12.04.2017, 12:57 Uhr

Krematorium Menschliche Überreste per Postbote und anonym bestattete Bein-Amputate

Das Krematorium am Dreifaltigkeitsberg in Regensburg Foto: Ratisbona MediaDas Krematorium am Dreifaltigkeitsberg in Regensburg Foto: Ratisbona Media

Immer mehr Details zu den Ermittlungen im Krematorium kommen ans Licht - bei manchen Details schaudert es einen.

REGENSBURG Die Stadt Regensburg hat eingeräumt, dass die Körperteile, die möglicherweise illegal im Regensburger Krematorium mit Leichen verbrannt wurden, vom Evangelischen Krankenhaus stammen. Dem Wochenblatt liegt der Entsorgungsplan des Krankenhauses vor, das bis 2013 von der Stadt betrieben wurde. Darin heißt es, Körper- und Organabfälle wie Plazenten müssten in die Krankenhausabfallverbrennung nach Augsburg gebracht werden. Amputierte Körperteile wurden indes im Operationssaal verpackt und ins Krematorium gebracht.

Dem Wochenblatt liegt der Durchsuchungsbeschluss der Staatsanwaltschaft Regensburg vor. Darin heißt es, dass gegen vier Mitarbeiter des Krematoriums und der Friedhofsverwaltung ermittelt wird. Am 13. Februar 2017 hatte es eine Durchsuchung dort gegeben. Sichergestellt wurden auch Computer. Die Ermittler könnten darauf Hinweise auf eine Störung der Totenruhe finden. Nach Informationen des Wochenblatts gibt es zumindest ein Bild, das eine Leiche eines Unbeteiligten mit einem Amputat zeigt, das aus dem Evangelischen stammt. In dem Beschluss heißt es, die Polizei sollte im Krematorium nach Fotografien suchen, die die Anlieferung, aber auch die Entsorgung und Einäscherung von Leichenteilen zeigten. Zudem interessierten sich die Ermittler für Spenden anlässlich der Trauerfeiern, weil auch der Verdacht besteht, dass sich Mitarbeiter des Friedhofs beziehungsweise des Krematoriums an Kollekten vergriffen hatten. Interessant ist auch, dass die Staatsanwaltschaft Rechnungen des Urnenversandes sicherstellte. Der Betrag, der in dem Beschluss beziffert wird, lautet auf 3,11 Euro – das ist der Preis eines Paketes bei der Post-Tochter DHL. Das Wochenblatt fragte nach bei der Stadt, ob es richtig ist, dass die Urnen wie jede andere Post auch mit Standardpaketen versandt wurden. Dort bestätigt man das indirekt: „Die Stadt versendet alle Urnen durch die städtische Poststelle“, heißt es in der Antwort. Das ist heikel, denn im Bestattergesetz ist geregelt, wer Urnen entgegennehmen darf. Städtische Angestellte in Poststellen sind es in der Regel nicht.

Den Angehörigen werde nach dieser Satzung pro Versand in Deutschland eine Gebührenrechnung in Höhe von 31 Euro erstellt, heißt es weiter. In dieser Kalkulation seien Personalkosten, Verpackungsmaterial und Sachaufwand enthalten. „Für den Versand bezahlt die Stadt das regulär anfallende Porto, das in die allgemeine Gebührenrechnung mit einfließt.“ Diese Vorgehensweise entspreche den gesetzlichen Bestimmungen, beharrt die Stadt. Ob es tatsächlich Bilder mit amputierten Körperteilen in Särgen gibt, das weiß die Stadt selbst nicht. „Wir kennen den Ermittlungsstand nicht“, teilte man uns mit.

In einer Stadtratssitzung hatte der zuständige Rechtsreferent Wolfgang Schörnig auf Fragen der SPD-Fraktion hin auch behauptet, die verbrannten Überreste aus den Operationssälen des Evangelischen Krankenhauses seien bestattet worden. Doch wo? „Bei einer ordnungsgemäßen Kremierung von Amputaten wird der geringe Ascheteil, der im Ofen zwangsläufig übrigbleibt, gesammelt und in einer Urne anonym beigesetzt“, heißt es von Seiten der Stadt. Offenbar muss es also am Dreifaltigkeitsberg eine Sektion geben, in der die Amputate aus dem Evangelischen bestattet wurden. Erdbestattungen gab es demnach nicht, „obwohl dies gesetzlich möglich wäre“, betont man bei der Stadt.

Stellt sich die Frage: Wer hat sich Geld gespart dadurch, dass man die Amputate in Regensburg verbrannte? Darauf wird es wohl keine Antwort geben, denn bei der Stadt verweist man darauf, dass man die Unterlagen gar nicht mehr hat, das Krankenhaus wird nun von den Barmherzigen betrieben. Außerdem habe es keinen Posten für die Entsorgung gegeben. Das aber ist heikel: Denn die Entsorgung in der Abfallbeseitigungsanlage in Augsburg ist teuer. Wer sparte sich Geld? Der damalige Verwaltungsleiter des Evangelischen ist heute Leiter der Bürgerbüros der Stadt. Er hatte verfügt, dass die amputierten Beine und andere Körperteile im Krematorium entsorgt wurden. Bei der Stadt heißt es weiter, man habe den Patienten sogar einen Gefallen getan, „um den betroffenen Patienten den Gedanken an die Beseitigung eines amputierten Körperteils in einer großen Abfallverwertungsanlage zu ersparen.“


0 Kommentare