17.04.2017, 08:36 Uhr

Flüchtlinge Drama im Mittelmeer: Regensburger Flüchtlingsretter sind in Seenot geraten

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Die Regensburger Initiative Sea-Eye hat ein Problem: Ihr Schiff ist in Seenot geraten. Bei der Seenotrettungsstelle in Rom sei ein „Mayday“ eingegangen, berichtet unter anderem die Tagesschau.

REGENSBURG Die Tagesschau berichtete am Ostermontag von einer dramatischen Situation für die Hilfsorganisation „Jugend Rettet“, deren Boot „Iuventa“, ein Fischtrawler, in Seenot geraten sei. Zudem sei die Sea-Eye, das Boot der Regensburger Initiative, in Seenot geraten. Wörtlich heißt es: „Die mit Flüchtlingen überfüllten Schiffe seien manövrierunfähig. Die Sea-Eye habe zudem einen Motorschaden. Beide Besatzungen hätten insgesamt etwa 600 Flüchtlinge an Bord genommen. Da sich das Wetter verschlechtere, könne die Sicherheit der Menschen nicht gewährleistet werden, sagte Schmidt. Weitere 400 Flüchtlinge befänden sich in kleinen Booten und ohne Rettungswesten in der Nähe der Schiffe. Die Menschen drohten zu ertrinken, wenn sie nicht zügig von anderen Schiffen aufgenommen würden.“

Zwar seien von der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa Schiffe zur Hilfeleistung gestartet. „Sie hätten aber unterwegs so viele Flüchtlinge an Bord genommen, dass sie wieder umkehren mussten, sagte Schmidt. Offensichtlich hätten sich in den vergangenen Tagen zahlreiche Menschen von Afrika aus auf den Weg nach Europa gemacht.“

Noch am Ostersonntag verbreitete die Regensburger Organisation eine Mitteilung, in der sie die Behörden der Europäischen Union scharf kritisierte. Wörtlich hieß es: „Das Osterwochenende endete für unzählige Flüchtende im Mittelmeer tödlich. Die privaten Rettungsorganisationen – darunter auch die Sea-Eye – kämpften Tag und Nacht und am Rande ihrer Kapazitäten um die Rettung der Schiffbrüchigen und konnten schätzungsweise 1200 in Sicherheit bringen.

Für viele aber kommt auch heute die Hilfe zu spät. Alleine Sea-Eye musste neun Menschen tot aus dem Meer bergen, eine Schwangere konnte nicht mehr reanimiert werden. 

Wieder einmal zeigt sich auf tragische Weise das eklatante Versagen der offiziellen EU-Politik im Umgang mit den Flüchtenden. Statt den verzweifelten Menschen zur Hilfe zu eilen, rüsten die europäischen Staaten mit Frontex zur Flüchtlingsabwehr und Grenzsicherung auf. Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer: "Europa und Afrika sieht weg, während sich vor ihrer Haustüre eine humanitäre Katastrophe abspielt."

Als Erinnerung an die namenlosen Toten des Osterwochenendes errichtet Sea-Eye heute um 14 Uhr auf der Jahninsel, direkt an der Donau zehn Kreuze. Mitglieder der privaten Seenotrettung halten eine Trauerfeier mit Mahnwache ab. "Die Kreuze zeigen unsere Trauer und mahnen die Lebenden. Lassen Sie es nicht zu, dass das Massensterben im Mittelmeer weiter geht. Unsere Zivilisation darf nicht vor der Küste Afrikas enden", erklärt Michael Buschheuer.

Derweil wird in den überregionalen Medien immer wieder Kritik an den Organisationen wie Sea-Eye laut, die vor allem vom Chef der EU-Organisation Frontex in die Welt gesetzt wurde. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am Karfreitag: „Die libyschen Flüchtlingszentren, so berichtet es zum Beispiel Ärzte ohne Grenzen, werden von brutalen Milizen verwaltet. Da wird gefoltert, um mehr Geld aus den Flüchtlingen und deren Angehörigen zu pressen. Da werden Menschen gegängelt, erniedrigt, vergewaltigt. Wer eine Chance hat, sich aus einem dieser Lager zu befreien und auf ein Boot zu steigen, der tut das. Auch wenn es lebensgefährlich ist. In der Sprache der Migrationsexperten nennt man das ,Push-Faktor“, will heißen: Der Drang der Flüchtlinge, diese schlimmen Orte zu verlassen, ist größer als die Angst vor der Todesroute durch das Mittelmeer. Manche werden auf die Boote gezwungen. Allein im vergangenen Jahr starben auf der Straße von Sizilien 4600 Migranten. ie Todesfälle wären noch viel zahlreicher gewesen, wenn neben den Schiffen der italienischen Marine und der Küstenwache sowie jenen der europäischen Missionen nicht auch noch ein Dutzend Boote von Nichtregierungsorganisationen gekreuzt hätten. Mittlerweile wird mehr als ein Drittel aller Rettungsoperationen von NGOs durchgeführt. Sie stehen dafür in der Kritik. Es heißt, sie seien ein Pull-Faktor geworden, sie zögen die Flüchtlinge aktiv an, weil sie seit einem halben Jahr viel näher an der libyschen Küste operierten als zuvor. Frontex, die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, wirft einigen Organisationen sogar vor, dass sie sich mit libyschen Schleusern absprechen würden, ihnen ihre Positionen übermittelten, mit Scheinwerfer auf sich aufmerksam machten, Telefonnummern austauschten.“

UPDATE: Zwischenzeitlich präzisierte Sea-Eye, dass nicht der Motor des Schiffes ausgefallen sei, sondern lediglich ein Generator. 


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