kinder in ihren ersten Lebensjahren, das ist schön", freute sich Dotzer. Die Caritas-Schwangerschaftsberatung biete dazu Beratungen für Schwangere mit Depressionen in der Schwangerschaft oder nach der Geburt, Hilfen für Eltern mit Handicap oder wenn ein Kindheit mit Behinderung geboren wird. Schwangere vor oder während vorgeburtlichen Untersuchungen oder mit einem pränataldiagnostischen Befund, Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch oder nach Fehl- oder Totgeburt – alle können zur Caritas kommen. Und wenn finanziell der Schuh drückt, können die Beratungsstellen auf verschiedene Stiftungen oder den Bischöflichen Hilfsfonds zurückgreifen. Daneben gibt es viele Gruppenangebote für Schwangere, junge Mütter und Präventionsarbeit an Schulen.

Insgesamt kamen im letzten Jahr 5.238 Ratsuchende in die Schwangerschaftsberatungsstellen des Bistums Regensburg. Insgesamt waren es mehr als 8.400 Beratungskontakte. Jede dritte Klientin ist mittlerweile erst zwischen 15 und 25 Jahre alt. Im letzten Jahr konnten die Beraterinnen aus den verschiedenen Stiftungen und Fonds fast 1,4 Millionen Euro vermitteln. Die Caritas-Schwangerschaftsberatung wird zum größten Teil aus Kirchensteuermittel finanziert. Jährlich eine Million Euro wendet das Bistum Regensburg dafür auf. Vom Staat bekommen die kirchlichen Schwangerschaftsberatungsstellen einen kleinen Zuschuss. "Der Stellenwert unserer Beratungsstellen ist nach wie vor hoch. Unser großes Plus ist die Vernetzung mit Caritas-Fachdiensten wie Sozialberatung, Schuldnerberatung, Erziehungsberatung, Ehe- und Familienberatung, Ausländerberatung oder Behindertenhilfe. Kurze Wege und unbürokratische Weitervermittlung erhöhen die Beratungseffizienz", sagt Diözesan-Caritasdirektor Michael Weißmann. Die Beratungsstellen der Caritas könnten bei Bedarf auf die Bestände in eigenen Kleiderkammern oder Lebensmittellagern zurückgreifen. In Regensburg hält die Caritas außerdem vier Apartments für Alleinerziehende mit ihren Kindern vor. 

Caritas-Schwangerschaftsberatung gibt es in der Diözese Regensburg an vielen Orten: Amberg, Cham, Deggendorf, Dingolfing, Kelheim, Landshut, Regensburg, Schwandorf, Straubing, Tirschenreuth und Weiden. Die Beratung ist unabhängig von Nationalität und Religionszugehörigkeit, für Ratsuchende kostenlos, unterliegt dem Datenschutz und der Schweigepflicht und kann auf Wunsch auch anonym erfolgen. 


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